Das Wort zum Sonntag

Teilen Sie (un)gern?

Es gibt vermutlich nur wenige Themen, zu denen irgendein Meinungsforschungsinstitut nicht bereits Umfragen gestartet hätte. Neulich las ich in der Zeitung das Ergebnis zu der Frage: „Was würden Sie nicht mit Freunden teilen?“ Wenig überraschend stand das Auto bei den „Nicht-Teilern“ an erster Stelle, dicht gefolgt von Haustieren und Computern. Das Fazit der Geschichte:

Die Hälfte der Deutschen teilt – jedenfalls laut jener Umfrage – nicht gern. Erfreulich dagegen: Die andere Hälfte der Befragten teilt gern; Frauen seien übrigens in fast allen Kategorien die unbekümmerteren TeilerInnen. Ich habe mich gefragt, was wäre mir wohl so wichtig, dass ich es besonders ungern mit anderen teilen würde? Und mir kam der Gedanke: Wie gut, dass nicht nur materielle Dinge teilbar sind; auch Lebenszeit, Freude, Trauer, persönliche Erfahrungen, uneigennütziges Engagement, gemeinsame Arbeit, verregneter Urlaub, Hoffnung, Vertrauen, Glauben und vieles andere können Menschen miteinander teilen. In den Gottesdiensten am morgigen Sonntag wird in vielen Gemeinden daran gedacht, was unsere Kirche mit Israel und den Menschen jüdischen Glaubens teilt. Aus gutem Grund: Denn mit keiner anderen Weltreligion sind Christen so eng verbunden! Als Jesus einmal nach dem größten und wichtigsten Gebot von allen gefragt wurde, verwies er auf drei Dinge: Die Liebe zu Gott, zu den Menschen und zu sich selbst. Damit bekannte sich Jesus klar zu den Glaubensüberlieferungen der hebräischen Schriften, die wir das Alte Testament nennen. An vielen Bibel-Stellen wird deutlich, wie selbstverständlich Jesus im jüdischen Glauben verwurzelt und als Lehrer (Rabbi) von den Menschen gefragt und geachtet war. Wann immer sich die Kirche ihrer Wurzeln im jüdischen Glauben schämte oder gar leugnete, was sie mit Israel teilt, stand die Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft insgesamt auf dem Spiel. Aus der Natur wissen wir: Das Leben wächst, wenn Zellen sich teilen. - Wenn wir uns auf die Wurzeln besinnen, aus denen wir kommen und die wir mit anderen teilen, wird auch unser Leben weiter und gewinnt an Tiefe.

Von Wolfhardt Knigge

Wolfhardt Knigge leitet das Missionarische Zentrum in Hanstedt I und ist Pastor der St. Georgs Kirche.

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