Wihnachtskorten

Korfmaker wär fröher een Beruf de dat öwerall noch gäw. Plastik kenn man je noch nich. Woll man inkööpen, wat ut’n Gorten halen, watt wechbringen, man brök Körf. To’n Fuddern nöhm man vör allen Weidenkiepen. Up de Dörper wussen öweall Koppweiden.

De wörn alle poor Johr scheeden, denn ut de jungen Triebe von Weiden stell man Körf und Kiepen her. Futtermollen und flache Körf könn man aber ok ut Fuhrenwöddeln makt.

Een Original in Bämsen wär Korfmaker Otto. Weil he be’tn stottern dä, sä man ok Otto, Ottto to em. He snack blos Platt, red jeden mit „du” an und sä ümmer „Gooden Dag ok“. Alle möchen em gern und reden em mit „Gooden Dag ok Otto“ an. Kinner harn ok Spaß doran em to duzen. Markt he aber, da man em ton Narren holen woll, könn he ganz argerlich warn.

Otto wahn in „Kölns Kat“ (Röbbeler Straße). Domals harn Handwarker, Arbei- ter und Daglöhner noch Schwien und Zicken in Bämsen. Ottos Kiepen wärn eenfach und groff. Alle aber koffen bi em Kiepen, weil se em as Bämser Original gern harn.

Mal hett een Tierarzt dree Kiepen bi em bestellt. Otto broch em de Körf poor Dag löter in’t Huus. „Gooden Dag ok“, stammel Otto wie ümmer, „hier sind dien Kiepen, köst eenen Daler, also dree Mark dat Stück.“ De Veehdoktor meen: „Minsch Otto, is dat nich een bet’n düür, dat sind doch ganz eenfache Kiepen?“

Do kööm Otto aber in Wallung: „Watt, watt, watt seggst du dor, dor heff ik eenen ganzen Dag an ar-beitet, to düür seggst du? Wenn du mal kummst, wenn mien Zick krank is, kiekst du ehr twee Minu-ten ünnern Schwanz und nimmst 10 Mark, to düür? Du bist woll mall.“

„Hast recht Otto“, beruhigte em der Tierarzt, „ich gäw freiwillig tein Mark.“ „Nee“, sä Korbmacher Otto, ik will bloß neegen Mark, bin doch keen Hals-affschnieder wie jü“, und gäw em eene Mark zurück. Gerecht, volkstümlich und eenfach. Dat wär uns Bämser Original, „Gooden Dag ook Otto“.

Nan’n Krieg setten sik aber mehr und mehr de Drahtkiepen und de Plastikkörf dörch. Otto wüß sik to hölpen. Kiepen mök he wieder. He föhr aber ok öwer de Döörper mit’n Rad und verkoff Tweern, Ansichtskorten, Patent-knööp, Schohbänder und andere Dinge. All de em kennen dän, koffen em wat aff.

Eenmal vör Wihnachten, woll een Froo poor Wihnachtskorten kööpen. De aber wärn all alle. In Ottos Kuffer leegen aber noch öwergebläbene Osterkorten. „Minsch Otto“, sä de Froo, „dat sind je Osterkorten, de du mik verköpen wullt.“ Do meen Otto: „De kannst du ruhig kööpen, de holt sik bet Ostern noch frisch, de Wihnachtskorten sind schon verkofft.“

Wo sind düsse Originale hüt? Hest mal een Wort toveel seggt, ward glieks na’n Rechtsanwalt oder Schiedsmann loopen. Worüm könnt wie eegentlich hüt keen Spaß mehr verstahn? Goethe hett mal seggt: „Ich liebe mir den heitern Mann, am meisten unter meinen Gästen, wer sich nicht selbst zum Besten haben kann, der ist gewiss nicht einer von den Besten.“

Carl Friedrich Bautsch ist gebürtiger Groß Hesebecker und schreibt als Heimat- dichter über Land und Leute der hiesigen Region. Die AZ-Kolumne „Dütt un Datt up Platt“ finden Sie auch im Internet unter az- online.de/ kolumnen.

Von Carl Friedrich Bautsch

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