Streit um Wölfe: Bahnser erwägt Aus für Weidetierhaltung – und kehrt Neuland-Verein den Rücken

Wirft Rinderzüchter das Handtuch?

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Rinderhalter Reinhard Dehrmann aus Bahnsen ist frustriert: Seine Bedenken gegenüber dem Wolf haben bei einem Workshop des Vereins Neuland kein Gehör gefunden. Deshalb will Dehrmann aus dem Verein austreten. Er erwägt zudem, die Weidetierhaltung aufzugeben.

Bahnsen. Reinhard Dehrmann ist ein Mann klarer Worte. Und so druckst der Bahnser Landwirt auch nicht lange herum, wenn er über seine Zukunft spricht.

„Wenn in meinen Herden auch nur ein einziger Wolfsriss passiert, werde ich die Weidetierhaltung einstellen“, sagt der 47-Jährige. Unabhängig davon steht für ihn fest: „Der Neuland-Verein ist für mich Geschichte. “.

An Dehrmanns Stalltür hängt ein Schild mit dem Logo des Vereins Neuland – doch wie lange noch?

Damit reagiert Dehrmann auf den für ihn frustrierenden Ausgang eines Workshops, den Neuland kürzlich zum Thema „Wölfe und Weidetierhaltung“ in Echem veranstaltet hat. Wie berichtet, hält der Bahnser 120 Rinder und vermarktet ihr Fleisch seit etwa zehn Jahren über den Verein Neuland, der sich für besonders tiergerechte Haltung einsetzt. Doch weil Dehrmann seine Rinder im Herbst 2017 aus Angst vor dem Wolf vorzeitig in seinen Stall geholt hat, wurde er von Neuland mit einer Vermarktungssperre belegt. Er hatte die Vorgabe, dass die Tiere mindestens 100 Tage im Jahr auf der Weide stehen müssen, nicht erfüllt.

Seine Hoffnung hatte Dehrmann daraufhin auf den Workshop gesetzt, an dem neben Neuland-Landwirten auch Vertreter des Tierschutzbundes, des Veterinäramtes Lüchow-Dannenberg und des niedersächsischen Wolfsbüros teilnahmen. Doch Dehrmann wurde bitter enttäuscht. „Das war eine Farce“, fasst er das Ergebnis des Treffens zusammen. „Fakt ist, der Wolf ist nach Ansicht der Experten unantastbar.“ Seine Forderung, bestimmte Wölfe abzuschießen, um das Risiko von Rissen in Rinder- und Schafherden zu verringern, fand kein Gehör, bedauert Dehrmann.

Daraus zieht er nun Konsequenzen. „Die Ochsenhaltung ist für mich vorbei“, kündigt er an. Die restlichen Ochsen, die er dann noch haben werde, sollen dauerhaft im Stall bleiben. Seine Mutterkühe mit Kälbern will er nur noch eingeschränkt auf die Weide lassen – und in Verhorn bei Linden, wo es mehrere Wolfssichtungen gab, gar nicht mehr. Außerdem werde er aus dem Neuland-Verein austreten. „Aber die werden mich sowieso nicht mehr haben wollen“, meint er, denn die fehlende Freilandhaltung sei für den Verein ein K.o.-Kriterium.

„Wenn man den Wolf haben will, muss man den Weidetierhaltern entgegenkommen“, fordert der Bahnser. Dazu gehöre, dass das Land sämtliche Kosten für den Bau und die Unterhaltung wolfssicherer Zäune übernimmt. Tatsächlich bekämen die Rinder- und Schafhalter aber nur 80 Prozent der Materialkosten für die Zäune erstattet.

Dass er durch die konventionelle Vermarktung seiner Rinder weniger Einnahmen als über Neuland hat, nimmt Dehrmann in Kauf. „Für mich fallen dann aber auch der Vereinsbeitrag und die Kontrollgebühren weg. Und die sind nicht unerheblich“, sagt er.

Jochen Dettmer, Vorstandssprecher von Neuland, will sich nicht zu dem Workshop äußern. Es habe sich „um ein internes Neuland-Treffen“ gehandelt. „Da die Diskussion noch nicht abgeschlossen ist, kann ich Ihnen keine neuen Erkenntnisse mitteilen“, erklärt Dettmer auf AZ-Anfrage.

Von Bernd Schossadowski

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