Nach tödlichem Unfall auf Elbe-Seitenkanal: Verunglücktes Schiff wird mit Kran und Schubboot geborgen

Drama in der Schleusenkammer

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Das beschädigte Containerschiff (rechts) wurde gestern Vormittag in der Esterholzer Schleuse von einem hinzugerufenen Schubboot unter dem Stahlseil hindurchgezogen und ans Ufer des Elbe-Seitenkanals gebracht.

Esterholz. Für die Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Uelzen und die Besatzung des hinzugerufenen Schubbootes „Berlin“ ist es Maßarbeit. 

Behutsam manövriert dessen Kapitän gestern gegen 9.45 Uhr das am Montagabend verunglückte Containerschiff durch die Esterholzer Schleuse. Harald Weike, technischer Beamter beim WSA, steht währenddessen an Bord des nicht mehr fahrtüchtigen Schiffes und hat alles genau im Blick. „Vorsichtig“, ruft Weike – und wenig später: „Ja, es klappt. “.

Vor der Esterholzer Schleuse stauten sich die Schiffe. Gestern um kurz nach 10.30 Uhr war die Schleuse I wieder frei.

Nur vier Minuten dauert es, bis das Schubboot das havarierte Containerschiff einer Hamburger Reederei aus der Schleuse I des Elbe-Seitenkanals gezogen hat. Zuvor hatte ein Kran das dicke Stahlseil, das quer über die zwölf Meter breite Kammer gespannt war, angehoben. Dadurch entstand ausreichend Platz für die Durchfahrt des Schiffes und des beim Unfall abgeknickten und zerstörten Ruderhauses.

„Das Stahlseil dient dem Stoßschutz“, erläutert Michael Pape, zuständiger Außenbeamter des WSA. „Es soll verhindern, dass Schiffe, die einen technischen Defekt haben und nicht mehr rechtzeitig stoppen können, ins Schleusentor fahren.“ Doch warum der 56-jährige Kapitän am Montag sein Ruderhaus bei der Fahrt durch die Schleuse nicht richtig herunterfuhr und es daher mit dem Seil kollidierte, darüber herrscht gestern noch Rätselraten.

Die Folgen des Unfalls waren dramatisch: Der Schiffsführer wurde aus seinem Ruderhaus geschleudert und starb (AZ berichtete). Noch auf seinem Boot wurde er von Kräften der Feuerwehren und des Rettungsdienstes mit lebensrettenden Sofortmaßnahmen behandelt. Nach Angaben der Freiwilligen Feuerwehr Wieren konnte nach etwa 30 Minuten aber nur noch der Tod des Kapitäns festgestellt werden.

Am Tag nach dem Unglück ist die Betroffenheit bei den WSA-Mitarbeitern noch immer groß. „Ich arbeite hier seit 14 Jahren. Es ist das dritte Mal, dass ein Schiff mit seinem Steuerhaus gegen die Schleusenbrücke gefahren ist, aber das erste Mal mit tödlichem Ausgang“, erzählt Pape.

Er dankt der Besatzung des Schubbootes „Berlin“, das mit einem Containerschiff auf dem Kanal in Richtung Hamburg unterwegs war. Sie habe auf Bitte des WSA spontane Unterstützung beim Abschleppen des verunglückten Schiffes geleistet. Dadurch konnte die Schleuse I gestern um kurz nach 10.30 Uhr wieder freigegeben werden. Am Stahlseil seien nach einer ersten Untersuchung keine Schäden festgestellt worden, sagt Pape.

Von Bernd Schossadowski

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