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Neues Messsystem überwacht Auswirkungen von Bewässerung im Uelzener Kreisgebiet

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Jörg Martens mit Messstelle.
Jörg Martens steht neben der Messstelle für die Stederau bei Emern. Hier laufen die Daten aus der Überwachung des Gewässers zusammen. © Lohmann, Lars

Welchen Einfluss hat die Feldberegnung im Sommer auf das Grundwasser sowie auf die Fließgewässer in der Umgebung? Und wie lässt sich das Ganze so einfach wie möglich, aber gleichzeitig auch so genau wie nötig messen und überwachen? Diesen Fragen sind die Dachverbände Feldberegnung Uelzen und Lüneburg gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer im Rahmen des EU-Projekts „Top-Soil“ jetzt nachgegangen.

Uelzen/Landkreis – Zwischen 2018 und 2020 wurden dafür in den Pilotgebieten Esterau, Wipperau, Röbbelbach und Hasenburger Mühlenbach (Landkreis Lüneburg) die Auswirkungen auf die Gewässer mit neuartigen Dauerabflussmessungen überwacht.
„Es geht darum, den Grundwasserkörper genau zu überwachen und zu schauen, wie sich eine Entnahme im Sommer zur Bewässerung auf das ganze System auswirkt“, sagt Projektleiter Jörg Martens vom Beregnungsverband Uelzen. Gleichzeitig wird mit der Methode auch die Einhaltung der EU-Wasserrahmenrichtlinie überwacht. Jedes der Pilotgebiete reagiere sehr unterschiedlich auf Wasserentnahmen. Dass dies der Fall ist, liegt auch an dem laut Martens recht komplexen Untergrund der Lüneburger Heide. „Die Eiszeiten haben die Schichten hier ordentlich durcheinandergebracht.“

Möglicherweise müssen Beregnungsbrunnen verlegt werden

So kann es sein, dass eine erste wasserundurchlässige Schicht in dem einem Gebiet schon recht nah unter der Oberfläche liegt und in einem benachbarten Gebiet wesentlich tiefer. Das Grundwasser für die Bewässerung wird in aller Regel aber aus den unteren Schichten entnommen. Mit der Messmethode wird jetzt festgestellt, wo genau das Wasser herkommt, das zur Bewässerung genutzt wird. Zum Beispiel kann in den Gebieten erkannt werden, ob ein Beregnungsbrunnen Wasser von einem geschützten Biotop abzieht oder sie so liegen, dass sie das Uferfiltrat eines Gewässers wie der Stederau entnehmen. In solchen Fall müssten Brunnen geschlossen und neu angelegt werden. „Entweder ändert man den Standort des Brunnens oder bohrt in tieferes Grundwasser, welches das Gewässersystem nicht beeinflusst“, erklärt Martens.

Die Sonden überwachen dabei den oberflächennahen Grundwasserleiter, den tieferen Grundwasserleiter, in dem das Wasser zur Bewässerung entnommen wird, sowie den Wasserstand im Fließgewässer. Die Daten werden dann automatisch über die Messstation an den Beregnungsverband weitergeleitet. Um zu vermeiden, dass die Sonden im Flussbett ausfallen, weil sie von Sand überspült werden, befinden sie sich vornehmlich in schneller fließenden Bereichen des Baches, zum Beispiel unter Brücken. „In Heidebächen ist viel Sand und der wandert auf der Sohle entlang und legt sich ansonsten über den Sensor und wir bekommen keine Daten mehr“, erklärt Martens. In Zukunft wird dies bei den fünf bis acht weiteren Messstellen vermieden, indem Sonden genutzt werden, die mit Ultraschall den Pegel messen. „Die gab es noch nicht, als wir das Projekt begonnen haben“, erklärt Martens. Sie werden unter Brücken angebracht und messen von oben den Wasserstand.

Ausweitung auf das gesamte Wassersystem der Ilmenau geplant

Das Ziel: Das System soll auf das ganze Gebiet des Gewässersystems Ilmenau ausgeweitet werden. Da dies zusammen mit dem Lüneburger Raum ein sehr großer Raum ist, darf das Überwachungssystem nicht wartungsintensiv sein und muss gleichzeitig zuverlässige Daten liefern. Damit soll den Landwirten mittelfristig dann auch genau vorgegeben werden können, wie viel Wasser sie in einem Monat problemlos zur Bewässerung entnehmen können. Dies sei auch im Sinne der Landwirte, die daran interessiert seien, möglichst ressourcenschonend und nachhaltig zu wirtschaften. „Bis das so weit ist, brauchen wir aber noch ein paar weitere Jahre Messdaten“, sagt Martens.

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