Überforderung, Angst um den Job: Altenpflegerin prangert Missstände in der ambulanten Pflege an

„Das ist unmenschlich“

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Für die einzelnen Schritte bei der Pflege wie das Essen gibt es knappe Zeitvorgaben.

Nettelkamp. Am Anfang stand das Ende. Ulrike Hüttig konnte nicht mehr. Ihr Arzt diagnostizierte ein Burnout. Die 55-jährige Nettelkamperin schlief nicht, aß nicht mehr. Dazu erhielt sie Ende Juli die Kündigung.

Trotzdem will die gelernte Krankenpflegerin nicht mehr schweigen. Was sie umtreibt: Missstände in der ambulanten Altenpflege. „Wenn alle nur schweigen, wird sich nie was ändern“, sagt Ulrike Hüttig.

Eines ihrer Schlüsselerlebnisse: Eine demente Frau, deren private Pflegerin offenbar überfordert war. Der Pflegedienst, für den die Nettelkamperin arbeitete, war der einzige, der an den Wochenenden Einblick hatte. Und hätte tätig werden müssen, weil die Frau weder ausreichend ernährt noch gewaschen oder umgebettet wurde. Wasser und Notrufknopf lagen für die Seniorin in unerreichbarer Ferne. „Soll die immer klingeln? Gib ihr den Knopf bloß nicht!“, bekam Ulrike Hüttig zu hören. „Das ist unmenschlich“, empört sich die Nettelkamperin. „So kann man mit alten Menschen nicht umgehen!“ Erst als sie – an ihren Vorgesetzten vorbei – den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) einschaltete, wurde mehr für die Patientin getan.

Von Gerhard Sternitzke

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