„Die meisten sind sehr lernwillig“

In Bockholt: Wohngruppe für neun minderjährige unbegleitet Flüchtlinge

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Der Kastanienhof in Bockholt wird als Wohngruppe für neun minderjährige Flüchtlinge umgebaut. Sie sollen voraussichtlich Anfang März in die Einzel- und Doppelzimmer einziehen.

Bockholt. Still und verlassen steht er da, der ehemalige Kastanienhof in Bockholt. Das repräsentative Haus aus braunen Klinkersteinen, mit weißen Fensterläden und Efeu-Ranken an der Fassade wurde 1936 von Familie Hinrichs erbaut, steht aber schon einige Zeit leer.

Auch das Schild „Warnung vor dem Hunde“ am Eingangstor ist längst nicht mehr aktuell. Doch nun soll neues Leben in das Haus einziehen. Der CJD Göddenstedt lässt die Räume gerade als Wohngruppe für jugendliche Flüchtlinge umbauen. Wegen Brandschutzauflagen hat sich das Projekt verzögert. Die Bockholter werden noch im Februar informiert.

Die Zeit drängt, denn nach den Vorgaben des Landesjugendamts dürfen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nicht in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden, erklärt Ruth Andrick, Fachbereichsleiterin Kinder, Jugend und Familienhilfe beim CJD. Zum Stand Ende Januar gab es im Landkreis Uelzen 57 solcher minderjähriger Flüchtlinge ohne Erziehungsberechtigte. Zwölf von ihnen werden bereits in bestehenden Wohngruppen und betreuten Jugendgruppen des CJD versorgt. Andere leben in Pflegefamilien.

Auf dem Kastanienhof sollen neun Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren voraussichtlich ab Anfang März in Einzel- und Doppelzimmern ein Stück Privatsphäre und Unterstützung finden. Sechs Sozialpädagogen und Erzieher sollen sich rund um die Uhr im Schichtbetrieb um die minderjährigen Zuwanderer kümmern. „Der Schwerpunkt liegt auf Integration und Sprachförderung“, erläutert Ruth Andrick. „Die meisten sind sehr lernwillig.“

Die hohe Zahl an Betreuern sei notwendig, weil die Bewohner anders als deutsche Jugendliche nicht am Wochenende zu ihren Familien fahren können. Zudem werden anfangs vermutlich auch nicht ausreichend Schulplätze zur Verfügung stehen. Unterstützung gibt es nach Bedarf durch Dolmetscher aus dem Sprachmittler-Netzwerk von CJD und Diakonie.

Obwohl das Haus in Bockholt scheinbar abgelegen ist, haben die zukünftigen Bewohner über den nahegelegenen Soltendiecker Bahnhof auch die Möglichkeit, in der Freizeit nach Uelzen zu fahren.

Von Gerhard Sternitzke und Bernd Schossadowski

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