Das Ende einer Veranstaltungsstätte: Ehepaar Borchers schließt sein Landhaus in Bohlsen nach 15 Jahren

„Wir hatten nur nette Künstler“

+
Dieter und Jutta Borchers schließen bald ihr Landhaus in Bohlsen. Als letzte Künstler treten dort Sky du Mont am 27. Oktober und Hubertus Meyer-Burckhardt am 22. November auf.

Bohlsen. Als Jutta Borchers aus dem Fenster schaute, blickte sie dem Tod ins Auge. In der Dunkelheit wartete eine Gestalt und wollte ins Haus hinein. „Da draußen steht jemand. Ich glaube, es ist der Tod. Geh‘ du mal hin“, sagte Jutta Borchers zu ihrem Mann Dieter.

Über dieses Erlebnis müssen die beiden Besitzer des Landhauses Borchers in Bohlsen noch immer schmunzeln. Denn natürlich war es nicht Gevatter Tod persönlich, der Einlass begehrte. Es handelte sich um den Berliner Comedian „Der Tod“, der am Abend im Landhaus einen Auftritt als Sensenmann hatte.

„Jetzt ist Sense“ – dieses Motto gilt auch für Jutta und Dieter Borchers. Denn die beiden werden ihr Landhaus, das sie vor 15 Jahren erwarben und zu einer Stätte für Kulturveranstaltungen umwandelten, in wenigen Wochen schließen. Es gibt nur noch zwei Events, die Auftritte von Sky du Mont am 27. Oktober und von Hubertus Meyer-Burckhardt am 22. November.

Wehmütig sei sie darüber aber nicht, sagt Jutta Borchers. „Dafür haben wir zu viel Fantasie.“ Für sie und ihren Mann, beide 67 Jahre alt, beginne jetzt ein neuer Lebensabschnitt mit spannenden Projekten. Welche das sein werden, kann Dieter Borchers noch nicht sagen. „Wir sind offen für die Entwicklung, Pläne haben wir viele.“

Die beiden suchen nun Käufer für ihr Landhaus. Sie würden sich freuen, wenn es dort weiterhin Kulturveranstaltungen gäbe. „Wir möchten unser Know-how und die vielen Kontakte zu den Künstlern gerne an unsere Nachfolger weiterreichen“, sagt Dieter Borchers. Gerne erinnern seine Frau und er sich an die vielen, stets ausverkauften Auftritte von Schauspielern, Musikern und Autoren im Landhaus. Hardy Krüger stand schon häufig auf der Bühne in Bohlsen. Auch Hellmuth Karasek, Sky du Mont, Guido Cantz, Peer Augustinski, Ingrid Steeger, Hubertus Meyer-Burckhardt und Heinz Rudolf Kunze haben schon Gastspiele im Landhaus gegeben und dort auch übernachtet. Dadurch bekamen die Borchers einen engen persönlichen Kontakt zu ihnen.

„Guido Cantz ist genauso lustig und unbeschwert, wie man ihn aus der TV-Sendung ,Verstehen Sie Spaß?‘ kennt“, erzählt Dieter Borchers. Cantz sei auf die Bühne gekommen und habe einleitend zum Publikum gesagt: „Ich wollte immer schon mal nach Bohlsen.“ Völlig unkompliziert sei auch Ingrid Steeger, die die Borchers seit rund 30 Jahren kennen. Sie überließ das Honorar für ihren Auftritt mit Peer Augustinski in Bohlsen ganz dem Ehepaar Borchers.

„Wir hatten nur nette Künstler, die uns gut gefallen“, sagt Jutta Borchers. Aber auch die Promis fühlen sich in Bohlsen sehr wohl. Das liege am Ambiente des rund 150 Jahre alten Hauses, glaubt Dieter Borchers. Als seine Frau und er das ehemalige Gasthaus 2003 erwarben, wollten sie es vor dem Verfall retten und dort eine Pension eröffnen. „Das Haus hatte mehr als zwei Jahre leergestanden und war in einem desolaten Zustand. Man konnte vom Flur den Himmel sehen“, erinnert sich Dieter Borchers. Es hatte ins Gebäude geregnet, der Keller stand unter Wasser. Doch nach umfangreicher Renovierung wurde aus der einstigen Ruine ein Schmuckstück.

Der Traum von der eigenen Pension hat sich für die Borchers aufgrund zu geringer Nachfrage dann doch nicht erfüllt. Stattdessen richteten die beiden zahllose Familienfeiern aus, die sie gastronomisch begleiteten. Im Nachhinein war die Konzentration auf Feiern und Kultur-Events für die Borchers eine goldrichtige Entscheidung. Denn sonst hätten sie den Tod wohl niemals persönlich kennengelernt.

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare