Interessengemeinschaft verschärft Widerstand gegen Bau von Rotor-Riesen bei Nienwohlde

Bürger kämpfen gegen Windpark

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Mit Plakaten protestieren zahlreiche Nienwohlder Bürger gegen die mögliche Ausweisung eines 140 Hektar großen Windparks südlich ihres Ortes.

Nienwohlde. Sie hängen an einer Scheunenwand, an Zäunen und Häusern. Acht großflächige Plakate gegen die mögliche Ausweisung eines Windparks südlich des Ortes haben Einwohner jetzt in Nienwohlde angebracht.

Die Botschaft ist eindeutig: „Keine Zerstörung unserer Heimat“ und „Wir lassen uns Nienwohlde nicht zerstören“ ist darauf zu lesen. Unterlegt ist das Ganze mit gezeichneten Windrädern in einem durchgestrichenen roten Kreis – in der Art von Verbotsschildern.

Mit dieser Aktion untermauern die beteiligten Nienwohlder ihren Widerstand gegen eine 140 Hektar große Vorrangfläche für mindestens fünf Windkraftanlagen. Diese ist im Entwurf des neuen Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) des Landkreises aufgeführt. Dazu hat sich 2016 die Interessengemeinschaft (IG) Nienwohlde gebildet (AZ berichtete). Nun verschärft sie ihren Protest gegen einen möglichen Windpark.

Mit den Plakaten wollen die Bürger „ein Zeichen setzen für den Erhalt ihrer Gesundheit, der artenreichen Pflanzen- und Tierwelt, den Schutz ihrer Lebensqualität und gegen eine Verspargelung und einhergehender Industrialisierung unserer Heimat“, erklärt Harald Zarthe, einer der Sprecher der IG. Bei einer Unterschriften-aktion im Ort hätten sich mehr als 80 Prozent der befragten Nienwohlder gegen die geplante Ausweisung der Windkraft-Vorrangfläche ausgesprochen, berichtet Zarthe.

Das Rauschen der Rotorblätter, die blinkenden Lichter der Anlagen und der Schattenwurf stellten erhebliche Belastungen für die Anwohner dar, warnt der IG-Sprecher. Hinzu kämen negative Auswirkungen der Windräder auf Flora und Fauna. Zarthe nennt noch ein weiteres Argument: „Bei jedem Windpark in der Nähe von Wohnhäusern gehen Immobilienfachleute derzeit pauschal von einem Wertverlust von 30 Prozent aus.“

Seinen Worten zufolge droht den Eigenheimbesitzern in Nienwohlde gleich eine mehrfache Abwertung ihrer Eigentumswerte. Zum einen soll hinter dem Ort die Bundesstraße 190n, die Querspange zwischen A 14 und A 39, gebaut werden, was die Landschaft und den Lebensraum einschneidend verändern werde. „Und dann soll auch noch eine Vorrangfläche für Windenergie in weniger als 1000 Meter hinter dem Ort entstehen“, kritisiert Zarthe. Die Investoren hätten vor allem die Rendite im Auge und würden nur noch auf grünes Licht durch den Landkreis warten. „Der menschlichen Gesundheit wird bei diesen Planungen nur nachrangig Beachtung geschenkt“, ärgert sich Zarthe.

Er kündigt an: „Es werden weitere Protestplakate im Ort folgen.“ Wenn demnächst der RROP-Entwurf öffentlich ausliege, werde die IG Nienwohlde dazu ausführlich Stellung nehmen. „Wir sind gerüstet“, betont Zarthe.

Von Bernd Schossadowski

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