Rat beschließt erste Erhöhung seit 15 Jahren

Abwassergebühr in der Samtgemeinde Aue steigt deutlich

Eines der vier Becken der Klärschlamm-Vererdungsanlage bei Stederdorf.
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Eines der vier Becken der Klärschlamm-Vererdungsanlage bei Stederdorf. Die Kosten für diese Maßnahme und für Umbauarbeiten auf der Kläranlage führen dazu, dass die Abwassergebühr jetzt erhöht wurde.
  • Bernd Schossadowski
    vonBernd Schossadowski
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15 Jahre lang war die Abwassergebühr in der Samtgemeinde Aue stabil. Jetzt hat der Rat beschlossen, sie rückwirkend zum 1. Januar 2021 von 2,80 auf 3,27 Euro pro Quadratmeter zu erhöhen. Damit sollen die gestiegenen Kosten im Abwassserbereich, unter anderem auf der Kläranlage, gedeckt werden.

Wrestedt/Bad Bodenteich – Die Haushalte in der Samtgemeinde Aue müssen ab sofort tiefer in die Tasche greifen. Mit 18 Ja-Stimmen, einem Nein und zwei Enthaltungen hat der Samtgemeinderat am Dienstagabend beschlossen, die Abwassergebühr rückwirkend zum 1. Januar 2021 zu erhöhen. Seit Anfang 2006 hatte sie bei 2,80 Euro pro Kubikmeter gelegen, künftig beträgt sie 3,27 Euro. Das entspricht einer Anhebung um 16,7 Prozent.

Samtgemeindebürgermeister Michael Müller erinnerte an die gestiegenen Ausgaben des Abwasser-Eigenbetriebs. So habe die Kommunalpolitik beschlossen, jährlich 600 000 Euro in die Sanierung der Schmutzwasserkanäle in der Samtgemeinde zu investieren. Außerdem seien umfangreiche technische Umrüstungen auf der Kläranlage bei Stederdorf erforderlich geworden. Hinzu gekommen sei der Bau von vier Becken für die Klärschlamm-Vererdung. Wie berichtet, summieren sich die beiden letztgenannten Investitionen auf mehr als vier Millionen Euro.

Wirtschaftsprüfer schlägt Erhöhung um 47 Cent vor

Ein von der Samtgemeinde beauftragter Wirtschaftsprüfer habe für 2021 bis 2023 einen jährlichen Gebührenbedarf von etwa 1,64 Millionen Euro errechnet, erklärte Müller. Um diese Kosten zu decken, habe der Prüfer besagte Gebührenerhöhung auf 3,27 Euro vorgeschlagen.

„Eine Steigerung um 47 Cent sieht erst mal nach einem ziemlichen Schluck aus der Pulle aus“, gab Max Lemm, Sprecher der CDU/WGA/FDP-Ratsgruppe, zu. Doch weil die Gebühr seit 2006 unverändert geblieben sei, entspreche die jetzige Erhöhung einer jährlichen Steigerung um lediglich 1,1 Prozent. „Wir liegen damit im Vergleich mit anderen Kommunen noch ganz gut“, meinte Lemm. „Nach 15 Jahren war es einfach mal Zeit, dass man so eine Gebührenerhöhung vornimmt.“

Deutlich skeptischer sah das Jürgen Schulze (CDU). Er monierte Versäumnisse in der Vergangenheit: Das Augenmerk in der Samtgemeinde sei stets auf eine stabile Gebühr gelegt worden, obwohl schon damals bekannt gewesen sei, dass Sanierungsmaßnahmen auf der Kläranlage notwendig würden, meinte er. Es räche sich, dass erst jetzt eine Gebührenkalkulation erstellt wurde. „Da hätte man in früheren Jahren rangehen müssen“, sagte Schulze, der sich ebenso wie Sabine Bauck (CDU) bei der Abstimmung enthielt. Sein Fazit mit Blick auf den neuen Gebührensatz: „Das ist ein sehr großer Sprung.“

Dobslaw äußert deutliche Kritik

Kritik an der Erhöhung übte auch Andreas Dobslaw (SPD). „47 Cent auf einen Schlag“ halte er für nicht angemessen. Der Zeitpunkt und die Höhe seien fragwürdig. Und so stimmte Dobslaw als einziges Ratsmitglied mit Nein. Wie berichtet, hatte er vor einigen Wochen bemängelt, dass zwei Anträge der SPD/Grünen-Gruppe abgelehnt worden waren. Diese hatte schon vor Jahren gefordert, dass die Samtgemeinde einen Abwasserverbund mit der Stadt Uelzen bildet.

Als Alternative zu den Vererdungsbecken hatte die Gruppe auch beantragt, den Bau einer Druckleitung zu prüfen, in der der Klärschlamm aus der Samtgemeinde Aue zur Uelzener Kläranlage gepumpt wird. Beide Vorschläge habe die Verwaltung mit Verweis auf die zu hohen Kosten jedoch als unrealistisch bezeichnet, so Dobslaw. Tatsächlich seien die Vererdungsbecken aber noch viel teurer geworden.

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