Mitglieder stellen sich gegen Landesvorstand

Verbot der Lagerung von Waffen in Kreishaushalten: Kreis-Grüne stehen hinter Jägern

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Jägerin mit geladenem, aber „gebrochenem“, also nicht schussbereitem Gewehr. Der Kreisverband der Grünen betont, dass die Jäger eine ökologische Aufgabe haben, bei der sie nicht unverhältnismäßig behindert werden dürften.

Suderburg/Bornsen. „Da haben wir uns an den Kopf gefasst!“ Mit diesen Worten reagiert Suderburgs grüner Bürgermeister Hans-Hermann Hoff auf einen Antrag des Grünen-Landesvorstands zur Verschärfung des Waffenrechts.

Der Vorschlag, die Lagerung von Waffen in Privathaushalten generell zu verbieten (AZ berichtete), löste nicht nur bei Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge, sondern auch bei den Parteimitgliedern vor Ort einen Aufschrei aus. Folge: Auf Hoffs Initiative bringt der Kreisverband Uelzen einen Änderungsantrag zur Landesdelegiertenkonferenz am 3. und 4. Dezember ein: Der Satz soll gestrichen werden.

„Da schreibt jemand einen Antrag und weiß nicht, wie es auf dem Land aussieht“, ärgert sich Hoff. „Es ist Unfug, wenn ein Jäger nicht an seine Waffen kommt. Soll der abends zum Landrat fahren, um ein Tier zu erlösen, das bei einem Unfall angefahren worden ist?“ Zudem hätten Jäger eine ökologische Funktion, nämlich den Wald vor dem Verbiss junger Bäumchen zu schützen. „Ich sehe in Suderburg die Waldschäden“, gibt Hoff zu bedenken. In der Jagdausbildung würden viele ökologische Aspekte vermittelt. Mancher Jäger fühle sich auch den Grünen als Partei nahe.

„Wir wissen, wo das hinführt. Die wollen die Jagd verbieten“, hatte Kreisjägermeister Hellbrügge aus Bornsen vermutetet. Das weisen die Kreis-Grünen zurück. „Kreis-Vorstandssprecher Markus Jordan stellt klar: „Das ist Unsinn, wir Grüne denken nicht daran, die Jagd zu verbieten“, so Jordan. „Im Gegenteil, wir stehen für eine zeitgemäße, ökologisch ausgerichtete und ethisch vertretbare Jagd.“ Die derzeitige Jagdausbildung gewährleiste dies.

20 Grünen-Mitglieder haben den Gegenantrag nach Hoffs Angaben unterzeichnet, darunter auch der Landtagsabgeordnete Heiner Scholing aus Hohnstorf. Auch die Kreisverbände Celle und Gifhorn unterstützten den Antrag. Durch das Verbot würde die regelmäßige Jagd unverhältnismäßig behindert, heißt es darin.

Der Landesvorstand hatte seinen Vorstoß mit Amokläufen wie in Winnenden begründet. Betroffen wären auch die Sportschützen. Die Kreisgrünen haben Bedenken, wenn große Mengen an Waffen in abgelegenen Schießsportanlagen gelagert werden: „Mit dem Einbruch in ein solches Waffenlager könnte sich auf einen Schlag eine massive Bedrohung entwickeln.“

Der Grünen-Landesvorstand hatte zudem eine elektronische Registrierung aller Schusswaffen in einem bundesweiten Waffenregister und ein Verbot großkalibriger Waffen im Schießsport verlangt.

Von Gerhard Sternitzke

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