Ein Grundstück – zwei Möglichkeiten

Uneinigkeit im Rat Suderburg: Flächenverkauf für Ostfalia oder Seniorenwohnen?

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Der Suderburger Rat ist zwiegespalten: Soll er eine Vorratsfläche für eine mögliche Erweiterung der Ostfalia-Hochschule, hier die Mensa, bereithalten oder das Grundstück für den Bau einer Senioren-Wohnanlage verkaufen? 

Suderburg – Soll die Gemeinde Suderburg eine etwa 6000 Quadratmeter große Brachlandfläche für eine mögliche Erweiterung der Ostfalia-Hochschule vorrätig halten? Oder soll sie das Areal an einen Investor verkaufen, der dort für mehrere Millionen Euro eine Senioren-Wohnanlage bauen möchte? Darüber diskutierte der Suderburger Rat jetzt kontrovers.

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Befürworter eines Verkaufs dieser Gemeindefläche, die sich zwischen der Bahnhofstraße und der Hochschule befindet, ist die SPD. Ihr Fraktionschef Ulrich Mietzer wies darauf hin, dass Benjamin Gießel vom ambulanten Pflegedienst „Medikom“ dort zusammen mit einem Investor fünf Häuser mit insgesamt 60 Wohneinheiten und einen Pavillon zur sozialen Betreuung älterer Menschen bauen wolle. Zehn Vollzeitarbeitsplätze seien geplant.

Ulrich Mietzner, SPD-Fraktionsvorsitzender

„Das ist eine Idealfläche“, sagte Mietzner mit Blick auf das Grundstück, das sich neben dem Seniorenzentrum Twietenhof befindet. Würde die Gemeinde auf den Verkauf verzichten, würde sie „viele hunderttausende Euro nicht generieren“. Die Ostfalia benötige das Areal für eine Erweiterung nicht. Mietzners Fazit: „Es wäre ein Schildbürgerstreich, wenn man dieses Gelände brach liegen lässt und nicht verkauft.“ Die Bewohner der Seniorenanlage würden die Wirtschaftskraft Suderburgs stärken, meinte auch Hinrich Müller (SPD).

Hans-Hermann Hoff, Bürgermeister (Grüne)

Dafür warb auch Bürgermeister Hans-Hermann Hoff (Grüne). „Nehmt die Chance wahr“, appellierte er an den Rat. „60 betreute Wohneinheiten wären ein Gewinn für Suderburg, wir ziehen dadurch Kaufkraft von außen an.“ Sollte das Land irgendwann mal eine Erweiterungsfläche für die Hochschule benötigen, ließe sich diese an anderen Standorten in der Gemeinde finden. Zudem stagnierten die Studentenzahlen der Suderburger Ostfalia schon seit Jahren, so Hoff.

Udo Depner, CDU-Fraktionsvorsitzender

„Wir dürfen den Glauben an die Hochschule nicht verlieren“, betonte indes CDU-Fraktionsvorsitzender Udo Depner. Diese habe in den vergangenen Jahrzehnten ein stetiges Auf und Ab erlebt. Auch Dagmar Hillmer (CDU) war dagegen, die Fläche an den Wohnanlagen-Investor zu verkaufen. „Wir würden damit eine absolute Wachstumsobergrenze für die Ostfalia in Suderburg beschließen“, warnte sie. Ohne geeignetes Grundstück könne diese nicht erweitert werden.

Dierk Pellnath, WSL-Fraktionsvorsitzender

Der Rat habe in dieser Frage gar keine Eile, meinte WSL-Fraktionschef Dierk Pellnath. „Wir vertun uns nichts, wenn wir die Sache drei bis fünf Jahre aufschieben.“ Danach könne der Rat noch immer über einen Flächenverkauf entscheiden.

Die Gemeinde dürfe besagtes Grundstück nur dann für die Wohnanlage veräußern, wenn sie dafür eine Kompensationsfläche von einem Privateigentümer erwerben könne, forderte Einzelbewerber Götz Schimmack und stellte klar: „Es ist verantwortungslos, die Zukunft der Hochschule und die von Suderburg zu verkaufen.“

Letztlich beschloss der Rat, das Thema vorerst zu vertagen. Zuvor soll die Gemeindeverwaltung ein Gutachten in Auftrag geben, mit dem der Verkehrswert der ins Auge gefassten Kompensationsfläche ermittelt wird. Ob die Gemeinde diese am Ende auch erwerben kann, wird sich aus den Verhandlungen mit dem Eigentümer ergeben.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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