Sie schweißt wie ein Kerl

Emilia Sulowski (21) aus Wriedel ist Landesbeste der Konstruktionsmechaniker

Emilia Sulowski beim Schweißen auf dem elterlichen Metallbaubetrieb in Wriedel: „Als Frau hat man mehr Fingerspitzengefühl“, ist die 21-Jährige überzeugt.
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Emilia Sulowski beim Schweißen auf dem elterlichen Metallbaubetrieb in Wriedel: „Als Frau hat man mehr Fingerspitzengefühl“, ist die 21-Jährige überzeugt.

Wriedel – „Das war eine super Überraschung. Das hat sich richtig gut angefühlt. “ Mit einem Stern wurde Emilia Sulowski bei der Online-Ehrung der Industrie- und Handelskammer Lüneburg als Landesbeste bei den Konstruktionsmechanikern ausgezeichnet.

Trotz einer Lehrzeitverkürzung von einem halben Jahr hat sie die praktische Abschlussprüfung mit 100 Prozent der Punkte absolviert. Ein toller Erfolg für die junge Frau aus Wriedel – in einem Beruf, der immer noch von Männern dominiert wird.

Letzteres hat die 21-Jährige auch zu spüren bekommen, als sie ihre Ausbildung bei Rheinmetall in Unterlüß begann. „Das musste ich denen erst mal zeigen. Da sind welche von den älteren Mitarbeitern skeptisch gewesen“, erzählt Emilia Sulowski mit einem Schmunzeln.

Nebenbei macht Emilia Sulowski auch noch eine Hufschmiedlehre auf dem elterlichen Betrieb.

Dabei war die Abiturientin sogar im Vorteil, weil sie bei ihrem Vater, der in Wriedel als Metallbauer und Hufschmied tätig ist, bereits im Umgang mit Metall und Schweißgerät vertraut war. Aus alten Hufeisen zaubert sie in ihrer Freizeit Kunstwerke. Unter anderem hat sie aus den ausgedienten Eisen, die normalerweise an den Schrotthändler gehen, schon ein Pferd und eine Giraffe gestaltet. Und so hat die junge Frau ihr Hobby zum Beruf gemacht.

In der Ausbildung hat sie gefeilt, gedreht, gefräst und geschweißt. Ihre Spezialität aber ist das Wolfram-Inertgas-Schweißen. Und da stellt die Wriedelerin doch Unterschiede zwischen den Geschlechtern fest. „Als Frau hat man mehr Fingerspitzengefühl“, ist Sulowski überzeugt. Dafür muss sie sich Hilfe holen, wenn eine der schweren Gasflaschen ausgewechselt wird.

Nun hat Emilia Sulowski ein Maschinenbau- und Produktionsstudium an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) begonnen. In den Ferien sammelt sie weiter Praxiserfahrung bei Rheinmetall in Unterlüß. Ihr Berufsziel ist der Schweißfachingenieur, der beurteilt, ob sich technische Verbindungen durch Schweißen herstellen lassen. Für eine Weiterbildung in dieser Spezialisierung hat sie bereits ein Stipendium der IHK sicher. Die Ausbildung ist aus ihrer Sicht eine wichtige Vorbereitung. „Ich möchte wissen, wovon ich rede, wenn ich den Mitarbeitern Anweisungen gebe“, sagt die selbstbewusste junge Frau.

Nebenbei bleibt sie ihrer Herkunft treu und macht im elterlichen Betrieb eine Ausbildung zur Hufschmiedin. Im Sommer hat sie die ersten Prüfungen absolviert. „Das möchte ich auch als Nebenjob weiterführen“, erzählt Emilia Sulowski, die früher auch selbst geritten ist. „Ich arbeite super gern mit Pferden. Das ist ein schöner Ausgleich zum Berufsalltag.“ VON GERHARD STERNITZKE

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