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Neuer Glanz für ein altes Gutshaus

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Von: Bernd Schossadowski

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Sanierung des alten Gutshaus der Familie von Lenthe in Wrestedt
Paul Georg Lankisch (links) und Nikolaus von Lenthe vor dem altem Gutshaus in Wrestedt. Dort werden Dach und Putz saniert © Schossadowski, Bernd

Seit mehr als 230 Jahren steht das Lenthe‘sche Gutshaus in Wrestedt. Jetzt wird das im Stil des englischen Palladianismus erbaute Gebäude saniert.

Was wäre passiert, wenn Carl Levin Otto von Lenthe vor mehr als 230 Jahren jenes legendäre Schachspiel gegen einen englischen Adligen verloren hätte? Die Vermutung liegt nahe, dass das beeindruckende Guthaus am Ortsrand von Wrestedt dann nie gebaut worden wäre. Doch weil von Lenthe – auch dank des finanziellen Rückhalts durch den damaligen Kurfürsten Georg von Hannover, zugleich britischer König – die Schachpartie und eine große Summe Geld gewann, soll er als Erinnerung daran den Auftrag erteilt haben, das Lenthe‘sche Gutshaus im Stil des englischen Palladianismus zu errichten.

„Das ist natürlich nur eine Anekdote“, sagt der jetzige Hauseigentümer Nikolaus von Lenthe und lacht. Er lebt in siebter Generation in dem frühklassizistischen Gebäude aus den Jahren 1789 und 1790. Damit der zweigeschossige, quadratische Bau, dessen Grundfläche 17 mal 17 Meter beträgt, seinen alten Glanz zurückerhält, wurde jetzt das pyramidenförmige Dach erneuert.

Und es stehen weitere Arbeiten an: Zum einen wird der historische Putz saniert, zum anderen die ursprüngliche, streng symmetrische Fassadengestaltung wiederhergestellt. Dafür gewährt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) umfangreiche Zuschüsse. 45 000 Euro steuerte sie für die vor acht Monaten begonnene Dachsanierung bei, weitere 80 000 Euro finanzieren das Land Niedersachsen und die EU.

„1890 wurde das Dach mit rechteckigen Schieferplatten gedeckt“, erinnert von Lenthe an eine Umbaumaßnahme. Damals wurden die ursprünglichen „Biberschwänze“, an der Unterkante halbrund geformte Dachziegel, aus dem Jahr 1789 entfernt. „Jetzt wurde das Dach in seinen alten Zustand zurückversetzt“, erklärt von Lenthe. Inzwischen besteht die Eindeckung aus 20 000 anthrazitfarbigen „Biberschwänzen“. Die Arbeiten sind so gut wie abgeschlossen.

Kurz vor dem Startschuss steht hingegen die Fassadensanierung. Dafür gewährt die DSD insgesamt 25 000 Euro – aus zahlreichen Spenden und Mitteln der Lotterie „Glücksspirale“. Den dazugehörigen Fördervertrag übergab Paul Georg Lankisch, Leiter des Ortskuratoriums Lüneburg der DSD, jetzt an Nikolaus von Lenthe. Der Hausherr steuert für beide Maßnahmen – Dach und Fassade – einen hohen Eigenanteil bei.

Der Putz an der Straßenseite wird größtenteils bestehen bleiben. An den übrigen drei Seiten des Gebäudes wird er in einem speziellen Verfahren neu aufgetragen. „Zuerst werden verschiedene Farben freigelegt. Danach probieren wir aus, welcher Farbton der richtige ist. Es geht darum, den Bestand zu retten, und nicht alles neu zu machen“, erläutert von Lenthe. Zudem werden auf der Gebäudeseite des ehemaligen Wirtschaftshofes vier neue Fenster eingebaut. Deren Öffnungen waren einst zugemauert worden. „Ich möchte die Fassade bis Weihnachten fertig haben“, hofft von Lenthe.

Für 2023 plant er weitere Umbauten. Unter anderem soll der Haupteingang eine neue Tür bekommen, eine Vielzahl an Fenstern wird erneuert und die große Treppe im Gebäude umgestaltet. Die Pracht ihres Gutshauses genießen von Lenthe und seine Frau nur am Wochenende, die übrigen Tage arbeitet der Hausherr in Berlin. Doch er betont: „Ich bin in diesem Haus aufgewachsen, deshalb hängt mein Herz so daran.“ Obwohl er nach eigenen Worten passabel Schach spielt, würde er – anders als sein Vorfahr – nie um große Summen Geld spielen.

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