Forstsprecher Knut Sierk erklärt die Folgen des Klimawandels für den Wald

Sonnenbrand endet für Buchen tödlich: „Der Wald leidet“ im Kreis Uelzen

Buchen mit schütterer Krone
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Buchen leiden unter Dürre und Sonnenbrand, hier in der Göhrde
  • Gerhard Sternitzke
    vonGerhard Sternitzke
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Das Waldsterben ereignet sich nicht in fernen Regionen, auch im Landkreis Uelzen sind absterbende Bäume und schüttere Kronen zu beobachten.

Bevensen-Ebstorf/Landkreis – Im Harz stirbt der Wald. Kilometerweit graue, tote Stämme. Nach drei Dürresommern kommen die Förster nicht mehr nach, die abgestorbenen Wälder zu räumen – ein Bild, das an die Rauchgasschäden der achtziger Jahre erinnert. Laut aktuellem Waldzustandsbericht sind vier von fünf Bäumen bundesweit geschädigt. Die Folgen des Klimawandels kann man auch in der Heide beobachten.

Wir sind mittendrin in einem Absterbeprozess.

Knut Sierk, Sprecher der Landesforsten

„Unser Wald leidet“, sagt Knut Sierk, Sprecher der niedersächsischen Landesforsten, die viele Flächen im Uelzener Kreisgebiet bewirtschaften. „Wir sind mittendrin in einem Absterbeprozess.“ Drei Dürrejahre in Folge haben den Bäumen zugesetzt, und es bleibt offen, ob 2021 Entlastung bringt. „Durch den Schnee ist der Oberboden gut durchfeuchtet, aber der Bodenwasserspeicher ist noch nicht wieder aufgefüllt“, warnt Sierk, der die Georgsanstalt in Ebstorf besucht und Forstämter in der Heide geleitet hat.

Knut Sierk, Regionalsprecher der Landesforsten

Absterbeprozess klingt im ersten Moment etwas drastisch. Die Wälder sind im Sommerhalbjahr grün – aber mit Abstrichen. Förster zählen in solchen Fällen nach. Nicht nur beim Verlierer des Klimawandels, der Fichte, die zum leichten Opfer des Borkenkäfers wird, fehlen Nadeln. Auch bei der Kiefer, die vergleichsweise gut mit der Trockenheit zurechtkommt. „Sie müsste eigentlich vier gesunde Nadeljahrgänge haben. Jetzt sind es, wenn es gut aussieht, noch zwei Jahrgänge, oft nur einer “, berichtet Sierk. „Das heißt, die Krone wird durchsichtig. Die Bäume verlieren an Vitalität und Widerstandskraft.“ Durch das Abwerfen der Nadeln versuchen die Bäume, die Verdunstungsrate zu senken.

Um dem Klimawandel zu begegnen, pflanzen die Förster viele Buchen, bauen standortgemäße Mischwälder auf. Doch die einheimische Laubbaumart leidet besonders unter dem Trockenstress. Betroffen sind vor allem ältere Buchen, etwa in der Göhrde. Normalerweise lassen sie als Schattenbaum-art in dichten Beständen kaum einen Lichtstrahl auf den Boden dringen, so dass Kräuter wie das Buschwindröschen blühen und grünen müssen, bevor die Bäume ausschlagen. Deshalb hat Forstsprecher Sierk auch eine einfache Methode, um Schäden zu erkennen: „Wenn man nach oben schaut, darf man den Himmel nicht erkennen.“

Sonnenbrand endet für Buchen tödlich

Vor allem alte Buchen sind betroffen. Kaum zu glauben, aber auch Bäume bekommen, etwa an Waldrändern, Sonnenbrand. „Die Rinde wird überhitzt, das Cambium, die Wachstumsschicht, zerstört“, erklärt Sierk. Die Wunden sind Einfallstore für Pilze, die den Baum schnell zerstören. Deshalb kämpfen die Förstereien verstärkt gegen die Gefahr trockener Äste, die auf Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer herunterzufallen drohen. So musste das Forstamt Bobenwald an der B 4 zwischen Bienenbüttel und Grünhagen viele Buchen herausgeschlagen.

Eichen dagegen können mit ihren Pfahlwurzeln Wasser aus tieferen Schichten ziehen. Einzelne Exemplare werden jedoch Opfer ihrer Fressfeinde: Frostspanner, Eichenwickler und Prachtkäfer.

Bewährt hat sich in den drei Dürrejahren vor allem die Douglasie. Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Nadelbaumart, die einmal vor der Eiszeit hier heimisch war, wächst auch auf armen Sandböden und steckt die Trockenheit klaglos weg. Zudem ist das Holz vielfach verwendbar. Deshalb ist die Douglasie so etwas wie Försters Liebling. „Aber nicht als Reinbestand, sondern als Mischbaumart.“

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