Worin soll der Sinn liegen?

In einem vor zwei Wochen erschienenen Interview in der Süddeutschen Zeitung spricht der 83-jährige ehemalige Schauspieler und Fernsehmoderator Joachim Fuchsberger über den Tod seines Sohnes, der im Oktober vergangenen Jahres mit 53 Jahren nach einem Diabetis-Schock ertrunken ist.

Fuchsberger spricht über seine Trauer – über den großen Schmerz seiner Frau, und er erwähnt die „vielen Kleriker“, die sich bei ihm gemeldet haben und ihm gesagt haben, dass der Tod seines Kindes nicht sinnlos war, weil „alles einen Sinn hat“. Und dann bekennt er: „Es wäre schön, wenn man jetzt an einen Gott glauben könnte. Aber ich kann es nicht. Worin soll der Sinn liegen? Nein, ich kann nur versuchen, auf andere Weise zu lernen, die Situation zu akzeptieren.“ Mich hat dieses freimütige Interview, mich hat die Haltung dieses alten, sehr nachdenklichen und sehr tapferen Mannes tief betroffen gemacht. Ich habe mich gefragt, wie oft ich wohl als „Kleriker“ mit gut gemeintem und letztlich doch ganz unangemessenem Trost zur Stelle war. Und wie leicht und wie leichtfertig wir mit gut gemeinten Worten den Schmerz von Menschen oft nur verschlimmern. Und ich habe mich auch gefragt, ob es mitunter nicht besser wäre, trauernden Menschen aus dem Weg zu gehen, damit sie mit ihrem Schmerz allein sein können. Manchmal erzählen Trauernde mir, dass Nachbarn für sie einkaufen gehen, dass Freunde ihnen Mittagessen vorbeibringen oder den Hund für sie ausführen. Sie erzählen von Menschen, die nicht geredet haben, die sich aber auch nicht entzogen haben, sondern die ganz einfach angefasst und geholfen haben und die ihnen damit in schwerer Zeit manche zusätzliche Last abgenommen haben. Und ich denke, vielleicht ist solche Haltung tätiger Nächstenliebe manchmal wirklich die einzige, die „Sinn macht“. Gerd-Peter Hoogen ist Pastor in Altenmedingen und Wichmannsburg.

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