Lesung in Bohlen: Der alltägliche Wahnsinn

Jan Weiler berichtet Neues aus seinem Leben mit pubertierenden Teenagern

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Mit Aussagen wie „Mein Sohn käst“ konnte sich Jan Weiler sicher sein, dass im Publikum kein Auge trocken blieb. Schon zum zweiten Mal berichtete der Schriftsteller in Bohlsen von seinen Erfahrungen im „Reich der Pubertiere“.

Bohlsen. Es gibt Schriftsteller, die sind immer auf der Suche nach irgendetwas: Liebe, dem Sinn des Lebens oder einfach einem Mörder.

„Ich hingegen bin auf der Suche nach der Fernbedienung auf unserer Couch“, erklärt Jan Weiler die Entstehung seiner Kolumnen in der Welt am Sonntag, die seit zehn Jahren die Leser begeistern und aus denen mittlerweile zwei Bücher entstanden sind. In seiner Freizeit ist der Autor laut eigener Aussage Nebenerwerbswissenschaftler. Sein Forschungsobjekt: Pubertiere. Bereits vor zwei Jahren – kurz nach seinem ersten Besuch in Bohlsen – hatte Inhaber Dieter Borchers die Vorstellung mit Jan Weiler vereinbart. Am Donnerstagabend war der Schriftsteller und freischaffende Journalist zurück, um aus seinem neuen Buch „Im Reich der Pubertiere“ vorzulesen.

Jeder Erwachsene ist mit dieser Gattung heranwachsender Teenager vertraut. Das Fahrtraining wird zur Nervenzerreißprobe, wenn der Vater mit seiner 17-jährigen Tochter („Sie war mal so ein nettes Mädchen“) auf dem Verkehrsübungsplatz trainiert. „Ich habe Carla erklärt, dass der Führerschein nichts ist, das sie ehrenhalber verliehen bekommt, wenn sie nur jahrelang in die Fahrschule geht“, berichtet Weiler, der privat wirklich zwei Pubertiere zu Hause hat. Er beklagt, dass sich weibliche Exemplare nur für drei Dinge interessieren würden: Schimpfen, feiern und schlafen.

Seit sich Sohn Nick, 14, ebenfalls zum Pubertier verwandelt hat, sei es mit der Ruhe zu Hause endgültig vorbei. Seine Lieblingsbeschäftigungen seien schweigen, zocken und stinken. Das Zimmer seines Sprösslings, den er liebevoll „Butterbirne“ nennt, kann der Vater nur noch mit Atemschutzmaske betreten. „Mein Sohn käst“, erzählt Weiler fast verzweifelt, was herzhaftes Gelächter der rund 200 Zuhörer zur Folge hat.

Das Oberhaupt fühlt sich „von der Familie gemobbt“ und holt zum Gegenschlag aus. Eine Gesangseinlage des Vaters morgens um 7 Uhr am Bett seines Sohnes, bei der er lauthals „An Angel“ von der Kelly Family zum Besten gibt, hat zur Folge, dass dieser urplötzlich krank wird und sich nicht in der Lage fühlt, in die Schule zu gehen. „Aber dann, pünktlich um 11.30 Uhr zum Ende der vierten Schulstunde, setzt die komplette Wunderheilung ein“, berichtet Weiler. „Dann stürzt sich das Pubertier auf Fifa und Schokopudding.“

Nach zwei Stunden Anekdoten aus dem Reich der Pubertiere war kein Auge trocken geblieben. Das Publikum im restlos ausverkauften Borchers dankte es dem authentischen Autor mit tosendem Applaus. In der Pause und nach der Vorstellung konnten sich die Fans ihre Bücher signieren lassen, die sie mitgebracht oder gerade gekauft hatten. Augenzwinkernd verabschiedete sich Weiler: „Wenn Ihnen der Abend gefallen hat, sagen Sie es weiter. Wenn nicht, behalten Sie es für sich.“

Von Sandra Hackenberg

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