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DB-Mann vermeidet Begriff Alpha-E: Vier Varianten – und ein Minister-„Nein“ zur Neubautrasse

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Die Demonstranten der Bürgerinitiativen lassen in Celle keine Zweifel aufkommen: Eine Neubautrasse der Bahn kommt für sie nicht infrage.
Die Demonstranten der Bürgerinitiativen lassen in Celle keine Zweifel aufkommen: Eine Neubautrasse der Bahn kommt für sie nicht infrage. © Christian Holzgreve

Bei einem Treffen in Celle wird ein Statusbericht zu Alpha-E gegeben. Dem Bahnvertreter gelingt es, den Begriff nicht einmal in den Mund zu nehmen. Er präsentiert stattdessen eine weitere mögliche Neubaustrecke. Gegen solche Überlegungen machen Verkehrsminister Bernd Althusmann und der zuständige Beirat Front.

Celle/Uelzen – Als Bernd Althusmann am Donnerstag seinen Weg durch das Spalier von rund 120 Demonstranten vor der Congress Union Celle geht, ist es wie ein Heimspiel. Der Wirtschafts- und Verkehrsminister hat sich, kaum, dass er aus seiner Limousine gestiegen ist, auch eine neongelbe Protestweste angezogen, schüttelt im Vorübergehen Hände und tritt zu Kurt Wiedenhoff aus Eimke ans Mikrofon.

Letzterer moderiert für die Demonstranten von Bürgerinitiativen aus verschiedenen Regionen des Landes den Protest: Die Teilnehmer fordern von der Deutschen Bahn ein Festhalten an Alpha-E auf der Strecke Hamburg-Hannover. Und Althusmann, der Minuten später beim Statustreffen des Projektbeirates Alpha-E drinnen im Saal sprechen wird, lässt an der Haltung des Landes keinen Zweifel:

„Dann wären wir am Ende wieder bei Null“

Auch nach der Wahl am 9. Oktober bleibe es im Interesse einer niedersächsischen Landesregierung, dass man „der Bahn nicht die Hand reichen kann für eine Neubaustrecke. Das wäre fatal und würde uns um Jahre und Jahrzehnte zurückwerfen. Dann wären wir am Ende wieder bei Null“, betont der CDU-Politiker. „Mit Zustimmung der Landesregierung wird es Änderungen zum Kompromiss Alpha-E nicht geben.“

Er trifft damit den Nerv der Demonstranten, die sich – wie mit Alpha-E im Dialogforum Schiene-Nord 2015 festgelegt – für den Ausbau der Bestandsstrecke Hamburg-Hannover einsetzen. „Warum sollten die damaligen Aussagen der Bahn nicht mehr gelten?“, fragt Joachim Partzsch als einer der beiden Sprecher des Projektbeirats beim Statustreffen im Saal: „Gilt das geflügelte Wort ,Was schert mich mein Geschwätz von gestern?’ jetzt auch für Institutionen?“ Immerhin: Alpha-E ist einst vom Landtag abgesegnet worden und ist als Projekt vordringlichen Bedarfs Bestandteil des Bundesverkehrswegeplans 2030.

Alpha-E: Mehr Güter auf die Schiene bringen

Unstrittig ist, dass die bestehende Strecke an Überlastung leidet. So sieht Alpha-E bereits ein drittes Gleis vor. Erdacht, um mehr Güter aus den Seehäfen um Bremen, Hamburg und schließlich nach Hannover auf die Schiene zu bringen, hat der Projektbeirat auch die Aufgaben Gesundheits- und Lärmschutz bei gleichzeitiger Verbesserung des Schienennahverkehrs in den Regionen zu gewährleisten.

In Celle hat sich Verkehrsminister Bernd Althusmann einmal mehr klar zu Alpha-E bekannt.
In Celle hat sich Verkehrsminister Bernd Althusmann einmal mehr klar zu Alpha-E bekannt. © Christian Holzgreve

Das alles scheint fast hinfällig, folgt man den Ausführungen von Frank Arne Limprecht, Leiter Großprojekte Regionalbereich Nord der DB Netz AG. Dem gelingt es, bei seinem Vortrag im Europasaal der Congress Union nicht ein einziges Mal den Begriff Alpha-E in den Mund zu nehmen.

„Vertrauen in Planung und Prozesse geht verloren“

Und Althusmann wirft der Bahn vor, nicht transparent zu kommunizieren. „Was ist das für ein Umgang?“, fragt der Verkehrsminister, verweist auf Skizzen zu möglichen Neubaustrecken, die kursieren. „Jedes Vertrauen in Planung und Prozesse geht verloren“, bemängelt Althusmann.

Bahnprojekt-Leiter Limprecht präsentiert im Saal denn auch eine Premiere: Mittlerweile vier Strecken werden demnach von der Bahn geprüft. Da gibt es den Ausbau der Bestandsstrecke sowie drei Neubauvarianten: eine Neubaustrecke durch die Landkreise Lüneburg und Uelzen, gegen die sich seit Wochen heftiger Protest richtet (AZ berichtete); eine Trasse in räumlicher Nähe zur A7 bis in den Raum Großburgwedel; und eine Untervariante, die nördlich von Soltau von der A-7-Variante abzweigt und entlang der B3 nach Celle geführt werden könnte.

Bahn-Vertreter: „Nicht das, was Sie hören wollen“

„Wir planen derzeit ergebnisoffen“, sagt Limprecht in seinem Vortrag, doch er lässt seine Sympathie für eine Neubaustrecke durchblicken. Ende des Jahres werde es mehr Informationen geben. Limprecht argumentiert vor allem mit dem Erreichen höherer Geschwindigkeiten, der Betriebssicherheit und „engpassfreien“ Streckenführungen.

„Ich weiß, dass das nicht das ist, was Sie hören wollen“, sagt Limprecht vor den Bundestags- und Landtagsabgeordneten sowie vor den Vertretern der Kommunen. Aus dem Landkreis Uelzen sind neben Landrat Dr. Heiko Blume auch die Bürgermeister Merlin Franke (Bienenbüttel), Martin Feller (Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf) und Jürgen Markwardt (Uelzen) gekommen. Und es mag vielen Kommunalvertretern so gegangen sein wie Markwardt, dessen Vertrauen in Planungen und Aussagen der Bahn zusehends schwindet.

So bleibt es bei einem kritischen Urteil von Dr. Peter Dörsam, ebenfalls Sprecher des Projektbeirats Alpha-E: „Wir haben ein Konzept und wir können es uns nicht erlauben, durch eine Neubauplanung, die Jahrzehnte dauern wird und ihre Wirkung erst dann entfaltet, wenn der letzte Meter Schiene verlegt ist, die Kapazitätsverbesserungen in eine ferne Zukunft zu verschieben.“

VON CHRISTIAN HOLZGREVE

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