Albrecht B. muss sich vor dem Landgericht Lüneburg verantworten

Wrestedt: Chronik eines angekündigten Mordes

Der Angeklagte Albrecht B. berät sich mit seinen Anwälten Ute Peschull und Frank Speer. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann aus der Region Rostock vor, er habe eine 56-Jährige in der Gemeinde Wrestedt getötet, um sich an ihrer Tochter zu rächen.
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Der Angeklagte Albrecht B. berät sich mit seinen Anwälten Ute Peschull und Frank Speer. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann aus der Region Rostock vor, er habe eine 56-Jährige in der Gemeinde Wrestedt getötet, um sich an ihrer Tochter zu rächen.

„Hallo, ich habe soeben eine Frau umgebracht. Holen Sie sie ab und holen Sie mich ab. Kommen Sie einfach her – ich warte draußen. “ Mit diesen Worten gesteht der mutmaßliche Mörder von Petra H. (56) aus Wrestedt über den Notruf der Polizei am Nachmittag des 11. Dezember 2020 seine Tat.

Lüneburg/Wrestedt – Doch hat diese wirklich der jetzt angeklagte Albrecht B. (38) aus Rostock begangen? Das hat seit gestern die 4. Große Strafkammer des Landgerichts Lüneburg unter der Leitung des Vorsitzenden Richters Franz Kompisch mithilfe von Zeugenaussagen und medizinischen Gutachten eindeutig und widerspruchslos zu klären. Denn wie für alle Angeklagten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung – selbst wenn der Täter sich namentlich selbst bezichtigt.

Und es handelt sich um eine besonders brutale Tat mit einer langen Vorgeschichte, einer kaltblütigen Planung und mit mehrfacher Ankündigung: Janina H. (33), die Tochter des späteren Opfers und eigentliches Ziel der tödlichen Attacke, erzählt vor Gericht von den Hintergründen des heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen, die für die Staatsanwaltschaft heute als Motiv gelten. Die Altenpflegerin hatte B. während einer Umschulungsmaßnahme zur Verwaltungsfachangestellten kennengelernt und sich trotz seiner manchmal „merkwürdigen Ansichten und seines komischen Verhaltens“ mit ihm zunächst „gut verstanden“. Genau solange, bis der Angeklagte sie eines Tages gegen ihren Willen „angefasst“ habe und sie eine Strafanzeige wegen sexueller Belästigung und des Dealens mit Marihuana stellt. Der arbeitslose B. wird daraufhin von der Schule suspendiert und schmiedet Rachepläne, die in eine erste Morddrohung am Geburtstag von Janina H. am 3. Oktober 2020 münden: „Er warf mir vor, sein ganzes Leben ruiniert zu haben, gab mir die Schuld für alles und hat mir gedroht, mir und meiner Familie etwas anzutun.“ Eine Bedrohungsanzeige bei der Polizei und eine geplante Gefährdungsansprache verlaufen im Sande, H. bricht den Kontakt völlig ab, wird aber weiterhin per E-Mail bedroht.

Auch Daniel L. (36), der sich als ehemaliger bester Freund des Angeklagten bezeichnet, berichtet von einer zunehmenden „Überheblichkeit“ und auch antisemitischen Radikalisierung B’s, den er 2012 als „netten Typ mit Humor“ kennengelernt habe, der keinerlei frauen- oder ausländerfeindliche Tendenzen gezeigt habe: „Er hat sich im Laufe der Zeit immer mehr auf Frau H. fokussiert, mir immer wieder von seinen Mordplänen und den Hintergründen erzählt und mir schließlich auch die vorgesehenen Tatwerkzeuge, ein Beil und einen Hammer, gezeigt. Aber ich habe ihn nicht ernst genommen.“

Als L. seinen ehemaligen Fußball- und Reisekameraden ernst nimmt und anonym am Tattag gegen 19.30 Uhr die Polizei benachrichtigt, lebt Petra H. längst nicht mehr – getötet durch mindestens 37 Beilhiebe und viele weitere stumpfe Verletzungen, verursacht durch Schläge mit einem Kuhfuß.

Das Verfahren wird bereits am 10. Mai um 9.30 Uhr fortgesetzt. Dann könnte auch schon das Urteil fallen.

VON MARCUS KIEPPE

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