Gemeinderat Wrestedt streitet über Pläne eines privaten Fördervereins

Christliche Realschule für Wieren?

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Soll in Wieren eine private Realschule in christlicher Trägerschaft – hier ein Symbolbild – errichtet werden? Darum ging es jetzt im Wrestedter Gemeinderat.

Wieren – Sie war eine deutsche Philosophin und Frauenrechtlerin jüdischer Herkunft, die sich später katholisch taufen ließ und theo- logisch tätig war.

Auch 77 Jahre nach ihrer Ermordung durch die Nationalsozialisten im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wird Edith Stein von Katholiken wie Protestanten gleichermaßen verehrt.

Und nicht nur das: Im Gedenken an die engagierte Christin soll eine private Schule in Wieren ihren Namen tragen. Ein Förderverein will dort die Edith-Stein-Realschule in christlicher Trägerschaft gründen. Darum ging es jetzt im Wrestedter Gemeinderat.

Dabei rief Dieter Schoop, Sprecher der CDU/WGA-Minderheitsgruppe, dazu auf, die Pläne für die neue Schule zu unterstützen. „Wir sollten uns als Rat eindeutig öffentlich positionieren, dass wir dem Bau dieser privaten Schule in Wieren ausdrücklich zustimmen und den Förderverein auffordern, die entsprechenden Anträge zu stellen“, sagte Schoop, der selbst in Wieren wohnt. Über den pädagogischen Sinn oder die Bedenken gegen eine private Schule habe der Wrestedter Rat allerdings nicht zu entscheiden.

Ganz anders sah das SPD-Ratsherr Andreas Dobslaw. „Eine private Realschule stört das staatliche Schulsystem massiv und bringt alle Pläne zur Schullandschaft durcheinander“, erklärte er. Zugleich stellte er die Frage, was wohl nach einer christlichen Schule komme: eine muslimische? Grundsätzlich sieht Dobslaw eine Gefahr: Weiterführende Bildungseinrichtungen in privater Trägerschaft „fallen den Oberschulen ins Genick“, warnte er vor einer Abwanderung von Schülern.

Das wies Schoop jedoch zurück. Die 2018 gegründete Neue Auetal-Schule in Lüder arbeite erfolgreich. „Von einer Kannibalisierung der bestehenden Schulen kann da keine Rede sein“, meinte der CDU-Politiker.

Gemeindedirektor Michael Müller konnte die Diskussion im Rat zum jetzigen Zeitpunkt nicht verstehen. Der nichtöffentliche Verwaltungsausschuss habe erklärt, er wolle das Schulprojekt positiv begleiten – unter der Voraussetzung, dass es umsetzbar sei, sagte Müller. Konkret bedeutet das: Das Planungsrecht in der Gemeinde müsste ein solches Vorhaben erlauben. Doch nach einer Vorgabe des Regionalen Raumordnungsprogramms dürfen weiterführende Schulen nur in Kernorten errichtet werden – in diesem Fall in Wrestedt oder Bad Bodenteich.

Über eine Machbarkeitsstudie könnte aber festgestellt werden, ob eine solche Schule auch in Wieren möglich wäre. Die Kosten dafür bezifferte Müller auf mehr als 30 000 Euro. Die Frage, die sich daraus ergibt: Wer übernimmt die Kosten für die Studie: der Förderverein oder die Gemeinde Wrestedt? Darüber müssen die politischen Gremien entscheiden.

In diesem Zusammenhang kritisierte Schoop, dass die Schulpläne des Fördervereins bislang nicht öffentlich in einer Ratssitzung erörtert wurden. „Das Thema ist noch nicht reif für den Rat“, erwiderte Bürgermeister Peter Ramünke (SPD). Doch damit konnte sich Schoop nicht anfreunden. Wenn eine christliche Schule in der Gemeinde Wrestedt entstehen soll, so Schoop, „dann müssen wir sagen: Ja, das wollen wir.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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