„Ursachen liegen im System“

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„Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn...“? In Zeiten des Dioxin-Skandals wohl erst recht nicht.

Suderburg - Von Jürgen Köhler-Götze. Auf Einladung der Ostfalia Fachhochschule nahm der Landtagsabgeordnete der Grünen Christian Meyer an einer Diskussion mit Studenten zum Thema Gewässerschutz teil. Meyer ist agrarpolitischer Sprecher der niedersächsischen Landtagsfraktion und nutzte seinen Besuch im Landkreis auch dafür, sich die biologisch bewirtschafteten Bauck-Höfe und der Geflügelhaltung anzuschauen. Hintergrund natürlich der Dioxin-Skandal, von dem der Bauckhof nicht betroffen ist.

Derzeit rennen Medienvertreter und Kunden dem Bauckhof die Türen ein. „Wenn ich meine Hühner davon überzeugen könnte, vier Mal so viele Eier zu legen, dann könnte ich ein Jahr in Urlaub fahren“, scherzt Carsten Bauck. Die Negativ-Liste, die verzeichnet, was alles nicht ins Futter gehört, kommentiert er mit staubtrockenem Sarkasmus: „Aha, Bauschutt und Fäkalien gehören da also nicht rein. Gut, dass das noch mal jemand aufgeschrieben hat. Da weiß ich jetzt wenigstens, wie ich mich zu verhalten habe…“

Meyer fordert, dass Geflügelhaltung nur dann gestattet werden dürfe, wenn sichergestellt sei, dass mindestens 50 Prozent des Futters für das Geflügel von dem Betrieb erzeugt wird, der das Geflügel hält. „Wir müssen wieder zu einer bodengebundenen Nutztierhaltung kommen.“ Diese Vorschrift habe es gegeben, „aber das ist in der letzten Legislaturperiode aufgeweicht worden“.

Zurzeit müssen Landwirte nur noch eine Fläche nachweisen, auf der sie die Hälfte des Futters erzeugen könnten. „Ob sie dann stattdessen Mais anbauen, wird nicht kontrolliert.“ Bei der Hähnchenproduktion in Großställen ist die Eigenproduktion von Futter ohnehin die Ausnahme. „Die Hähnchenmäster sind gezwungen, die Küken und das Futter von den Firmen zu kaufen, für die sie die Hähnchen mästen.“ Das habe nichts mehr mit bäuerlicher Landwirtschaft zu tun und bringe auch nicht die immer wieder beschworenen Arbeitsplätze.

„Die Schlachtanlage in Wietze, für die ein Geflügelkonzern immer noch vergeblich Mäster sucht, hat die höchste Wirtschaftsförderung im letzten Jahr erhalten: 6 Millionen Euro – das ist für jeden Niedersachsen ein Euro“, rechnet Meyer vor. „Pro 100 000 Hähnchen entsteht aber nur ein Arbeitsplatz.“

Falsche Wirtschaftsförderung, findet er und sieht in der Industrialisierung einen Grund für die immer wiederkehrenden Nahrungsmittelskandale. „Hätten wir die Bodenbindung bei der Nutztierhaltung, dann hätte der Skandal nicht diese Ausmaße.“ Wenn da mal ein Landwirt – und sei es vorsätzlich – etwas falsch mache, dann seien nur die Eier oder das Fleisch von diesem einen Hof betroffen, aber nicht die Landwirtschaft in Gänze. „Ein bis zwei Prozent Umsatzrückgang wäre für viele Landwirte schon ein harter Schlag, aber derzeit brechen die Umsätze um 20 Prozent ein.“

Selbstverständlich müssten die Kontrollen verschärft werden, so Meyer. „Wir haben nur 14 Prüfer in Niedersachsen. Mit so wenig Leuten ist eine wirkliche Lebensmittelkontrolle auch nicht im Ansatz zu machen.“

Umweltminister Hans-Heinrich Sander, der nach dem Abgang von Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen derzeit vorübergehend auch das Landwirtschaftsministerium führt, mache auch dort eine schlechte Figur: „Von dem hört man gar nichts.“ Ausnahmsweise ein Punkt, in dem Meyer sich mit Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner einig ist.

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