Wenn’s allein die Milch noch macht

Zu Gast im Kuhstall: Göttinger Studenten recherchierten für Museumsprojekt im Landkreis Uelzen. Foto: Kohnke

Hösseringen. „Morgens und abends wird die Stallarbeit erledigt: Kontrolle, Fütterung und die tägliche Reinigung. Dazwischen ist je nach Jahreszeit Feld- und Hofarbeit angesagt, Klauenpflege, Nachsehen bei den Kälbern, Lohnarbeit, Büroarbeit…“ Elke Heuer muss nachdenken, welche Arbeiten es sind, die den Tag zwischen 6.30 und so etwa 18.30 Uhr ausfüllen.

„Dann muss kontrolliert werden, ob alle Kühe beim Melken waren. Diejenigen, die nicht von selbst am Melkautomat waren, werden vorgetrieben. Aber die meisten können das sehr gut allein.“

Seit 1999 arbeiten Elke und Hinrich Heuer mit zwei Melk-robotern, damals waren sie der zweite Betrieb hier in der Region. „Wir haben das in Holland gesehen, die Roboter waren zu dieser Zeit noch sehr selten“, erzählen sie. Im vorigen Jahr kam der neue Stall dazu, drei Melkroboter sind nun dort installiert. „Das war schon eine Grundsatzentscheidung“, fassen sie zusammen.

Familie Heuer betreibt einen der wenigen landwirtschaftlichen Betriebe in der Region, die noch von Milchwirtschaft leben. Grund genug für Studenten der Universität Göttingen, die derzeit in Zusammenarbeit mit dem Museumsdorf Hösseringen an dem Projekt „Nur mit Milch? Milchgeschichten und Milchtechnikgeschichte in der Lüneburger Heide“ arbeiten, für einen Besuch bei den Heuers.

Viele Fragen hatten Laura Homberg und Nathalie Knöhr mitgebracht – über die Arbeit früher und heute, über die Entwicklung des Hofes, über Vermarktung und Arbeitszeiten. Die Beiden gehören zu einer Gruppe von sechs Studenten und ihren Dozentinnen Dr. Dorothee Hemme und Karin Bürkert, die im Rahmen ihres Masterstudienganges am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie eine Ausstellung rund um Milcherzeugung und Technisierung des Molkereiwesens vorbereiten. Die Ausstellung soll im kommenden Jahr im Hösseringer Museumsdorf gezeigt werden.

„Wir freuen uns, dass diese Zusammenarbeit zustande kam“, so Museumsleiter Horst Löbert. „Das Thema Milchwirtschaft hat uns seit Jahren interessiert. Und es ist von großer Bedeutung in unserer Region.“ Das Museum selbst hatte dafür bislang jedoch keine Kapazitäten frei.

Und so schwärmten kürzlich sechs junge Leute durch die Kuhställe der Region und stellten den Milchbauern allerhand neugierige Fragen. So wie Laura Homberg und Nathalie Knöhr, die bei den Heuers die Holsteinischen Schwarzbunten besuchten und dabei unter anderem erfuhren, dass der Spruch von der „blöden Kuh“ jeglicher Grundlage entbehrt.

Die Tiere sind sehr neugierig und gelehrsam. An die neuen Melkautomaten haben sie sich in wenigen Tagen gewöhnt. Und für die Milchbauern ist die Arbeit leichter geworden. „Wir waren früher etwa eineinhalb Stunden zum Melken von 80 Kühen im Melkstand. Von den Kühen haben wir allerdings nur die Euter gesehen“, erzählt Elke Heuer. Insofern habe sich auch das Verhältnis zu den Tieren verändert. „Wir gehen durch die Herde, schauen, welches Tier noch nicht beim Melken war und ob es allen gut geht. Und wir können auch mal ausschlafen, wenn wir Lust haben.“ Den Melkrhythmus bestimmen die Tiere selbst.

Neben Elke und Hinrich Heuer arbeiten Sohn Karsten und ein Auszubildender auf dem Hof. Mit dem Bau des neuen Stalles konnte die Zahl der Tiere von 130 auf 180 Milchkühe erhöht werden, etwa 250 sollen es insgesamt werden. Verarbeitet wird die Milch hier in der Region, bei der Uelzena. „Der Direktverkauf ist zu vernachlässigen“, erzählt Elke Heuer.

Heuers selbst allerdings genießen ihre Milch täglich, und zwar reichlich. „So zwei, drei Liter verbrauchen wir pro Tag.“

Von Christine Kohnke

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