Infoabend der Bahn: Offene Fragen zum Ausbau Bahnstrecke

Amerikalinie: Zweigleisig ab 2028

+
Die Bahnstrecke Uelzen-Stendal soll ab 2025 zweigleisig ausgebaut werden. Die Inbetriebnahme ist für 2028 geplant. 

Wieren. Der Zeitplan steht, doch es gibt noch viele offene Fragen. Das ist das Fazit eines Informationsabends der Deutschen Bahn zum geplanten zweigleisigen Ausbau der Strecke zwischen Uelzen und Stendal, der sogenannten Amerikalinie Ost.

Etwa 80 Zuhörer in Wieren ließen sich jetzt von Andreas Hartwig, Projektleiter bei der DB Netz AG, das Vorhaben erläutern.

2025 soll der Bau des zweiten Gleises im Landkreis Uelzen beginnen, 2028 werde es in Betrieb genommen, kündigte Hartwig an. Nach Prognosen des Bundes sei bis dahin eine deutliche Zunahme des Schienenverkehrs zu erwarten. Zurzeit seien rund 80 Züge pro Tag auf der Strecke Uelzen-Stendal unterwegs, darunter etwas mehr als die Hälfte Güterzüge. Bis zum Jahr 2025 werde sich die Gesamtzahl auf täglich 160 Züge – bei etwa 110 Güterzügen – erhöhen, erklärte Hartwig.

Zwei Themen brannten den Zuhörern auf den Nägeln: Werden die Anwohner der Bahnstrecke den bestmöglichen Lärmschutz bekommen? Und werden Bahnübergänge wegen der zu erwartenden langen Schranken-Schließzeiten aufgelöst und stattdessen höhenungleiche Kreuzungen gebaut? Diese Fragen konnte Hartwig nicht erschöpfend beantworten.

Bremst die Schranke die Retter aus?

Gefahr für Einsatzkräfte: Bürger befürchten längere Schließzeiten am Bahnübergang in Wieren

Dieses Szenario wollten sich die Zuhörer beim Infoabend der Deutschen Bahn in Wieren zum geplanten zweigleisigen Ausbau der Amerikalinie Ost zwischen Uelzen und Stendal lieber nicht ausmalen: Wegen der bis 2025 erwarteten Verdoppelung der Zahl der Züge auf dieser Strecke werden die Schranken künftig noch häufiger geschlossen bleiben. Die Folgen könnten dramatisch sein: Krankenwagen und Feuerwehren kommen womöglich nicht rechtzeitig zu ihren Einsätzen, weil sie an Schranken warten müssen. 

Wie oft und wie lange werden die Schranken nach dem zweigleisigen Ausbau der Strecke geschlossen sein? Das wollten die Zuhörer mit Blick auf den Bahnübergang auf der Landesstraße 270 in Wieren von Andreas Hartwig wissen. Doch der Projektleiter von der DB Netz AG konnte darauf keine konkrete Antwort geben. „Dafür sind wir noch zu früh im Projekt“, betonte er. „Wir können Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht sagen, wann wir dazu die Aussagen treffen können.“ 

Die Schranke auf der Landesstraße 270 in Wieren ist wegen einer Zugdurchfahrt geschlossen. Wenn die Bahnstrecke Uelzen-Stendal zweispurig ausgebaut ist, befürchten die Bürger deutlich längere Schranken-Schließzeiten im Ort.

Pro Güterzug sei mit einer Wartezeit von drei bis fünf Minuten zu rechnen. Bei 110 prognostizierten Güterzügen pro Tag auf dieser Strecke blieben die Schranken entsprechend lange unten. Sollten dadurch Verzögerungen für die Rettungskräfte entstehen, könnte das ein Grund sein, einen Bahnübergang aufzugeben und stattdessen eine höhenungleiche Kreuzung zu bauen, meinte Hartwig. 

Das sei jedoch nur auf Verlangen des Straßenbaulastträgers möglich – auf der L 270 in Wieren ist es das Land. „Wir als Bahn werden dieses Verlangen nicht haben“, stellte Hartwig klar. Die Kosten müssten der Bund, das Land und der Straßenbaulastträger zu jeweils einem Drittel tragen. 

Noch ein weiteres Thema beschäftigte die Zuhörer: Wie sieht es mit dem Schallschutz entlang der Ausbaustrecke aus? Dazu gebe es gesetzliche Grenzwerte, so Hartwig. Sollten diese überschritten werden, würden „aktuelle Standards des vorsorglichen Lärmschutzes angewendet“. Allerdings konnte Hartwig nicht zusagen, dass der im Dialogforum „Schiene Nord“ für die Alpha-E-Trasse vereinbarte bestmögliche Lärmschutz, der über den gesetzlichen Anspruch hinausgeht, auch auf der Strecke Uelzen-Stendal realisiert wird. Zwar werde die Bahn diese Option prüfen. „Aber dafür besteht derzeit keine Finanzierungsgrundlage. Der Bund schaut sich das an und trifft danach die Entscheidung über zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen und die Übernahme der Kosten“, sagte Hartwig. Damit trat er politischen Aussagen aus der Vergangenheit entgegen, dass alle Beschlüsse des Dialogforums „Schiene Nord“ auch für die Amerikalinie Ost gelten. 

Wer die Infoveranstaltung in Wieren verpasst hat, für den gibt es am Dienstag, 12. September, eine weitere Gelegenheit, sich über den zweigleisigen Ausbau der Strecke schlau zu machen. Ab 19 Uhr bietet die Bahn im Dorfgemeinschaftshaus in Soltendieck einen weiteren öffentlichen Infoabend an.

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare