Erinnerung an tausend Jahre

AZ-SERIE „FELDSTEINKIRCHEN IM LANDKREIS UELZEN“: St. Laurentius in Stederdorf

St. Laurentius in Stederdorf wartet mit einer bunten Mischung aus Feldsteinen und Ziegeln auf.
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St. Laurentius in Stederdorf wartet mit einer bunten Mischung aus Feldsteinen und Ziegeln auf.
  • vonAndreas Urhahn
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Stederdorf – Eine Besonderheit im norddeutschen und baltischen Raum sowie in England sind Kirchen, die aus Findlingen und Feldsteinen erbaut worden sind.

Aus Ermangelung an anstehendem Gestein wurden die unförmigen Klumpen, welche die Eiszeiten in unsere Region trugen, verwendet. Auch im Landkreis Uelzen sind einige Feldsteinkirchen zu entdecken. Dazu startet die AZ heute eine neue Serie.

Auf den ersten Blick wirkt St. Laurentius in Stederdorf wie eine romanische Backsteinkirche. Erst bei näherer Betrachtung fallen die unterschiedlichen Baumaterialien auf, die in den Epochen der vergangenen tausend Jahre an dem Gotteshaus verarbeitet wurden. Feldsteine, Backsteine und, durch die Kombination der Baustoffe bedingt, Unmengen an Mörtel. Der Turm steht erst seit 1894 in aktueller Form an seinem Platz. Zuvor musste die Gemeinde sich mit einem Holzturm begnügen, der vermutlich seit 1663 dort stand. Der ehemalige Pastor von Nettelkamp und Stederdorf, Georg Hencke, schrieb alles ihm Bekannte in seinem „Kleinen Kirchenführer“ nieder, der der AZ vorliegt.

Die Epochen nebeneinander: Altar, Bänke und Taufstein stammen aus verschiedenen Zeitaltern.

Durch ein großes Tor, das in den viereckig gegründeten Turm eingelassen ist, gelangt man in das Kirchenschiff. Oberhalb des Eingangs, wo insgesamt vier Glocken hängen, die die Mitglieder der Gemeinde begrüßen oder auch verabschieden, wird der Turm dann achteckig und weist somit eine äußerst prägnante Form auf.

Im Innern des Gotteshauses erinnert fast nichts mehr an die ursprüngliche Form. Der Chorraum ist zwar der älteste Teil der Kirche und rund 1000 Jahre alt, doch wurde der gesamte Bereich 1878 umgestaltet. Der Altar wurde 1651 errichtet, die Orgel stammt aus 1972 und ist im Vergleich „nagelneu“. Der alte Taufstein steht aber wohl noch an seiner Stelle und trägt eine lateinische Inschrift von 1364. Pastor Georg Hencke geht in seiner Schrift jedoch davon aus, dass der Sandstein 200 bis 300 Jahre älter ist und lediglich die Gravur später hinzugefügt wurde.

Im Außenbereich von St. Laurentius gibt es noch einiges zu entdecken. Im hinteren Bereich wurden ältere Pastoren aus Stederdorf begraben. Grabplatten und Kreuze sind noch immer vorhanden. Genau von deren Position aus lässt sich das Besondere an diesem Bauwerk bewundern: die bunte Mischung aus Findlingen und gebrannten Mauerziegeln, aus Natur und Kultur.

Rote Quader rahmen die Kirchenfenster ein

In welchem Jahr genau die roten, von Menschenhand gefertigten Quader ihren Weg in die Feldsteinmauern des Gebetshauses gefunden haben, lässt sich kaum noch nachvollziehen. Heute umrahmen sie die romanischen Fenster des Kirchenschiffs, und an mancher Stelle lassen sich noch rote Bögen ausmachen, die einst eine damals noch vorhandene Öffnung überbrückten. Heute sind sie mit großen Feldsteinen und Mörtel verfüllt.

Die St.-Laurentius-Kirche in Stederdorf ist eine der ältesten Kirchen im Landkreis Uelzen und trägt so die Erinnerung an tausend Jahre in sich.

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