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Trickbetrüger nutzen Whatsapp: Frau aus Uelzen überweist mehr als 2000 Euro

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Von: Lars Becker

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Gibt sich über Whatsapp jemand als Familienmitglied aus, behauptet, eine neue Nummer zu haben, und bittet um Geld, dann ist höchste Vorsicht geboten. Das betont die Polizei nach einem Betrugsfall im Landkreis Uelzen. © Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Die Polizei warnt, dass Betrüger immer öfter eine neue „Enkeltrick“-Masche nutzen: Sie geben sich in WhatsApp-Nachrichten als Sohn, Tochter oder Enkel aus und bitten um Geld. Eine Frau aus dem Kreis fiel nun darauf herein.

Uelzen/Landkreis – Eine 71-jährige Frau aus dem Landkreis Uelzen ist auf Ganoven hereingefallen, die das Deliktfeld „Enkeltrick“ mit einer immer noch relativ neuen und deshalb vor allem unter Senioren unbekannten Masche bearbeiten: Sie benutzen den Kurznachrichtendienst Whatsapp, um sich das Vertrauen ihrer Opfer zu erschleichen – und dann abzukassieren.

Die ältere Dame aus dem Landkreis wurde nach Angabe der Polizei am Montagabend über ihr Handy kontaktiert. Der angebliche Sohn meldete sich mit einer Whatsapp-Nachricht und bat um kurzfristige Begleichung von zwei Rechnungen. Die Seniorin roch den Braten nicht – und wies laut Polizei mehr als 2000 Euro an. Erst am Dienstag wandte sie sich dann an die Polizei.

„Hallo Mama, mein Handy ist kaputt.“

Die spricht vom „Enkeltrick 2.0“ – also von einer neuen Methode. Mit Sätzen wie „Hallo Mama, mein Handy ist kaputt. Das ist meine neue Nummer“ werde von einer unbekannten Handy-nummer der Kontakt zu potenziellen Opfern gesucht. „Das besonders Perfide daran ist, dass die Kontaktierten womöglich tatsächlich glauben, dass der Absender die Tochter, der Sohn oder auch das Enkelkind ist. Sie speichern diese Nummer ab und versehen sie mit dem Namen des real existierenden Kindes oder Enkels. Bei der Bitte um eine Überweisung wird man dann schnell sorglos“, sagt Kai Richter, Polizeihauptkommissar und Pressesprecher.

Der Gedanke an Tochter oder Sohn lasse viele Menschen der unbekannten Nummer antworten. „Unterm Strich beginnen die Betrüger damit wie beim klassischen Enkeltrick am Telefon ihre Masche mit einer namenlosen Anfrage. Dann spinnen sie ihre Geschichte fort“, weiß Richter.

Illegaler Kauf ganzer Datenpakete

Die Kriminellen würden gezielt dazu auffordern, die neue Nummer zu speichern. Dann geht es schnell um Geld. „Bei der aktuellen Masche per Whatsapp erklären sie, dass auf dem neuen Handy kein Online-Banking möglich sei. Sie bitten, einen Geldbetrag für sie zu überweisen. Wie gewohnt ist es sehr dringend“, heißt es von den Ermittlern, die nur mutmaßen können, wie die professionell agierenden Täter an die Handynummern kommen und teilweise sogar die Namen der echten Kinder in ihren Nachrichten benutzen: über den illegalen Kauf ganzer Datenpakete.

Erstmals warnte die Lüneburger Polizeiinspektion im Sommer 2021 vor dem Enkeltrick-Versuch über Smartphones – die längst auch immer mehr ältere Menschen nutzen, um mit ihren Angehörigen in Kontakt zu bleiben. „Das kommt leider immer mehr, in vielen Bundesländern, und punktuell eben auch bei uns. Wir warnen deshalb, weil diese Vorgehensweise der Täter noch nicht so bekannt ist“, erklärt Kai Richter für die Polizei.

Betrüger beißen in Lüchow auf Granit

Erst vergangene Woche hatte diese einen Betrugsfall aus Lüchow vermeldet und von vermehrten Kontaktaufnahmen über die Messenger-Dienste berichtet. Ein 78-jähriger Mann war von seiner angeblichen Enkelin ebenfalls um Überweisungen gebeten worden, wurde aber misstrauisch. So erging es am Montag der Frau aus dem Landkreis Uelzen nicht...

Erst am Dienstag hatte die AZ über die Kriminalitätsstatistik 2021 der Polizei Uelzen berichtet. 70 Fälle von Trickbetrügen zu Lasten von Senioren waren registriert worden – 32 Mal erfolgreich.

Diese wichtigen Tipps gibt die Polizei:

• Wenn Sie von Ihnen bekannten Personen unter einer unbekannten Nummer kontaktiert werden, speichern Sie diese Nummer nicht automatisch ab.

• Sprechen Sie stattdessen umgehend mit der Ihnen bekannten Person – aber unter der alten Nummer.

• Geldüberweisungen über Whatsapp und andere Messengerdienste sollten immer misstrauisch machen und überprüft werden.

• Achten Sie auf die Sicherheitseinstellungen Ihres Nachrichtendienstes.

• Seien Sie misstrauisch. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen, ziehen Sie unbedingt eine Vertrauensperson hinzu.

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