Zuckerkuchen aus neuem Backhaus

Das neue Backhaus fügt sich harmonisch in das historische Ensemble des Hösseringer Museumsdorfs ein – am Sonnabend wurde es endlich mit einem kleinen Fest eingeweiht.

Hösseringen - Von Jürgen Köhler-Götze. Eigentlich erwartet man in einem Museumsdorf historische Gebäude. Das kleine Haus, das am Sonnabend im Museumsdorf Hösseringen eingeweiht wurde, ist aber ein ganz neues Gebäude, das sich jedoch harmonisch in das Ensemble der alten Häuser einfügt. Kurz vor Saisonschluss wurde das lang ersehnte Backhaus in Betrieb genommen.

Das Museumsdorf hatte zwar bereits 1998 eine Backstube eingerichtet, in der Kinder zum Backen angeleitet werden sollten, aber der vorhandene Schornstein im historischen Gebäude nahm den Rauch nicht auf und damit war der Backraum für Kinder nicht zumutbar. Das Museumsdorf bietet regelmäßig Führungen und Projekte für Schüler an, die erfahrbar machen sollen, dass Nahrung ein von Menschen gemachtes Produkt ist. Schulklassen können auf dem Acker verfolgen, wie zum Beispiel Getreide gesät wird, wie es wächst und schließlich geerntet wird.

Im Museumsdorf selbst können Schüler dabei helfen, mit historischen Mühlen das Korn zu Mehl zu vermalen. Der letzte Schritt jedoch, das Backen von Brot aus eben diesem Mehl, konnte lange Jahre nicht ausprobiert werden. „Schüler bauen für Schüler“ war das Motto für einen zweiten Versuch, ein Backhaus für Schüler zu bauen. Das chronisch nicht eben üppig mit Geld ausgestattete Museum hat dazu mit den Berufsbildenden Schulen I in Uelzen kooperiert. Nachdem im Juni 2006 zunächst die Betonsohle für das Backhaus durch Mitarbeiter des Museums gefertigt worden war, begannen noch im selben Monat die Maurerarbeiten durch Schüler im Berufsvorbereitungsjahr der BBS I.

Die Schüler waren mit Begeisterung bei der Sache und wollten damals „ihr“ Backhaus noch am eigentlich freien Sonnabend weiterbauen. Sicherlich hat dabei eine Rolle gespielt, dass der Bau eben nicht – wie an der Schule üblich – am Ende des Schuljahres wieder abgerissen wurde, sondern stehen bleiben durfte: Kein Trockenschwimmen also für die Schüler, sondern sinnvolle Arbeit an etwas Bleibendem.

Die Zimmerarbeiten wurden ebenfalls durch Schüler der BBS I ausgeführt, so dass am 4. Dezember 2006 das Richtfest gefeiert werden konnte. Im Folgejahr übernahm ein neuer Schülerjahrgang den Innenausbau und Schüler der Tischlerei bauten die aufwändige Tür. Fliesenarbeiten und Malerarbeiten folgten, bevor nach langer Pause endlich auch der Schornstein gemauert und der Holzbackofen angeschlossen werden konnte.

Auch das Baumaterial wurde von einer ganzen Reihe Firmen dem Museumsdorf Hösseringen gespendet, Bauzeichnung und Statik wurden ehrenamtlich geleistet und die Volksbank übernahm die Baunebenkosten und die Ausstattung des Backhauses.

Am Sonnabend lud das Museum dann die am Bau beteiligten Schüler und Fachlehrer zur Einweihung des Backhauses mit frisch gebackenem Zuckerkuchen und Steinofenbrot. Vater, Sohn und Enkel Warnecke von der Stadenser Bäckerei buken im Schweiße ihres Angesichts und werden zukünftig auch regelmäßig Schülern zeigen, wie am Ende eines langen Prozesses, der auf dem Acker beginnt, ein Grundnahrungsmittel entsteht, das eben nicht aus der Fabrik kommt.

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