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Wie Schulen im Landkreis Uelzen mit der Omikron-Variante umgehen

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Von: Lars Lohmann

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Selbsttest auf das Corona-Virus
„Wir machen es so gut wie wir können, aber es ist ermüdend für Schüler und Lehrer“, sagt Schulleiterin Heike Matthies über den Corona-Alltag im Zeichen von Omikron. © DPA

Die Omikron-Variante sorgt dafür, dass sich immer mehr Menschen mit dem Corona-Virus infizieren. Doch wie ist eigentlich die derzeitige Lage an den Schulen im Landkreis? Und welche Folgen hatten zwei Jahre Corona-Pandemie?

Landkreis Uelzen - Die AZ hat bei den Schulleitern Heike Matthies (Oberschule Ebstorf) und Stefan Nowatschin (Berufsbildende Schulen I) sowie beim Landkreis nachgefragt, wie sich die derzeitige Virus-Variante Omikron auf den Schulalltag auswirkt und wo zurzeit der Schuh drückt.

„Das Infektionsgeschehen an den derzeit betroffenen 20 Grundschulen, der Löwenwaldschule sowie zehn weiterführenden Schulen ist als diffus zu bewerten“, sagt Kreissprecher Martin Theine. Aber: Ein erhöhtes Infektionsgeschehen an einzelnen Schulen stelle sich derzeit nicht dar. Vielmehr treten die Infektionen meist im familiären Umfeld auf und werden dann in die Schulen getragen. 180 Infektionsfälle gibt es aktuell an den Schulen im Kreis. 170 Schüler und zehn Mitarbeiter sind betroffen.

Trotzdem sagt Heike Matthies: „Es ist eine anstrengende Lage.“ Gut sei, dass es bisher nur vereinzelt Fälle gebe und keine ganzen Klassenzüge betroffen seien, aber die Kombination aus Omikron, Abordnungen von Lehrkräften und Langzeiterkrankten belaste den Schulalltag sehr. „Wir kompensieren Erkrankungen von Lehrern mit Vertretungsplänen. Das kriegen wir noch hin, aber es wird immer schwieriger“, schildert sie. Ohne das Engagement der Lehrer, die Überstunde um Überstunde ansammeln, sei es nicht möglich. Trotzdem falle zurzeit auch mal Unterricht aus, es werde aber gleichmäßig unter den Klassen verteilt. „Die Planbarkeit ist nicht mehr da“, sagt Heike Matthies. Jeden Tag könne sich am Morgen die Lage ändern und man müsse schnell reagieren. Außerdem drohe man langsam den Überblick zu verlieren, weil teils wochenweise neue Verordnungen einzuhalten sind. „Wir machen es so gut wie wir können, aber es ist ermüdend für Schüler und Lehrer“, sagt sie.

Zurzeit agiere man wie es erforderlich ist, sagt Stefan Nowatschin. „Generell sind wir sehr vorsichtig, Wenn der Wunsch nach Sicherheit da ist. Kann jeder – Lehrer oder Schüler – selbst entscheiden, ob er lieber zuhause bleiben will“, erklärt er. Diese Handlungsfreiheit sei ihm sehr wichtig, denn Ängste und Bedenken müsse man sehr ernst nehmen.

Außerdem ermöglicht es die BBS I Lehrern, die zwar dienstfähig sind aber aufgrund von gesundheitlichen Risiken lieber der Schule fernbleiben wollen, sich von zuhause zu ihren Schülern in den Klassenraum zuzuschalten und sie so zu unterrichten. „So können wir betreuten Unterricht ermöglichen. Da haben wir in den vergangenen zwei Jahren viel hinzugelernt“, sagt er.

Nowatschin, der auch stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands der Lehrerinnen und Lehrer an berufsbildenden Schulen ist, berichtet zudem, dass es bundesweit aber auch lokal einen erhöhten Krankenstand bei den Berufsschullehrern gibt. „Die psychische Belastung ist immens gestiegen“, sagt er. Selbst nach den Sommerferien, als man wegen der geringen Infektionszahlen mit weniger Krankmeldungen habe rechnen können, seien die Zahlen gestiegen.

Das habe zum einen mit den zwei Jahren Unterricht im Corona-Alltag zu tun, aber auch mit der schieren Anzahl an Überstunden, die viele Lehrer in dieser Zeit angehäuft haben. Vor allem während des Distanzlernens habe es keine klaren Abgrenzungen bei der Arbeitszeit mehr gegeben. „Da sind Dinge aus dem Ruder gelaufen“, sagt Nowatschin. Lehrer seien oft rund um die Uhr für ihre Schüler im Einsatz gewesen – mit Folgen für die Gesundheit. „Es ist in Summe für Lehrkräfte und Schulleitung hoch belastend. Und über zwei Jahre ist es grenzwertig.“ Er hoffe aber, dass ab dem kommenden Schuljahr wieder so etwas wie Normalität in die Schulen einkehren wird.

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