Uelzen muss seine Chancen beherzter nutzen

Die Ablehnung kam prompt und sie war unmissverständlich: Eine Sonnabend-Öffnung der Uelzener Bücherei bei gleichzeitiger Schließung am Montag? Nein, das konnten sich Stadtverwaltung und Büchereileitung vor mehr als einem Jahr nur schwerlich vorstellen.

Was sollten denn die Nutzer denken, die seit Urzeiten an den Öffnungsrhythmus von Montag bis Freitag gewöhnt waren? Zudem wäre der neue Sonnabend-Termin für die Mitarbeiter der Stadtbücherei ganz sicher eine unzumutbare Belastung. So lauteten einige der Argumente gegen die Einführung flexibler und familienfreundlicher Öffnungszeiten. Zum Glück sprangen Verwaltung und Bücherei letztlich doch noch über ihren Schatten und führten die neuen Ausleihzeiten im April 2010 ein – probeweise für zunächst ein Jahr. Dieses ist nun vorbei – und die Bilanz der Sonnabend-Öffnung ist hervorragend: Es gibt an diesem Tag mehr Leser, mehr Ausleihungen und eine entspanntere Atmosphäre in der Bücherei, als sich die Stadt zu träumen gewagt hatte. Immer mehr Familien kommen sonnabends vorbei und verbinden den Einkauf auf dem Wochenmarkt mit der Ausleihe von Büchern, CDs oder DVDs. Die Sonnabend-Öffnung ist ein voller Erfolg und wird von der Stadt jetzt völlig zu Recht dauerhaft fortgesetzt. Und doch waren die anfänglichen Vorbehalte wieder mal ein typisches Beispiel für die fast schon reflexhafte Ablehnung neuer Ideen in Uelzen. Die Entscheidungsträger in den Rathäusern und in der Lokalpolitik tun sich schon seit Jahren schwer damit, neue Entwicklungmöglichkeiten für Stadt und Landkreis zu erkennen und konsequent zu nutzen. Auf diese Weise wurden schon viele Chancen verpasst: von der Einrichtung einer Brauhaus-Gastronomie im Alten Rathaus bis zur möglichen Ansiedlung eines Center-Parks im Kreisgebiet. Und auch bei der Verlegung des Wochenmarktes in die Uelzener Innenstadt verstummen die kritischen Stimmen bis heute nicht, obwohl der neue Standort auf den drei Marktstraßen wie maßgeschneidert für Händler und Kunden ist. Mehr Aufgeschlossenheit für neue Ideen, Schluss mit den andauernden Vorbe-halten und ein beherzteres Ergreifen von Zukunftschancen für die Stadt, das ist Uelzen zu wünschen – nicht nur bei den Bücherei-Öffnungszeiten, sondern auch bei kommenden Projekten in der Stadt.

Von Bernd Schossadowski

bernd.schossadowski@cbeckers.de

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