1. az-online.de
  2. Uelzen
  3. Wrestedt

Lehmker warnt von Betrugsversuch: Die Spur führt in den Kosovo

Erstellt:

Von: Bernd Schossadowski

Kommentare

Rolf Schulze zeigt die Mitteilung über den angeblichen Gewinn
Rolf Schulze zeigt die Mitteilung über den angeblichen Gewinn über 182 500 Euro, den seine Frau erhalten hat. „Das ist eindeutig ein Betrug“, sagt der Lehmker. © Schossadowski, Bernd

 Vor einer dreisten Betrugsmasche warnt der Lehmker Rolf Schulze. Seine Frau hat angeblich in der Lotterie gewonnen. Doch bevor der Gewinn ausgezahlt wird, soll sie 1825 Euro in den Kosovo überweisen.

Lehmke - Lehmke – Iris Schulze ist ein echter Glückspilz. Die Lehmkerin hat angeblich 182 500 Euro bei der Euro-Jackpot-Lotterie gewonnen. Jetzt müsste sie nur noch eine Kleinigkeit erledigen: vorab ein Prozent der Summe, also 1825 Euro, als Gebühr an jemandem im Kosovo überweisen. Danach würde Iris Schulze der Gewinn ausgezahlt, teilten ihr die vermeintlichen Lotterie-Veranstalter mit.

Klingt dubios? Ist es auch. Und nicht nur das: Es ist der Versuch einer dreisten Abzocke durch Betrüger. Iris Schulze und ihr Mann Rolf sind nicht darauf hereingefallen. Sie haben sofort erkannt, dass die Gewinnbenachrichtigung ein Lügenkonstrukt ist. Doch Rolf Schulze wollte mehr darüber erfahren und hat dem Betrüger telefonisch auf den Zahn gefühlt. Die AZ war bei dem Anruf dabei.

Aber der Reihe nach: Vor ein paar Tagen flatterte Iris Schulze ein vermeintliches Gewinnschreiben ins Haus. „Alle Teilnehmer wurden als Teil eines europäischen Werbeprogrammes durch ein Internet-Computer-Zufallsprogramm ausgewählt“, heißt es in dem Brief, der von einem gewissen Jesus Gonzalez, „Director der Auszahlungsabteilung“, unterzeichnet ist.

Die Lehmkerin wurde aufgefordert, die Auslandsabteilung der Lotteriegesellschaft anzurufen, „wo sich einer unserer internationalen Rechtsanwälte um Ihre Auszahlung kümmern wird“. Ansprechpartner sei dort Dr. Manfred Berger. Die angegebene Rufnummer beginnt mit 00383, der Vorwahl des Kosovo.

„Ich habe mir gleich gedacht, dass das ein Witz ist“, sagt Rolf Schulze im AZ-Gespräch. Niemals wären seine Frau und er auf die Idee gekommen, die geforderten 1825 Euro zu zahlen. Doch Schulze will es genauer wissen – er ruft im Kosovo an. Tatsächlich meldet sich am anderen Ende der Leitung jemand mit Namen Dr. Manfred Berger, jedoch mit ausländischem Akzent.

Pfiffig dreht Schulze in dem Telefonat den Spieß um. „Ziehen Sie die Gebühr doch einfach von den 182 500 Euro ab und überweisen mir den Rest“, schlägt er vor. Der Mann, der sich Dr. Berger nennt, ist zunächst perplex. „So was machen wir grundsätzlich nicht. Unsere Gesetzeslage erlaubt es nicht, dass wir etwas vom Gewinn abbuchen können. Sonst machen wir uns strafbar“, sagt er.

Dann erhöht er den Druck auf Schulze. „Heute muss das abgewickelt werden. Es gibt eine Frist, an die man sich halten muss“, will er dem Lehmker weismachen. Schulze soll die 1825 Euro an die Rechtsanwältin der Lotterie, Ermira Rashica, in Kosovos Hauptstadt Pristina überweisen. Das Ganze soll über den internationalen Dienstleister „Ria Money Transfer“ in einer Shisha-Bar an der Uelzener Bahnhofstraße abgewickelt werden, sagt der vermeintliche Dr. Berger. „Innerhalb einer Stunde wird Ihnen der Gewinn dann freigegeben.“

Natürlich hat Schulze das Geld nicht überwiesen, sondern aufgelegt und seine Handynummer für den Anrufer sperren lassen. „Das ist eindeutig ein Betrug“, sagt er und warnt jeden, der einen solchen Brief bekommen hat, nicht darauf hereinzufallen.

Ganz wichtig: Weder der Polizei noch der AZ liegen Erkenntnisse vor, dass die genannte Uelzener Shisha-Bar irgendetwas mit dem Betrug zu tun hat. Vielmehr sei die Bar eine offizielle Annahmestelle für Geldüberweisungen per „Ria“, erklärt Julia Westerhoff, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen.

Und sie gibt Tipps: „Man sollte auf solche Schreiben nicht reagieren und keinesfalls Geld überweisen.“ Auch von einem Rückruf rät sie ab: „Es kann sein, dass man dann bei einer kostenpflichtigen Sondernummer landet, bei der hohe Telefongebühren anfallen.“ Stattdessen sollten Betroffene Anzeige bei der Polizei erstatten. „Das geht auch bei der Online-Wache der Polizei Niedersachsen“, erklärt Westerhoff.

Auch interessant

Kommentare