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Wenn der Roboter das Feld beackert – die Zukunftstests im Kreis Uelzen

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Von: Lars Lohmann

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Agrarroboter auf einem Feld bei Suderburg
20 Hektar kann der Farmdroid 20 in 24 Stunden bewirtschaften, erklärt Sebastian Heinrichmann. Bei Suderburg kümmert der Roboter sich auf der Agravis Future Farm um einen Rübenschlag. © Lohmann, Lars

In dem Gebäude der alten Wiesenbauschule in Suderburg und auf den Äckern des Landwirts Lutz Beplate-Haarstrich testet das Unternehmen Agravis Raiffeisen AG auf seiner Future Farm die Landwirtschaft der Zukunft.

Ein Roboter kümmert sich in einem Feldversuch von der Aussaat bis zur Unkrautbekämpfung um einen Zuckerrübenacker. Neue Methoden, um den Einsatz von Pestiziden, Fungiziden und Herbiziden zu verringern, werden erprobt. Und Satellitenbilder unterstützen den Landwirt dabei, seinem Acker dort Dünger und Wasser zuzuführen, wo er überhaupt gebraucht wird.

„Wir müssen nach vorne denken und schauen, was in der Landwirtschaft Sinn macht und was nicht“, sagt Hinrich Brase, Projektmanager der Future Farm. Dazu werden Geräte unterschiedlicher Hersteller auf den Ackerflächen getestet. Die Erfahrungen mit den Geräten sollen dann in Workshops an die Landwirte weitergegeben werden. Denn es gebe durchaus noch Scheu vor der neuen Technik, was auch an den Kinderkrankheiten der ersten Smartfarming-Produkte vor einigen Jahren liege.

So wird zurzeit der Feldroboter Farmdroid 20 eines dänischen Herstellers auf einem Acker bei Beplate-Haarstrichs getestet. Von der Aussaat der Zuckerrüben bis zur Unkrautbekämpfung mit der Hacke übernimmt der Roboter alles. „Man gibt dem Gerät lediglich das Raster, in dem es sich bewegen soll und die Saatabstände vor. Den Rest arbeitet der Roboter automatisch ab“, erklärt Sebastian Heinrichmann. Der Farmroboter merkt sich mithilfe von hinterlegten GPS-Koordinaten und Mobilfunk die Position der ausgesäten Zuckerrüben und bekämpft dazwischen das Unkraut. 20 Hektar kann der solarbetriebene Roboter in 24 Stunden bearbeiten, der sich mit 550 bis 750 Metern in der Stunde über den Acker bewegt„Wenn es ein sonniger Tag ist und die Batterien laden, ist das möglich“, sagt Heinrichmann. Störungen kriegt der Landwirt per E-Mail aufs Smartphone gesendet, zum Beispiel, wenn einer der Striegel kaputt gegangen ist.

Auch andere Innovationen werden auf den Ackerflächen getestet, so auch Spritztechnik, die den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf Flächen um bis zu 90 Prozent reduzieren kann und gezieltes Düngen erlaubt. Die sechs Meter breite Spritze ist komplett umhaust und arbeitet mit 156 Düsen, die einzeln computergesteuert sind. Mithilfe von LED-Licht erkennen die sechs eingebauten Rechner durch einen Algorithmus, ob es sich um Unkraut oder die Feldfrucht handelt und schaltet je nachdem die Düse frei. „Ich verbrauche weniger Pflanzenschutzmittel, und dadurch ist die Belastung der Pflanzen geringer“, sagt Heinrichmann. Bisher sei das Gerät aufgrund der geringen Größe aber meist nur bei Nischenprodukten wie Zwiebeln oder Salat im Einsatz. Für jede der Pflanzen gibt es einen eigenen Algorithmus.

Von etwas weiter oben kommen Teile der Daten für das sogenannte Netfarming. So wird mit Satellitendaten zum Beispiel die Verteilung der Biomasse auf Äckern analysiert und in einzelne Bereiche unterteilt. Daraus lassen sich laut Thomas Steinmann, Leiter Digitalvertrieb der Agravis, nach mehreren Jahren Rückschlüsse auf die Bodenqualität innerhalb eines Ackers ziehen. „Man sieht, wo wächst es gut und wo schlecht und kann so präzise nachsteuern“, sagt er. So kann etwa schon das Saatgut effizienter auf dem Acker verteilt werden, indem dort, wo guter Boden ist, etwas mehr ausgesät wird als da, wo er schlechter ist.

Die Future Farm will zudem aktiv den Austausch mit den anderen Akteuren suchen, sagt Brase. So arbeitet Agravis zusammen mit der Ostfalia an einem 5G-Beregnungsprojekt. „Das Fachwissen hier vor Ort ist ein großer Vorteil für uns“, erklärt Brase.

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