Züchter Gerd Jahnke aus Eimke hält tierische Ammen zur Aufzucht von Schaflämmern

Tierische Ammen: Wenn die Ziege zur Ersatzmutter wird

Im Stall von Schäfer Gerd Jahnke bei Eimke versorgt diese Ammenziege derzeit ein drei Wochen altes Schaflamm mit ihrer Milch.
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Im Stall von Schäfer Gerd Jahnke bei Eimke versorgt diese Ammenziege derzeit ein drei Wochen altes Schaflamm mit ihrer Milch. Das Kleine wächst prächtig heran.
  • Bernd Schossadowski
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Eimke – Weißes Fell, lange Hörner, treu dreinblickende Augen: Die Ziege im Stall von Schäfer Gerd Jahnke aus Eimke ist ein Prachtexemplar. Und gelehrig ist sie noch dazu. „Ziege steh!“, ruft Jahnke.

Sofort verharrt das Tier und lässt seelenruhig ein drei Wochen altes Lamm von seiner Milch trinken. Was eigentlich der normalste Vorgang der Welt ist, hat in Jahnkes Stall eine besondere Bedeutung. Denn es handelt sich um eine Ammenziege, die ein junges Schaf großzieht.

1984 hat Jahnke mit der Schafzucht begonnen, seitdem setzt er auf Ammenziegen. Sie springen ein, wenn das Mutterschaf an einer Krankheit stirbt, sein Lamm nach der Geburt nicht annimmt oder Drillinge zur Welt bringt, die Milch aber nur für zwei Lämmer reicht. Genau so ist es im Fall des grau-schwarzen Schaflamms, das derzeit in Jahnkes Stall mit Ziegenmilch aufwächst. Als kleinstes Tier eines Drillingswurfs hätte es sonst nicht überleben können.

„Schaflämmer kommen mit Ammenziegen wunderbar zurecht“, erzählt Jahnke. Zwar hat Schafsmilch einen höheren Fettgehalt, das wird aber dadurch ausgeglichen, dass Ziegen mehr Milch als Schafe geben. Anfangs beschnuppern sich die Amme und das Schaflamm meist noch ein wenig. Doch schon nach wenigen Tagen wird das Lamm wie der eigene Nachwuchs angenommen.

Gerd Jahnke hält auch zahlreiche Mutterschafe. Diese werden demnächst lammen.

Und die Mutterinstinkte der Ziege sind ausgeprägt. Als Jahnke ihr das Lamm für einen Augenblick wegnimmt, steigt sie empört mit den Vorderhufen aufs Gatter und beginnt lautstark zu meckern. Nicht nur wegen dieses Beschützerinstinkts hat die Stiftung „Bündnis Mensch und Tier“ die Ziege zum Haustier des Jahres 2021 gewählt.

Rund 40 Mutterziegen hält Jahnke in seinem Stall bei Eimke. Noch einmal die gleiche Zahl steht in seiner Schnuckenherde, die zurzeit auf landwirtschaftlichen Flächen in der Umgebung weidet. Nach Angaben des Landkreises ist Jahnke damit zahlenmäßig der größte Ziegenhalter in der Region Uelzen.

Diese Ziegen, die gerade ihre eigenen Lämmer großziehen, werden bald zu Ammenziegen für Schaflämmer.

Ihren eigenen Nachwuchs hat die Ammenziege schon seit einigen Wochen von der Milch abgesetzt. Jetzt zieht sie eben das Schaflamm auf. „Wenn es sechs Wochen alt ist, kann es von Kraftfutter und Heu leben“, sagt der Eimker. Unterdessen stehen einige weitere Ziegen als Ammen bereit, wenn Jahnkes Schafe im Februar lammen werden. Um sie erkennen zu können, ist ihre Wolle blau markiert.

Auch 150 Mutterschafe leben aktuell in Jahnkes Stall. Hinzu kommen ungezählte Lämmer, die im vorigen Jahr geboren wurden. Sie werden getrennt von den Ziegen gehalten – zu unterschiedlich ist nämlich ihr Temperament. „Ziegen sind wesentlich eigenwilliger, auch untereinander“, weiß Jahnke. „Draußen auf der Weide können sie zusammen mit den Schafen laufen, aber im Stall sollte man sie trennen.“

Einige von Jahnkes Tieren sind handzahm, weil sie mit der Flasche aufgezogen wurden oder mit der Zeit ihre Scheu vor Menschen verloren haben. Zum Beispiel „Mäuschen“, ein weißes, sehr anhängliches Schaf. Auf Kommandos hört das niedliche Wollknäuel, anders als die Ammenziege, nicht. Stattdessen holt sich „Mäuschen“ von Jahnke gerne ein paar Streicheleinheiten ab.

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