Wenn eine Fete zum Skandal wird

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Selten hat eine Berichterstattung in der AZ eine solche Vielzahl an Reaktionen hervorgerufen wie die Schilderung der Vorfälle vor der Uelzener Stadthalle am Freitag vergangener Woche. Gymnasiasten feiern eine Abi-Vorfreude-Party und erwünscht sind nur Gäste, die deutscher Nationalität sind und auch so aussehen.

Das zumindest vermitteln Sicherheitsleute bei der Einlasskontrolle. „Heute keine Ausländer“, bekommen Besucher asiatischen, dunkelhäutigen, arabischen etc. Aussehens zu hören. Da nützt es auch nichts, dass ein Betroffener sogar noch nach Hause läuft und seine Geburtsurkunde holt, um zu beweisen, dass er ein Deutscher ist. Auch ein neuseeländischer Austauschschüler des Herzog-Ernst-Gymnasiums und selbst ein Gymnasiast des HEG müssen draußen bleiben.

Auch wenn die Veranstalter zunächst versuchten, die Vorfälle kleinzureden und von Fällen im Promillebereich angesichts der vielen hundert Besucher sprechen – ein solches „Auswahlverfahren“ ist ein Skandal. Und es hat eine fatale Außenwirkung, gerade für die Feier von Gymnasiasten, denen Weltoffenheit und Toleranz doch wichtige Werte sein sollten. Ob die Schüler als Ausrichter wussten, was an diesem Abend am Eingang passierte, ist nach wie vor unklar.

Niemand ist bereit, Stellung zu beziehen. Doch es gibt auch Reaktionen, die Mut machen, dass solche Vorfälle nicht mit Gleichmut hingenommen werden. Da sind die vielen deutschen Besucher, die aus Solidarität zu ihren ausländischen Freunden ebenfalls draußen blieben. Da sind auch die heftigen Reaktionen auf die Berichterstattung in der AZ. Und da ist nicht zuletzt die deutliche Stellungnahme der Uelzener Stadtspitze. Sicher, die Zeiten, in denen Schüler unbeschwert und ohne großen Aufwand solche Feiern ausrichten konnten, sind vorbei.

Es gibt in Uelzen keine Abi-Party mehr ohne Polizeipräsenz und ohne privaten Sicherheitsdienst. Denn wo gefeiert wird, kommen auch Krawallmacher. Doch diese Situation kollektiv mit den Worten „Heute keine Ausländer“ zu lösen, ist diskriminierend. Schlimmer noch: Es ist purer Rassismus.

thomas.mitzlaff@cbeckers.de

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