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Volker Krause, Chef der Bohlsener Mühle, feiert 70. Geburtstag und zieht Bilanz seiner Arbeit

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Von: Bernd Schossadowski

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Volker Krause, Inhaber der Bohlsener Mühle
In dieser Woche feierte der geschäftsführende Gesellschafter der Bohlsener Mühle seinen 70. Geburtstag. © Thorsten Scherz

Bis vor einigen Jahren waren Bio-Produkte nur bei wenigen Leuten gefragt. Volker Krause jedoch hat immer an diese Art von Produktion geglaubt und die Bohlsener Mühle zum Erfolg gebracht.

Bohlsen – Als er vor 43 Jahren in den elterlichen Mühlenbetrieb in Bohlsen einstieg, galt er als Exot, wurde mitunter belächelt und angefeindet, weil er ganz auf Bio-Produktion setzte. Doch im Laufe der Zeit hat sich Volker Krause zum Trendsetter und unternehmerischen Vorbild in der Branche entwickelt. In dieser Woche hat Krause, geschäftsführender Gesellschafter der Bohlsener Mühle, seinen 70. Geburtstag gefeiert. Zeit für ihn, Bilanz zu ziehen und einen Ausblick zu wagen.

„Es geht nur ökologisch“ – dieses Ziel verfolgt Krause schon seit 1979, als er nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre und Politik in Hamburg in seinen Geburtsort Bohlsen zurückkehrte. Er wollte den mehr schlecht als recht laufenden Mühlenbetrieb auf neue Beine stellen. „Ich bin nicht unbedingt naiv gewesen“, erzählt er im AZ-Gespräch und muss schmunzeln. „Es war eher ein Übermaß an Begeisterung und Vertrauen in mich selbst – jugendlicher Leichtsinn eben.“

Krause gelang es, die Mühle wirtschaftlich wieder in sicheres Fahrwasser zu bringen. Er arbeitete mit Biobauern zusammen, ließ Brot aus Hirse backen, richtete eine Bäckerei im Ortskern ein. „Die Bilanz für 1981 wies schon ein Plus aus, wir hatten die Kurve gekriegt“, berichtet Krause, der den Betrieb nach dem Tod seines Vaters 1984 übernahm.

Ein wichtiger Weggefährte war für ihn Helmut Vollmer, der 1982 als Bäcker bei der Bohlsener Mühle einstieg. Gemeinsam trotzten die beiden Bio-Pioniere vielen Vorurteilen. „Die Feindseligkeit der konventionellen Landwirte war damals aber deutlich geringer als die der Spießbürger“, erinnert sich Krause. Doch zum Schluss hätten viele Kritiker die Seiten gewechselt, weil sie erkannt hätten, wie erfolgreich sich die Bohlsener Mühle mit ihrer konsequenten Ausrichtung in Richtung Ökologie und Nachhaltigkeit entwickelt habe.

Meilensteine waren 2004 die Einweihung des neuen Firmenstandortes an der B 71 und die Inbetriebnahme eines fast 20 Millionen Euro teuren Gebäudes 2020. In diesem befindet sich unter anderem eine weitere Backstraße, die insgesamt dritte.

Jahresumsatz beträgt etwa 60 Millionen Euro

Auch der Gewinn des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2015 war eine wichtige Wegmarke. Derzeit zählt das Unternehmen 285 Mitarbeiter und hat einen Jahresumsatz von etwa 60 Millionen Euro.

Krause will aber nicht verschweigen, dass sich die aktuellen globalen Krisen auch auf die Bohlsener Mühle auswirken. So macht sich der dramatische Preisanstieg bei Sonnenblumenöl bemerkbar, weniger hingegen die Störung der weltweiten Lieferketten. „Roggen, Weizen, Dinkel, Gerste und Hafer beziehen wir zu hundert Prozent aus Deutschland. Der größte Teil wird in einem Radius von 200 Kilometern rund um Bohlsen angebaut“, schildert Krause. Trotz steigender Kosten für Energie, Dünger und Pflanzenschutzmittel sei man bislang gut durch die Krise gekommen. „Wir sind breit aufgestellt, haben viele verschiedene Produkte im Portfolio und nicht nur eine Vertriebsschiene“, erklärt der Firmenchef.

Auch für die Zukunft sieht er das Unternehmen gut gerüstet. So wurde Ende 2021 die Volker-Krause-Stiftung gegründet, deren Aufgabe es ist, die Bohlsener Mühle langfristig zu erhalten. Krause, der selbst keine Kinder hat, wird zunächst einen Teil seines Vermögens in die Familienstiftung einbringen, später den Rest übertragen. „Ich werde keine Anteile an die private Familie vererben“, betont er. Allerdings werde sich seine Nichte Jonna Meyer-Spasche in den Stiftungsvorstand einbringen, dem Krause auch angehören wird.

Die Geschäftsführung soll in den Händen von Mathias Kollmann bleiben. Er wird wichtige Entscheidungen gemeinsam mit dem Stiftungsvorstand treffen. Vermutlich in ein bis zwei Jahren will sich Krause dann aus dem Geschäft zurückziehen, kündigt er an. Sein Fazit nach mehr als 40 Jahren bei der Bohlsener Mühle: „Wir sind auf dem richtigen Weg und in der richtigen Branche.“

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