Ein Schäfer nahe der Verzweiflung

Wiederholte Wolfsrisse setzen dem Suderburger Karl-Heinz Jahnke extrem zu

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Aktuell weiden die Schafe von Karl-Heinz Jahnke auf einem Feld bei Klein Süstedt. Die wiederholten Wolfsangriffe auf seine Herde machen dem Suderburger finanziell, aber auch körperlich und psychisch zu schaffen.

Suderburg – Manchmal könnte Karl-Heinz Jahnke einfach nur verzweifeln. „Ich komme nicht mehr zur Ruhe“, sagt der Schäfer aus Suderburg, und die Müdigkeit in seinen Augen ist unübersehbar.

Die Angst, dass seine Schafe ein weiteres Mal von Wölfen angegriffen werden, sitzt ihm stets im Nacken. Mehrfach wurden in den vergangenen Wochen Tiere seiner Herde gerissen (AZ berichtete). Die Bilanz: 32 Schafe sind tot, drei schwer verletzt, sechs bis acht lahmen seitdem.

Die wiederholten Wolfsattacken setzen Jahnke auch psychisch zu. „Ich kann nicht mehr richtig schlafen. Ich bin erst beruhigt, wenn ich morgens meine Herde kontrolliert habe und sehe: Es ist alles gut gegangen“, erzählt der 56-Jährige. Aktuell weiden rund 350 seiner Tiere auf einem Feld bei Klein Süstedt.

Immer öfter musste Jahnke feststellen, dass nachts Schafe gerissen wurden. Die Bilder der Kadaver gehen ihm nicht mehr aus dem Kopf. „Das ist echt gruselig“, sagt er. Beim Anblick der toten Tiere habe er Tränen in den Augen gehabt. Und auch die Herde seines Bruders Gerd Jahnke von der Eimker Glockenbergsschäferei ist wiederholt von Wölfen heimgesucht worden.

Für Karl-Heinz Jahnke haben die Verluste an Tieren gravierende finanzielle Folgen. „Ich bewege mich am Rande der Existenz“, sagt er. Hinzu kommt die körperliche Belastung. Zusammen mit einem Freund schiebt er regelmäßig Nachtwachen. „Neulich bin ich um 1.30 Uhr morgens hingefahren und habe stundenlang auf die Tiere aufgepasst“, schildert er. Wenn er vor Ort ist, passiert seiner Herde nichts. Denn dann wittern ihn die Wölfe und halten Abstand. Doch Jahnke kann nicht ständig bei seinen Schafen sein – die nächtlichen Einsätze gehen ihm an die Substanz. „Meine Kapazitäten sind vollkommen erschöpft“, erklärt er.

Neulich waren Mitarbeiter vom Wolfsbüro des Landes bei ihm und haben das Elektronetz, mit dem seine Herde gesichert ist, um 20 Zentimeter auf 1,20 Meter erhöht, um es angeblich wolfssicher zu machen. „Der Wolf schafft es aber, auch über viel höhere Hindernisse zu springen“, sagt Jahnke. Beliebig erhöht werden könnten die Netze nicht, denn sie seien sehr schwer, verhakten sich beim Umzug der Herde oft im Feld, und es dauere Stunden, bis sie neu aufgebaut seien.

Ein weiteres Problem: Es sei kaum möglich, einen Nutztierarzt zu finden, der seine verletzten Schafe behandelt. Vor einigen Wochen habe er dazu mehrere Praxen im Kreis Uelzen angerufen, aber niemanden erreicht, der ihm spontan helfen konnte.

Für Jahnke steht fest: „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem gehandelt werden muss.“ Das Land müsse die Schäfer viel mehr unterstützen. Jahnke fordert aber keineswegs, jeden Wolf zu erschießen. „Ich will ihn doch nicht ausrotten“, betont er. „Es müssen nur die Problemwölfe entnommen werden – diejenigen, die sich darauf spezialisiert haben, über Zäune oder Netze zu springen.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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