Uelzener Hilfskräfte in den Katastrophengebieten

„Fertige Gesichter und leere Seelen“

Organisationen wie der DRK-Kreisverband geben alles, um jenen Menschen in Rheinland-Pfalz und NRW zu helfen, die im Hochwasser fast alles verloren haben.
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Organisationen wie der DRK-Kreisverband geben alles, um jenen Menschen in Rheinland-Pfalz zu helfen, die im Hochwasser fast alles verloren haben.

„Wir wurden vorgewarnt, aber es war viel schlimmer“, sagt Phillip Schulze. Der Sprecher der Bereitschaft des DRK-Kreisverbandes Uelzen hat das Ausmaß der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz mit seinen Kollegen hautnah miterlebt.

Uelzen/Altenahr/Eschweiler - Philipp Schulze und die Bereitschaft des DRK-Kreisverbandes Uelzen sind inzwischen aus dem Krisengebiet zurück. Nachhaltigen Eindruck haben bei den heimischen Einsatzkräften die „fertigen Gesichter und die leeren Seelen“ der Anwohner hinterlassen, die oftmals vor den Scherben ihrer Existenz stehen, so Schulze. Die dramatischen Aufnahmen aus den Hochwassergebieten könnten das Erlebte nicht widerspiegeln, sagt er. Einwohner hätten ihm berichtet, wie Menschen vor ihren Augen von den Fluten mitgerissen worden seien.

Bei allem Entsetzen über das Ausmaß der Zerstörung und das Leid der Menschen zeigt sich Phillip Schulze aber von deren Dankbarkeit und Solidarität beeindruckt. Das sei „nicht selbstverständlich“. Schließlich müsse man bei anderen Einsätzen sogar mit Beschimpfungen zurechtkommen.

„Insellage“ bereitet Probleme

Die fünfköpfige Führungsgruppe der Medizinischen Task Force aus Uelzen erkundete im rheinland-pfälzischen Altenahr die Lage und kümmerte sich um die Herstellung der Infrastruktur. Ob fehlende Wasser- und Stromversorgung oder mobile Toiletten: „Wir mussten einschätzen, was benötigt wird und dann weitere Hilfskräfte anfordern“, erklärt Schulze. Dabei habe man besonders mit der „Insellage“ des kleinen Ortes, die durch die starken Regenfälle entstanden war, zu kämpfen gehabt.

Noch immer im Hilfseinsatz befindet sich die Fachgruppe Bergung und Notversorgung/ Notinstandsetzungdes THW-Ortsverbandes aus Uelzen. Nachdem diese in den vergangenen Tagen im nordrhein-westfälischen Eschweiler Regenwasser abgepumpt und Trümmer entfernt hatte, ist sie jetzt damit beschäftigt, den Betrieb des Bereitsstellungsraumes am Nürburgring in Rheinland-Pfalz zu sichern. Die Uelzener versorgen die zentrale Sammelstelle für hunderte Hilfskräfte aus ganz Deutschland mit Toiletten- und Duschcontainern. Zudem arbeiten sie an den Unterbringungsmöglichkeiten am Nürburgring.

ienststellenleiter des Uelzener THW-Ortsverbandes, geht davon aus, dass der Einsatz noch mindestens drei Wochen dauern wird. Die fünf verbliebenen Mitglieder der Fachgruppe arbeiten im Schichtbetrieb und werden im Laufe der Woche von fünf frischen Kräften aus Uelzen abgelöst.

Für Steinmann waren die vergangenen Tage zwar nicht körperlich anstrengend, aber dafür „psychisch ein Brett“. Nicht nur das „große Gewusel und die riesige Logistik“ am Nürburgring seien eine Herausforderung, sagt Steinmann. Erschwerend komme hinzu, dass „Corona nicht vorbei“ sei. Zur Verhinderung eines Ausbruchs in der Sammelstelle müssten alle Helfer täglich einen Selbsttest vornehmen. Trotz ab und an auftretender Engpässe bei der Versorgung sei die Stimmung unter den Hilfskräften aber gut gewesen,

Auch Steinmann ist über die Solidarität in der Bevölkerung erfreut. Den schweren Umständen zuwider würden sich die Anwohner für jede Unterstützung dankbar zeigen und die Helfer mit Essen versorgen. Besonders bedanken möchte er sich bei den Arbeitgebern der ausgerückten THW-Mitglieder aus Uelzen, die ihre Angestellten für den Einsatz freigestellt haben. Schließlich laufe dieser rein ehrenamtlich.

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