Wohin mit der Tankstelle?

Wittingen - Von Holger Boden. Es dürfte heute voll werden im Sitzungssaal des Wittinger Rathauses. Ab 18.30 Uhr tagt dort der Verkehrsausschuss der Stadt, und es geht vor allem um eine Sache: Wie positioniert sich die Stadt Wittingen in der Frage des Anschlussstellenkonzeptes für die A39 im Stadtbereich? Insbesondere aus Eutzen werden viele Zuhörer erwartet. Neben den Auf- und Abfahrten sorgt auch der Standort einer geplanten Tank- und Rastanlage weiter für Diskussionen.

Zu den Anschlussstellen gab es eigentlich bereits deutliche Aussagen von der Planungsbehörde. Demnach sind die Wünsche der Stadt, nur eine Abfahrt zu bauen und sie zwischen Glüsingen und Eutzen an eine noch zu schaffende Südumgehung anzubinden, zu teuer. Die Wolfenbütteler Straßenbaubehörde favorisiert daher das Konzept mit zwei Anschlussstellen an vorhandenen Straßen – der B244 bei Mannhagen und der L286 bei Eutzen.

Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und noch sind die Würfel ja nicht endgültig gefallen. Die FWG will heute noch einmal über eine Resolution abstimmen lassen – pro Südumgehung und contra Tankstelle auf den Feldern zwischen Eutzen und Hagen. Die SPD schließt sich dem laut Fraktionschef Hans-Heinrich Koch an: "Eutzen wäre überproportional belastet, das können wir nicht machen."

Auch die CDU, die sich gestern Abend zur Fraktionssitzung getroffen hat, will ein eigenes Papier einbringen. "Eine Ergänzung", wie der Glüsinger CDU-Politiker Uwe Hoppmann sagt. Er hofft weiter darauf, Überzeugungsarbeit für eine Tank- und Rastanlage im Hafengebiet leisten zu können und auf eine entsprechende Trassenführung hinwirken zu können. Wichtig sei der CDU vor allem, die Anlage im Stadtgebiet zu halten, so Hoppmann: "Jeder Arbeitsplatz zählt."

Ähnlich sieht es FWG-Politiker Friedrich Lührs – man wolle schließlich der Stadt die Gewerbesteuer einer Tank- und Rastanlage sichern. Zwischen Hagen und Eutzen werde hochwertiges Ackerland vernichtet, zudem seien Umweltbelastungen für die angrenzenden Orte zu erwarten. Besser sei daher ein Standort in der Nähe der Teststrecke oder im "toten Dreieck" zwischen Kanal und Autobahn in der Gemarkung Wollerstorf.

Mit ihrer Resolution macht die FWG sich die Argumente aus Eutzen zu eigen. Das 87-Einwohner-Dorf hat eine Liste mit 74 Unterschriften gegen die "Dreifachbelastung" durch Autobahn, Anschlussstelle und Tank- und Rastanlage vorgelegt.

Über mögliche Vorentscheidungen in der Standortfrage ist in Wittingen bislang nichts bekannt. Eine Entscheidung soll vielleicht schon im Januar fallen, daher ist für den 21. Januar eine Stadtratssitzung anberaumt worden, in der die heutige Ausschuss-Resolution durch einen Beschluss unterstrichen werden soll.

Was es nützt, bleibt abzuwarten: "Wir haben uns immer deutlich artikuliert", sagt Stadtbürgermeister Karl Ridder, "aber die Entscheidung fällt nicht in Wittingen, sondern in Berlin."

Dort, in der Hauptstadt, sitzen schließlich die, die die Kosten für das Bundes-Projekt A39 zu verantworten haben. Über 14 Millionen Euro bei einer Anschlussstelle mit Südumgehung stehen zirka 2,5 Millionen Euro für die Lösung mit zwei Abfahrten gegenüber. Nach Darstellung der Wolfenbütteler Planer würde die Umgehung unter anderem eine Grundwasserabsenkung und die Verlegung einer 100-KV-Stromleitung erforderlich machen.

In dieser Situation setzt die Stadt auf Hilfe von der höheren Politik. Bundestags- und Landtagsabgeordnete sind gebeten worden, die Vorstellungen der Stadt zu unterstützen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hubertus Heil kommt daher am 12. Januar nach Wittingen und will sich erläutern lassen, welche Planungs-Alternative welche Konsequenzen hat. Den Vorschlag der Stadt bezeichnete Heil als "interessante Idee". Die Landtagsabgeordnete Ingrid Klopp (CDU) hat laut Ridder die Vermittlung eines Gesprächstermins im Niedersächsischen Verkehrsministerium zugesagt. Der Landesparlamentarier Klaus Schneck (SPD) sagt, die Wittinger Interessen seien berechtigt und sollten "möglichst" in die Planungen einfließen.

Erschienen: 07.01.2010: IK / 5 / Seite:3

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