Studieren in Corona-Zeiten: An der Suderburger Ostfalia läuft fast alles online

Die Wohnung wird zum Mini-Hörsaal für Suderburger Studentin

Rebecca Grunwald
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Rebecca Grunwald studiert Soziale Arbeit an der Suderburger Ostfalia-Hochschule. Coronabedingt finden die Veranstaltungen online statt. Statt im Hörsaal sitzt die Studentin an ihrem Laptop in der eigenen Wohnung.
  • Bernd Schossadowski
    vonBernd Schossadowski
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Suderburg/Tätendorf-Eppensen – Der Einzige, der sich über die Corona-Beschränkungen so richtig freut, ist Strolchi. Der zwölf Jahre alte grau getigerte Kater genießt es, dass er nun mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommt.

Denn sein Frauchen Rebecca Grunwald, die im zweiten Semester Soziale Arbeit an der Suderburger Ostfalia studiert, verbringt jetzt deutlich mehr Zeit zu Hause. Die Hochschule hat nämlich fast alle Präsenzveranstaltungen abgesagt, das Studium läuft seitdem weitgehend online über den heimischen Laptop. Für die 32-Jährige aus Tätendorf-Eppensen ist das eine völlig neue Erfahrung.

„Richtiges Studien-Feeling ist das nicht. Man sieht niemanden und hat überhaupt keinen Kontakt mehr zu den anderen Studenten“, sagt Rebecca Grunwald im AZ-Gespräch. Schmunzelnd fügt sie hinzu: „Den Einzigen, den ich höre, ist Strolchi.“ Denn ihr vierbeiniger Liebling läuft gerne maunzend durch die Wohnung.

Anfangs war die Umstellung auf den Onlinebetrieb für Rebecca Grunwald ungewohnt. Statt im Hörsaal sitzt sie nun mit Headset an ihrem Schreibtisch und blickt auf den Bildschirm ihres Laptops, auf dem ein Dozent etwas erklärt. Sieben bis neun Vorlesungen hat die Studentin pro Woche. Über ein Online-Portal loggt sie sich bei der Ostfalia ein und hofft, dass ihre Internetverbindung hält – was aber nicht immer klappt.

Eine besondere Herausforderung sei es, selbst ein Online-Referat zu halten. „Das fand ich am Anfang ganz komisch. Man sieht sein Gesicht auf dem Bildschirm, hört und sieht aber niemanden. Und man merkt nicht, ob das Erzählte bei den Zuhörern überhaupt ankommt“, berichtet die Studentin.

Und noch etwas fehlt ihr sehr: Sich nach einer Vorlesung mit Kommilitonen treffen, etwas trinken und klönen – all das ist derzeit nicht möglich. „Die Tage, an denen ich persönlich in der Ostfalia war, kann ich an einer Hand abzählen“, bedauert Rebecca Grunwald. Der Austausch mit anderen Studenten beschränke sich vor allem auf ihre Whatsapp-Gruppe.

Ein Lob zollt die 32-Jährige dem Projekt „Books to go“ der Ostfalia. Weil deren Bibliothek coronabedingt geschlossen ist, können die Studenten Bücher per E-Mail bestellen und einen Abholtermin in der Hochschule vereinbaren. Die Bibliotheksmitarbeiter händigen die Literatur dann vor Ort aus. Die Rückgabe erfolgt über spezielle Bücherboxen außen am Hochschulgebäude.

„Alle versuchen, das Beste aus der schwierigen Situation zu machen“, sagt Rebecca Grunwald. So laden die Dozenten zum Beispiel Videos und Präsentationen im Online-Portal hoch. Außerdem bieten sie den Studenten persönliche Sprechstunden an. „Man kann ihnen bei Fragen eine E-Mail schicken oder sie anrufen. Sie bemühen sich wirklich“, freut sich Rebecca Grunwald. Und nicht zuletzt geben die Online-Vorlesungen Einblicke ins private Leben der Dozenten, die per Kamera in ihrem heimischen Umfeld zu sehen sind. „Ab und zu hört man ein Kind im Hintergrund reden, man hört ein Maunzen oder sieht einen Katzen-Kratzbaum“, verrät die Studentin und lacht. „Das zeigt, diese Person hat nicht bloß viele akademische Titel, sondern führt ein ganz normales Leben.“

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