Brandschützer haben Wunsch-Fahrzeug – doch europaweite Ausschreibung könnte Kauf gefährden

„Bombenangebot“ für Stadenser Feuerwehr – mit Pferdefuß

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Stadensens Ortsbrandmeister Fred Hilmer mit dem bereits 30 Jahre alten Löschfahrzeug der Feuerwehr. Dieses soll durch ein modernes Gefährt – ein HLF 10 oder HLF 20 – ersetzt werden. Die Ausschreibung unterliegt jedoch strengen Vorgaben.

Stadensen. Es ist bereits 30 Jahre alt und hat schon etliche Einsätze hinter sich: Das Löschfahrzeug (LF 8) der Feuerwehr Stadensen ist allmählich reif für den Ruhestand. Daher hofft Ortsbrandmeister Fred Hilmer auch, dass es von den Politikern der Samtgemeinde Aue grünes Licht für eine Ersatzbeschaffung gibt.

Das neue Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 20), das der Hersteller zum Schnäppchenpreis von 310 000 Euro angeboten hat, würde Hilmer mit Kusshand nehmen.

„Das HLF 20 ist bereits komplett beladen: Atemschutzgeräte, Schläuche, Strahlrohr – alles, was zur Normbeladung dazugehört“, sagt Hilmer. Allein diese Ausrüstung habe einen Wert von rund 95 000 Euro, sodass das eigentliche Fahrzeug nur 215 000 Euro kosten würde. „Das ist ein Bombenangebot“, schwärmt der Ortsbrandmeister.

Doch das Rechnungsprüfungsamt des Landkreises verweist auf das EU-Vergaberecht und fordert eine öffentliche Ausschreibung. Die hätte aber einige Unwägbarkeiten zur Folge. Denn laut Brandschutzbedarfsplan der Samtgemeinde darf nur das kleinere Modell, ein HLF 10, ausgeschrieben werden. Es hat weniger Ausrüstung, unter anderem einen kleineren Wassertank. Ein weiterer Pferdefuß: Fahrgestell, Aufbau und Beladung müssten in drei verschiedene Ausschreibungslose aufgeteilt werden. „Im Zweifelsfall kommt man dabei zu einem Ergebnis, das man gar nicht haben möchte“, gibt Ordnungsamtsleiter Hendrik Kunitz zu bedenken.

Allerdings wäre es möglich, Nebenangebote zuzulassen. Dann könnte sich der Hersteller mit seinem HLF 20 daran beteiligen. Ob dieser aber den Zuschlag erhält, ist angesichts der Höhe der einzelnen Angebote ungewiss. „Wenn bei der Ausschreibung ein HLF 10 für uns herauskommt, wären wir damit zu hundert Prozent einverstanden“, betont Hilmer. „Aber wenn man das HLF 20 bekommen kann, wäre das natürlich viel besser.“

Der Feuerschutzausschuss der Samtgemeinde empfahl jetzt, die Ausschreibung für ein HLF 10 auf den Weg zu bringen. Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass dieses deutlich teurer als das angebotene HLF 20 wird. Für dessen Beschaffung hatte sich im Vorfeld die SPD/Grünen-Gruppe im Samtgemeinderat stark gemacht. Ausschussmitglied Sylvia Meier (SPD) plädierte nun dafür, bei der geplanten Ausschreibung Nebenangebote zu erlauben. „Das ist die einzige Möglichkeit, das Fahrzeug zu diesem Preis und zu dieser Zeit zu kriegen“, meinte sie.

Unabhängig davon sieht der Brandschutzbedarfsplan auch für die Feuerwehr Kattien ein neues Gefährt vor, und zwar ein Tanklöschfahrzeug 3000. Somit sollen 2017 ausnahmsweise zwei Fahrzeuge bestellt werden. Die Lieferzeit beträgt jeweils rund 14 Monate. Nun muss der Samtgemeinderat darüber entscheiden.

Von Bernd Schossadowski

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