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Abfallwirtschaftsbetrieb erfasst bis Jahresende alle Gefahrenstellen im Kreis Uelzen

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Müllfahrer wird beim Rückwärtsfahren eingewiesen.
Durch welche Maßnahme lassen sich Rückwärtsfahrten bei der Müllabfuhr in welcher Straße vermeiden? Das ist die Kernfrage, die der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises bis Jahresende beantworten will. © DGUV/Privat

Unfälle, bei denen Fußgänger durch rückwärts fahrende Müllwagen tödlich verletzt werden, passieren bundesweit immer wieder. Die Opfer sind oft Senioren oder Kinder. Im Oktober 2016 beispielsweise wurde eine 87-jährige Frau in der Lüneburger Altstadt von einem Müllfahrzeug überrollt und erlag ihren schweren Verletzungen. Gegen den Fahrer aus Uelzen wurde damals vom Amtsgericht Lüneburg ein Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung erlassen.

VON LARS BECKER

Uelzen/Landkreis – Der Abfallwirtschaftsbetrieb (awb) des Landkreises Uelzen kennt die Gefahr, die von den rückwärts fahrenden, wendenden oder rangierenden Fahrzeugen ausgeht und nimmt sie sehr ernst. Im September 2021 wurde der Betriebsausschuss Abfallwirtschaft informiert, dass die Überprüfung möglicher Gefahrenstellen im Landkreis läuft: Damals waren bereits 200 von 561 Straßen – vor allem in den Gemeinden Bevensen-Ebstorf und Bienenbüttel – begutachtet worden, in denen Müllfahrzeuge rückwärts fuhren. Im Ergebnis wurden 93 Sammelplätze für Abfallbehälter eingerichtet und in 107 Fällen Wendemöglichkeiten gefunden.

Die kreisweite Analyse der Straßen wird inzwischen im Wege eines Beratungsvertrages mit dem Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management (Infa) aus Ahlen (NRW) fortgesetzt. Dessen Bereichsleiter Dipl.-Ing. Dieter Oelgemöller war am Donnerstagabend zu Gast in der Sitzung des Betriebsausschusses Abfallwirtschaft auf dem Gelände in Oldenstadt, um die Politik über den Fortschritt zu informieren. So sieht der Zeitplan vor, bis zum Jahresende ein vollständiges Kataster erstellt zu haben, das aufzeigt, wo welches Gefahrenpotenzial besteht und wo das Rückwärtsfahren durch welche Maßnahme vermieden werden kann. Diese möglichen Maßnahmen müssen zuvor priorisiert und für das gesamte Entsorgungsgebiet – den Landkreis – festgelegt werden.

Ein Müllwagen darf nie mehr als 150 Meter am Stück rückwärts fahren

Grundsätzlich haben sich awb und Infa bereits darauf verständigt, die Branchenregeln der Abfallwirtschaft anzuwenden. Das bedeutet: Ein Müllwagen darf nie mehr als 150 Meter am Stück rückwärts fahren. Und an beiden Seiten des Fahrzeuges müssen immer mindestens 50 Zentimeter Platz bleiben. Grundsätzlich muss demnach jede Möglichkeit zur Vermeidung von Rückwärtsfahrten ausgeschöpft werden. „Es gibt viele Rückwärtsfahrten aus Bequemlichkeit, die gilt es zuallererst zu vermeiden“, betonte Oelgemöller. Geht das in einer Straße jedoch nicht, ist eine Gefährdungsbeurteilung erforderlich. Die erfolgt über Vor-Ort-Termine oder aber auch in vielen Fällen durch die Analyse hochaufgelöster Luftbilder. Infa hat die eigene App „RWFmobil“ entwickelt, durch die die Bestandserfassung mit allen wichtigen Parametern wie Straßenbreite, Engstellen, Sichthindernissen oder Gefahrenpunkten wie Spielplätzen oder Kindergärten erfolgt.

Die Liste potenzieller Lösungen, um Rückwärtsfahrten überflüssig zu machen, ist lang. Sie reicht vom Einsatz von Kleinstfahrzeugen über Rückfahrassistenzsysteme, die der awb schon verbaut hat, bis hin zu Parkverboten etwa in Wendebereichen, der Aufhebung von Durchfahrtsverboten oder dem Einrichten von Sammelplätzen. awb-Betriebsleiterin Christina Harms und allen Politikern ist klar, dass nicht jede Lösung am Ende allen Bürgern gefallen wird – unterm Strich aber steht das Ziel, die Entsorgung so sicher wie möglich durchzuführen.

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