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Wenn das E-Auto in Brand gerät: Feuerwehren im Kreis Uelzen „gut gerüstet“

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Von: Lars Becker

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Wenn im Landkreis Uelzen ein Elektro- oder Hybridfahrzeug (hier ein Tesla) in Brand geraten sollte, dann kann die Kreisfeuerwehr auch einen Container nutzen, um das Wrack komplett in Wasser zu tauchen.
Wenn im Landkreis Uelzen ein Elektro- oder Hybridfahrzeug (hier ein Tesla) in Brand geraten sollte, dann kann die Kreisfeuerwehr auch einen Container nutzen, um das Wrack komplett in Wasser zu tauchen. © IMAGO/Karsten Schmalz

Angesichts der steigenden Zahl von E- und Hybrid-Fahrzeugen müssen sich die Feuerwehren darauf einstellen, mit dem Brand eines solchen Hochvolt-Autos konfrontiert zu werden. Das war jetzt Thema im Feuerschutzausschuss.

Uelzen/Landkreis – Stellt die stetig zunehmende Elektromobilität die Feuerwehren im Landkreis Uelzen vor schwierige bis unlösbare Aufgaben oder sind die Einsatzkräfte bereits für den Fall gerüstet, dass ein brennendes E- oder Hybridfahrzeug Feuer fängt und gelöscht werden muss? Diese Fragestellung war in der Sitzung des Feuerschutzausschusses des Landkreises erneut Thema.

In der Sitzung des Gremiums Ende November hatte der 2. stellvertretende Kreisbrandmeister André Pieper-Christensen auf Anfrage von Christian Mocek (CDU) bereits erläutert, dass seitens der Kreisfeuerwehr ein entsprechende Konzept vorbereitet sei, eine Brandschutzdecke beschafft und ein bereits zuvor vorhandener Abrollbehälter entsprechend ertüchtigt worden sei. In diesen könne ein solches Fahrzeug hineingeschoben oder -gehoben und der Container geflutet werden. Dieser steht an der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Uelzen.

„Wo bleiben wir mit dem Schrott?“

In der jüngsten Sitzung des Feuerschutzausschusses erfragte nun Ralf Munstermann (UWG) den aktuellen Sachstand im Hinblick auf Löscharbeiten an Elektrofahrzeugen. Kreisbrandmeister Helmut Rüger erläuterte, dass drei von vier Schulungsmodulen zu dem Thema bereits von etwa 20 Teilnehmern absolviert worden seien, die praktische Ausbildung stehe nun noch im Sommer bevor.

„Wir hatten ehrlicherweise bislang ein Halbwissen zu den Fragen, wo die größten Gefahren sind und welche Löschmethoden es gibt – nämlich Löschdecke, Löschlanze und Tauchen. Fakt ist: Das Feuer auszumachen, ist das kleinste Problem. Die spannendsten Fragen sind vielmehr: Bleibt es dann auch wirklich aus? Wo bleiben wir dem Schrott und mit dem kontaminierten Wasser? Da stehen wir eher noch am Anfang“, so Rüger, der bezüglich der Auto-Wracks auf bestimmte Quarantäne- oder Havarieplätze von Abschleppunternehmen oder Werkstätten verwies.

E-Auto-Brand: „Auf kurz oder lang damit zu rechnen“

Es müsse in jedem Fall klar sein, dass es ausschließlich Aufgabe der Feuerwehr sei, Brände zu löschen. Ein solches ausgebranntes Fahrzeug dürfe nicht wochen- oder gar monatelang bei der Feuerwehr herumstehen.

Rüger ergänzte im Nachgang im Gespräch mit der AZ: „Die E-Mobilität nimmt stark zu. Insofern ist auf kurz oder lang damit zu rechnen, dass es einen solchen Brand auch bei uns im Landkreis Uelzen geben dürfte. Dann wollen wir sagen können, dass wir auf dieses Szenario vorbereitet sind.“

So seien die Teilnehmer der vierteiligen Schulung, die der Kreisfeuerwehrverband – wie andere in der Nachbarschaft auch – über einen Dienstleister organisiert hatte, mit ihrem Wissen als Multiplikatoren wichtig. An der Praxis-Ausbildung werden 25 Kameraden teilnehmen können. „Fakt ist, dass wir im Landkreis gut ausgestattet und gerüstet sind“, so Rüger.

Schwelbrände in den Akkuzellen

Die Löschdecken für E-Autos sind so extrem hitzebeständig (bis zu 1300 Grad) und so dimensioniert, dass ein brennendes Fahrzeug komplett abgedeckt werden kann. Sie sollen die Flammen ersticken und das Übergreifen auf andere Objekte oder Fahrzeuge verhindern. Darüber hinaus werden Löschdecken auch für den Abtransport eines verunfallten oder abgelöschten Elektrofahrzeugs genutzt.

Bei einer Löschlanze handelt es sich um ein Strahlrohr der Feuerwehr, mit dem schwer zugängliche Stelle erreicht werden können. Solche Lanzen reduzieren die benötigte Wassermenge, indem der Lithium-Ionen-Akku eines Fahrzeugs gezielt heruntergekühlt wird. Diese Methode wird aber insgesamt als nicht so effektiv angesehen wie etwa das Tauchen eines Fahrzeugs in einen Container: So werden offenbar am besten Schwelbrände in den Akkuzellen bekämpft.

André Pieper-Christensen stellte anschließend heraus: „Einen Pkw-Brand mit E- oder Hybrid-Antrieb kriegen wir beherrscht und können unseren Job machen. Wir können auf den Fall, der morgen eintritt, reagieren.“ Bislang hat im Landkreis noch kein reines E- oder ein Hybrid-Fahrzeug Feuer gefangen. Hybridautos waren aber in Unfälle verwickelt.

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