Corona sorgt für Probleme bei Schweinemast

Uelzens Schweinehalter bangen um ihre Existenz

Ein Mastschwein steht in einem Stall
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„Die Sauenhalter schreiben täglich Verluste“, sagt Thorsten Riggert über die derzeitige Situation. Durch Corona ist ein Rückstau bei der Schlachtung entstanden, der immer noch anhält.
  • Lars Lohmann
    vonLars Lohmann
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Afrikanische Schweinepest, Insektenschutzverordnung, die roten Gebiete in der Düngeverordnung. Die Probleme und Aufgaben, vor denen die Landwirte in der Region stehen, waren schon groß, und dann kam Corona und sorgt bei vielen Viehhaltern für Existenzängste.

Uelzen/Landkreis – „In meiner Zeit als Landwirt habe ich es noch nie so schlimm erlebt“, sagt Thorsten Riggert, Kreislandwirt und Vorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen über die Existenzängste der Schweinehalter. Selbst Betriebe, die aufgrund ihre Größe noch vor einem Jahr als gesund angesehen wurden, seien inzwischen in ihrer Existenz bedroht. „Die Sauenhalter schreiben täglich Verluste“, sagt Riggert. Zurzeit gibt es, nach den Corona-Fällen in Schlachtbetrieben im vergangenen Jahr, weiterhin einen Rückstau bei den Schlachtungen. Die Konsequenz: Die Tiere werden länger gefüttert und sind dadurch vor dem Schlachten schwerer. Doch gibt es dafür nicht mehr Geld, sondern weniger. „Es gibt eine sogenannte Maske, in der sich das Gewicht des Schweins bewegen muss. Jetzt sind die Tiere 20 Kilo zu schwer.“ Konkret: Die Landwirte bekommen anstatt des offiziellen Preises von 1,19 Euro pro Kilogramm nur 90 Cent. Gleichzeitig seien aber die Preise für die Verbraucher angestiegen. „Die Supermärkte geben aber nichts davon weiter“, sagt Riggert.

Den Preisverfall verschärfend kommen laut dem Klein Süstedter noch die Einfuhrverbote für Schweinefleisch aus Deutschland aufgrund der afrikanischen Schweinepest in China und Südkorea hinzu. Hier habe es die Politik verpasst, rechtzeitig vorzusorgen und für eine Regionalisierung der Produkte zu sorgen, sodass etwa Landwirte aus nicht betroffenen Gebieten in Niedersachsen weiterhin exportieren können, wenn es wie jetzt Fälle in Brandenburg gibt. „Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen, und wir sind alle gesperrt“, sagt Riggert.

Die Tierseuche werde eines der bestimmenden Themen der nächsten Jahre bleiben. Schon jetzt gebe es über 1000 befallene Wildschweine. „Ohne den Zaun an der Grenze nach Polen wird das nichts“, sagt Riggert. Bisher hieße es seit drei Monaten nur immer, dass dieser kurz vor der Fertigstellung stehe.

Zumindest können Landwirte seit gut 14 Tagen Soforthilfen wegen Einbußen durch Corona beantragen, berichtet Riggert. „Da wo es brannte von September bis Dezember, konnte noch keine beantragt werden“, kritisiert er. Die jetzige Hilfe passe vom finanziellen Rahmen gut für landwirtschaftliche Betriebe, müsse aber wie auch in anderen Branchen zügiger fließen. Ansonsten drohe in der Landwirtschaft ein weiteres Höfesterben.

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