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Ein neues Bett für den Eisenbach in Stadensen

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Von: Bernd Schossadowski

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Der Eisenbach fließt durch einen Erlenbruch in Stadensen.
Links ist der neue Verlauf des Eisenbachs zu sehen, rechts wurde das alte Bachbett in Richtung der inzwischen abgerissenen Mühle mit Erde verfüllt. © Bernd Schossadowski

Mit einem besonderen Projekt wurde die ökologische Durchgängigkeit des Eisenbachs in Stadensen verbessert. Damit Fische und Kleinstlebewesen das Gewässer leichter passieren können, wurde der Bachlauf auf einer Länge von 550 Metern verlegt.

Stadensen – Was haben der Chicago River und der Eisenbach in Stadensen gemeinsam? Zwar sind beide Gewässer hinsichtlich ihrer Länge und Bedeutung völlig verschieden, und doch verbindet sie etwas: Ihr Verlauf wurde künstlich verändert. 1871 wurde der Chicago River in den Illinois- und Michigan-Kanal umgeleitet, damit Verunreinigungen aus dem Fluss das Trinkwasser der Metropole im Mittelwesten der USA nicht länger verschmutzen. Einen anderen Grund gibt es beim Eisenbach. Sein Verlauf wurde jetzt verlegt, um die ökologische Durchgängigkeit wieder herzustellen.

Im Bereich der alten Mühle am Eisenbach, die inzwischen abgerissen wurde, gab es einen Höhenunterschied von 1,80 Meter, erklärt Bauamtsmitarbeiterin Johanna Rößler. Fische und Kleinstlebewesen konnten die Staustufe nicht überwinden. Deshalb hat die Gemeinde Wrestedt – im Zuge des Abrisses der maroden Brücke an der Kreisstraße – in rund elfmonatiger Bauzeit den Bachlauf auf 550 Metern Länge verändert und dabei eine kleine Schleife geschaffen.

„Ein vorhandener Graben, wahrscheinlich ein Altarm, wurde vertieft und verbreitert“, erläutert Rößler. In diesen wurde der Eisenbach umgeleitet. Zudem hat die Uferböschung ein neues Profil aus Kies bekommen. Im Gegenzug wurde ein Teilstück des Gewässers nahe der ehemaligen Mühle mit Erde verfüllt. „Der Bach mäandert jetzt, er verläuft nicht mehr so gerade wie vorher“, schildert Rößler. Die Einmündung des neu geschaffenen Abschnitts in den Eisenbach erfolgt nicht mehr rechtwinklig, sondern in spitzem Winkel.

Dank der neuen Bachschleife können Fische und Kleinstlebewesen den Höhenunterschied nun meistern. Diese führt durch einen Erlenbruch und über eine Wiese, an der eine Tränke für Rinder und Pferde am Gewässer geschaffen wurde. Auch andere Tiere können den Bach jetzt besser passieren. Dazu wurde ein altes Rohr unterhalb der Kreisstraße entfernt und durch einen 2,25 Meter breiten und 13 Meter langen Stahlbeton-Durchlass ersetzt. In dessen Boden wurden Kies und kleine Steinen eingebaut, sodass zum Beispiel Fischotter diese Stelle problemlos durchqueren können.

Von dem Projekt profitiert aber nicht nur die Fauna, sondern auch die Flora. „An den neu gestalteten Uferbereichen wachsen bereits zahlreiche Pflanzen, die sich selbst ausgesät haben“, freut sich Rößler. Die gesamte Maßnahme sei aus ökologischer Sicht sehr wichtig. „Sie bietet die Möglichkeit, dass sich Lebewesen dort neu ansiedeln können. Die genetische Vielfalt wird dadurch erhöht.“

Der entscheidende Faktor bei dem Projekt war ein Zuschuss durch die EU. Von den Gesamtkosten in Höhe von rund 370 000 Euro übernahm sie 331 000 Euro, den Rest steuerte die Gemeinde bei. „Ohne diese Förderung hätten wir das nicht realisieren können“, sagt Rößler.

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