Ausgerechnet im Wohnhaus des in die Kritik geratenen Friedrich Wollbrandt sollen am Sonntag die Einwohner abstimmen

„Eklat“: Varbitzer fordern neuen Wahllokal-Standort

+
Der Präsident des Kreisschützenverbandes Uelzen, Friedrich Wollbrandt, hat eine Kontroverse unter Jäger, Sportschützen und zahlreichen Bürgern ausgelöst.

kah/nre Soltendieck. Nachdem der Präsident des Kreisschützenverbandes Uelzen, Friedrich Wollbrandt, gestern wegen einer Wahlempfehlung in die Kritik geraten ist, melden sich jetzt Varbitzer Bürger mit Bedenken.

Der Grund: Das Varbitzer Wahllokal ist in der Wohnung des hochrangigen Schützen. Und seine Wahlempfehlung wurde kritisiert, weil sie einseitig die Grünen benachteilige.

Wollbrandt hatte in einer Mail darauf hingewiesen, dass die Grünen eine Waffensteuer wollten und gleichzeitig erklärt, dass jemand, der die Waffensteuer nicht wolle, nicht wähle, was Geld koste. Dafür kritisierte ihn der Pressesprecher der Uelzener Schützengilde Erwin Reitenbach, weil der KSV politisch neutral bleiben müsse (AZ berichtete).

Lesen Sie dazu auch:

"Eklat" um Wahlaufruf

In diesem Zusammenhang wurde gestern nun der Ruf nach einer Verlegung des Wahllokals laut. Wie Michael Wedemann, der für die Grünen im Gemeinderat von Soltendieck sitzt, gegenüber der AZ erklärte, hätten Varbitzer ihn aufgefordert, sich für einen neuen Standort stark zu machen. „Ich teile die Auffassung der Einwohner, auch wenn das bedeutet, dass künftig die Dorfgemeinschaft bei einem Urnengang nach Kattien oder Soltendieck fahren müsste. Aber wenn schon bei jemandem im Wohnhaus ein Wahllokal eingerichtet wird, muss dieser über den Dingen stehen“, so Michael Wedemann. Der Kommunalpoltiker wollte sich noch gestern mit der Verwaltung der Samtgemeinde Aue in Verbindung setzen.

Der Bürgermeister der Samtgemeinde Aue, Harald Benecke, erklärte gestern auf AZ-Nachfrage, dass man das Wahllokal jetzt nicht mehr ändern könne. „Ich selbst stehe überaus negativ zu Wahllokalen in privaten Wohnhäusern“, so der Verwaltungschef. So werde in wahlrechtlichen Ausführungshinweisen für Verwaltungen erklärt, man solle möglichst öffentliche Gebäude zu Wahllokalen machen. Aus gutem Grund, wie Benecke erklärt: „In den Dörfern kann es mal private Missfälligkeiten geben, wo sich Einzelpersonen nicht ganz grün sind“, sagt er. Sein jetziges Problem wäre also ein typischer Fall. In der Praxis sehe auch die Nutzung von öffentlichen Gebäuden aus Platzmangel schwer aus. „Die Frage in Varbitz wäre, wo sollen sie denn dann wählen“, sagt er. „Trotz meiner Vorbehalte werde ich das jetzt aber wohl nicht ändern, weil das Wahllokal auf der Karte benannt ist.“ Er will keine juristischen Angriffspunkte liefern, die beispielsweise durch mangelnde Informationen zu einer Änderung oder mangelnde Ausschilderung zu einem neuen Lokal entstehen könnten. „Ich kann nur appellieren, dass die, die nicht dort abstimmen wollen, per Briefwahl wählen“, sagt Benecke.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare