Bauphysik am Campus Suderburg: Junge Wissenschaftler im Praxistest

Undichten Stellen auf der Schliche

Klaas Hennig ist einer der Experten der Bauphysik. Im aufgerüsteten Labor stehen beispielsweise Geräte bereit, mit denen er Luftdichtheitsprüfungen durchführen kann. Foto: Ph. Schulze

Suderburg. Vor wenigen Monaten hat sich die Bauphysik am Campus Suderburg noch über eine neue, moderne Laborausstattung gefreut, inzwischen sind die Wissenschaftler dort fleißig am Werkeln. Vor allem praktische Versuche stehen neben theoretischen Inhalten hoch im Kurs.

Ein Schwerpunkt der Arbeit von Studierenden und Lehrkräften ist die Luftdichtheitsprüfung. Vor allem wenn Väterchen Frost vor der Tür steht, werden die Studenten der Fachhochschule wieder häufiger zum „Praxistest“ ausrücken – also mit verschiedenen Hilfsmitteln die Bausubstanz von Häusern prüfen. Denn vor allem bei alten Gebäuden können die entsprechenden Stoffkennwerte oft nicht mehr durch die Bauunterlagen ermittelt werden.

Denn ein erklärtes Forschungsziel der Bauphysik ist es, energieeffizientes Bauen möglich zu machen und den Wärmeschutz in bereits bestehenden Gebäuden sicher zu stellen. Wände, Fenster, Dichtungen – alles Faktoren, die ein Wohnhaus zum Energiefresser machen können. Um den undichten Stellen oder maroden Materialien auf die Schliche zu kommen, heißt es für die Wissenschaftler: Aus dem Labor auf den Bau.

Die Studierenden bringen beispieslweise Oberflächensensoren am Fenster an – bevor die jungen Wissenschaftler mit den Zahlen auf dem Messgerät etwas anfangen können, muss natürlich gepaukt werden. Nur wer die Formeln und Richtwerte kennt, kann Schlüsse ziehen. Undichte Stellen im Gebäude werden mit Theaternebel sichtbar. Klaas Hennig, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Bauphysik: „Der Nebel ist natürlich total ungefährlich. Wir passen da auf, dass keiner gesundheitlichen Schaden nimmt.“ Zudem stehen den Studierenden Wärmebildkameras zur Messung der Oberflächentemperaturen sowie die Geräte für eine „Blower-Door-Messung“ zur Verfügung, die der Feststellung von Undichtigkeiten bei der Gebäudehülle und Wärmebrücken. Bis vor kurzem hatten die Studierenden ihre größte Probierstube noch direkt vor der Nase. Denn der Altbau der Campusanlage, in dem die Bauingenieure und damit auch die Bauphysik untergebracht sind, wird derzeit saniert. Bevor die Arbeiten dort abgeschlossen waren, gab es allerhand undichte Stellen in den eigenen vier Wänden zu begutachten.

Bisher können die Wissenschaftler ihre Dienste „Häuslebauern“ eingeschränkt anbieten – die Laborleistungen sind zum Beispiel im Rahmen der Qualitätsprüfung im Auftrag von Firmen möglich. Die Zulassung als Prüfstelle wird von der Hochschule angestrebt, damit das Team der Bauphysik entsprechende Zertifikate beziehungsweise Gutachten für verschiedene Dämmmaterialien ausgeben dürfte.

Die Bauphysik ist eine Abteilung der Fakultät Bau-Wasser-Boden an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften. Am Campus Suderburg wird an zwei Fakultäten unterrichtet. Neben Bau-Wasser-Boden, zu der unter anderem die Studiengänge Angewandte Informatik und Bauingenieurwesen zählen, bietet die Ostfalia an ihrem jüngsten Standort an der zweiten Fakultät „Handel und Soziale Arbeit“ die Studiengänge „Handel und Logistik“ und „Soziale Arbeit“ an.

Von Wiebke Brütt

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