Kosten wegen angeblicher Anrufe

Die Abzocke mit der Sex-Hotline: Betroffener aus Lüder kämpft gegen Rechnungen

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Hans-Otto Bürger lässt sich von den Briefen der Inkassobüros nicht einschüchtern. Er zahlt die Rechnung wegen angeblicher Nutzung einer Sex-Hotline nicht.

Lüder – „Letzte Mahnung“, „Aufforderung zur unverzüglichen Zahlung“, „Letzte außergerichtliche Zahlungsaufforderung“: Die Schreiben, die Hans-Otto Bürger aus Lüder seit März 2019 von diversen Firmen und Inkassobüros aus Tschechien bekommen hat, werden immer bedrohlicher.

Auch die auf seinem Handy eingegangenen Textnachrichten wirken einschüchternd. „Gerichtsvollzieher! Zwangsvollstreckung! Brauchen Sie das wirklich!“, ist dort zu lesen.

Die Absender behaupten, dass Bürger am 14. Februar vorigen Jahres mit seinem Handy eine Telefonsex-Hotline angerufen hat. Für den 69-Jährigen ist der Fall klar. „Das sind Betrüger. Ich habe da nicht angerufen, ich bin doch nicht verrückt“, sagt er im AZ-Gespräch. Bürger vermutet, dass Unbekannte irgendwie an seine Handynummer gekommen sind.

Begonnen hatte alles im März, als sich eine Firma namens Paycom mit einer Briefkastenadresse in der tschechischen Stadt Melnik bei Bürger meldete und ihm 90 Euro für die angebliche Nutzung einer Sex-Hotline in Rechnung stellte. Als der Lüderaner nicht zahlte, trafen bei ihm mehrere Mahnungen ein. Für den „in Anspruch genommenen Service für besondere sexuelle Ansprüche“ forderte Paycom immer höhere Beträge von Bürger.

Später kamen Schreiben mit Zahlungsaufforderungen von Firmen namens Elpros und Inova Inkasso hinzu. Die Summe, die Bürger auf ein tschechisches Konto überweisen soll, beträgt inzwischen 445 Euro. Zahlen will er aber auf keinen Fall. „Man muss da hart bleiben. Wenn man einmal was überweist, geht das immer so weiter“, ist er überzeugt. Ihm geht es auch darum, andere Betroffene zu warnen. Zudem hat er Anzeige bei der Polizei erstattet.

Die Absender der Rechnungen sind der Verbraucherzentrale Niedersachsen seit einigen Jahren bekannt, berichtet Sabine Oppen-Schröder, Leiterin der Beratungsstelle Lüneburg. Die Firmen hätten ständig wechselnde Namen. Bei genauer Betrachtung des Umschlags sei oft zu erkennen, dass der Brief nicht in Tschechien, sondern in einem deutschen Briefzentrum abgestempelt wurde. „Der Verbraucher hat völlig richtig reagiert: nämlich nicht zahlen und Anzeige erstatten“, erklärt Oppen-Schröder.

Sie empfiehlt Betroffenen, den Einzelverbindungsnachweis des Telefonanbieters zu prüfen. Dann sei konkret beweisbar, dass der Anruf nicht getätigt wurde. „Nach unserer Einschätzung geht es dem Betreiber darum, mit wenig Aufwand viele Menschen zur Zahlung zu bewegen“, sagt Oppen-Schröder. Der Verbraucherzentrale seien aber keine Fälle bekannt, in denen tatsächlich ein Mahnbescheid vom Amtsgericht ergangen ist. „Und schon gar nicht, dass Eintreiber vom Inkasso vor der Tür stehen.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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