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Wasserschutzpolizei auf der Jagd nach Umweltsündern - auch an der Schleuse Uelzen

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Von: Lars Becker

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Die beiden Polizeioberkommissare Holger Meyer und Mario Stengel (v.r.) im Maschinenraum der „Weserbergland“: Die hat erst 2017 einen Motor bekommen. Bei der Kontrolle werden keinerlei Mängel festgestellt.
Die beiden Polizeioberkommissare Holger Meyer und Mario Stengel (v.r.) im Maschinenraum der „Weserbergland“: Die hat erst 2017 einen Motor bekommen. Bei der Kontrolle werden keinerlei Mängel festgestellt. © Lars Becker

Die Wasserschutzpolizei Scharnebeck ist für den gesamten Elbe-Seitenkanal zuständig. Die AZ war bei einer Patrouillenfahrt dabei und hat auch die Überprüfung eines Binnenschiffes durch die Polizeibeamten begleitet.

Uelzen/Landkreis – „Alles in Ordnung: Sämtliche Dokumente wurden vorbildlich ausgefüllt und vorgelegt, der Maschinenraum war sauber. Gute Fahrt!“ Die beiden Polizeioberkommissare Holger Meyer und Mario Stengel, Sachbearbeiter bei der Wasserschutzpolizei (WSP) in Scharnebeck, verabschieden sich an der Schleuse Uelzen in Esterholz von Cäzary Stasiak.

Der 27-jährige Pole, der in Hamburg lebt, ist der Schiffsführer und seit drei Monaten erst auch Eigner des Schüttgutfrachters „Weserbergland“. Gerade hat er im Rahmen der „Bundesweiten Aktionstage Gewässer und Umweltschutz“ aller Wasserschutzpolizeien eine Kontrolle seines Schiffes erlebt.

Früher nahm man es nicht immer so genau...

Im Rahmen dieser Kontrollen ist vom 25. April bis zum 1. Mai überwacht worden, ob an Bord der Schiffe Abfälle wie Rückstände aus Maschinenräumen, Ladungsrückstände, Wasch- oder Ballastwasser ordnungsgemäß gesammelt und an den kostenlosen Annahmestellen entsorgt werden.

Es geht also um die Einhaltung umweltrechtlicher Bestimmungen im Bereich der gewerblichen, aber auch der Personenschifffahrt. Damit nahmen es die Kapitäne und ihre Besatzungsmitglieder früher längst nicht so genau, leiteten oft Dinge ins Wasser, die dort nichts zu suchen haben.

„70 bis 80 Prozent aller Schiffe sehen wir immer wieder“

Die WSP Scharnebeck gehört zur Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen und hat einen umfangreichen Zuständigkeitsbereich: den kompletten Elbe-Seitenkanal, die Elbe auf einer Länge von 113,3 Kilometern zwischen der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt bei Schnackenburg und Geesthacht einschließlich Stauwehr und Schleuse, den Elbe-Lübeck-Kanal bis zur Schleuse Lauenburg, die Ilmenau auf 29 Kilometern von Lüneburg/Brausebrücke bis Hoopte, die Sportboothäfen und Anlegestellen zwischen Geesthacht und Hamburg auf niedersächsischem Gebiet und den schiffbaren Abschnitt der Jeetzel.

„70 bis 80 Prozent aller Schiffe sehen wir immer wieder, man kennt sich also“, sagen Holger Meyer und Mario Stengel, die seit 20 beziehungsweise seit sechs Jahren bei der Wasserschutzpolizei arbeiten. Sie prüfen häufig Besatzungs- und Schiffspapiere, führen Alkoholkontrollen durch – diesmal geht es vor allem um die Umwelt.

Berufsschifffahrt - und dazu die Freizeitkapitäne

Cäzary Stasiak und die „Weserbergland“, deren Heimathafen das polnische Breslau ist, kennen sie aber noch nicht. Einmal pro Quartal werden die Schiffe maximal kontrolliert. „Das sind alles kleine Gewerbebetriebe, die wir nicht behindern wollen. Alle Kontrollen werden in der Schiffskontrolldatei vermerkt“, erklären sie. Die Berufsschifffahrt wird ganzjährig überwacht, hinzu kommen vermehrt Freizeitkapitäne auf Sportbooten von April bis Ende September.

Kontrolle beendet: Die „Weserbergland“ fährt in die Schleuse Uelzen in Esterholz ein. Das Ziel: Oldenburg.
Kontrolle beendet: Die „Weserbergland“ fährt in die Schleuse Uelzen in Esterholz ein. Das Ziel: Oldenburg. © Lars Becker

Cäzary Stasiak hat in Hamburg die alte Ladung gelöscht und am nächsten Morgen 580 Tonnen Soja-Pellets geladen. Die bringt er über Elbe, Elbe-Seitenkanal, Mittellandkanal, Weser und Hunte nach Oldenburg. „Was im Auto keine zwei Stunden dauert, dauert mit dem Schiff bei zehn Stundenkilometern, die wir beladen nur fahren dürfen, vier Tage“, lacht er.

Eine Tankfüllung reicht für einen Monat

„Mir macht das aber Spaß, ich wollte das so“, so der 27-Jährige, der zuschlug, als ihm ein Freund seines Vaters das Schiff zum Kauf anbot: „Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich mich irgendwann geärgert. Die Auftragslage ist gut. Wenn es weiter so läuft, bin ich glücklich.“

Er fährt fast nur in Norddeutschland, meistens transportiert er Getreide. Auch für ihn wird Tanken teurer: Schiffsdiesel kostete ihn zuletzt einen Euro pro Liter. „Ende November waren es noch 58 Cent. Ich tanke 11.000 Liter, die reichen dann für einen Monat“, so der ausgebildete Hafenschiffer.

Mario Stengel und Holger Meyer beenden derweil zufrieden die Kontrolle: „So soll es sein, alles prima!“

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