Zweite Fragerunde zur Wahl der Samtgemeindebürgermeisters

Suderburger Kandidaten diskutieren über Ärztemangel, Radwege und Einheitsgemeinde

Benjamin Gießel, Stefan Kleuker, Dierk Pellnath und Wolf-Dietrich Marwede sitzen nebeneinander auf Stühlen im Veranstaltungssaal.
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Zu Gast beim „Politik-Talk“ der Landfrauen Suderburg (von links): Benjamin Gießel, Stefan Kleuker, Dierk Pellnath und Wolf-Dietrich Marwede. Auf dem Foto fehlt Günther Winkelmann, der beruflich verhindert war.
  • Bernd Schossadowski
    VonBernd Schossadowski
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Die Kandidaten für die Wahl des Suderburger Samtgemeindebürgermeisters haben sich jetzt in einer zweiten Runde den Fragen der Bürger gestellt, diesmal auf Einladung der Landfrauen. Zwischen Stefan Kleuker, Benjamin Gießel, Wolf-Dietrich Marwede und Dierk Pellnath gab es dabei viele Übereinstimmungen. Beim Thema Einheitsgemeinde gingen die Meinung jedoch auseinander.

Suderburg – Den Suderburger Landfrauen brennen gleich mehrere Themen unter den Nägeln. Wie kann dem Ärztemangel im ländlichen Raum begegnet werden? Wie lässt sich das Radwegenetz verbessern? Und was kann für den Insektenschutz getan werden? Um diese und viele weitere Fragen ging es jetzt vor etwa 100 Gästen beim „Politik-Talk“ der Landfrauen. Moderiert wurde die Runde von Carsten Schlüter.

Zu Gast waren vier der fünf Kandidaten für die Wahl des Suderburger Samtgemeindebürgermeisters: Stefan Kleuker (CDU), Benjamin Gießel (SPD), Wolf-Dietrich Marwede und Dierk Pellnath (beide parteilos). Aus beruflichen Gründen verhindert war hingegen Günther Winkelmann (WSL). Bereits vor einer Woche hatte die Suderburger Dorfgemeinschaft zu einer ersten Diskussionsrunde zur Bürgermeisterwahl eingeladen (AZ berichtete).

Ärzte-Stipendien und schnelles Internet

Alle vier anwesenden Kandidaten waren sich einig: Die ärztliche Versorgung in Suderburg muss gesichert werden. „Man sollte Stipendien für junge Studierende an medizinischen Hochschulen vergeben“, schlug Gießel vor. Daran sei die Bedingung zu knüpfen, dass sich die Ärzte nach erfolgreicher Abschlussprüfung im ländlichen Raum niederlassen müssen.

Ihnen Anreize zu bieten, kann sich auch Pellnath vorstellen. „Das ist ein sehr wichtiges Thema, das müssen wir angehen“, betonte er. Marwede erklärte, er wolle Kontakte mit den Hausärzten pflegen, um zu ermitteln, wie lange diese noch praktizieren wollen. „So kann man sich rechtzeitig darum bemühen, dass ein Nachfolger kommt.“

Mit der Kassenärztlichen Vereinigung und örtlichen Ärzten müssten Lösungen gefunden werden, sagte Kleuker. „Im ersten Schritt ist schnelles Internet sehr wichtig, weil sich Arztbesuche verändern werden“, sagte er mit Blick auf Online-Sprechstunden per Computer.

Ärger ums Ranking für die Radwege

Die Verbesserung des Radverkehrs liegt allen vier Kandidaten ebenfalls am Herzen. Doch auf der Prioritätenliste für Radwege an Kreisstraßen tauchen kaum Suderburger Verbindungen auf. Man müsse diese Liste in Gesprächen mit dem Landkreis „einfach mal aufmischen“ und das Ganze mit aktuellen Zahlen zur Verkehrsbelastung untermauern, meinte Marwede. Vor allem der Lückenschluss Bahnsen-Bargfeld und der Radweg zwischen dem Suderburger Kreisel und Stadensen seien dringend erforderlich.

Kleuker betonte, dass die Samtgemeinde und ihre drei Mitgliedsgemeinden an einem Strang ziehen sollten. „Es muss eine Stellungnahme beim Landkreis eingehen, auf der vier Bürgermeister unterschreiben und deutlich machen, dass die Kriterien des Radwege-Rankings nicht richtig sind“, sagte er. Entscheidend sei auch, fertige Radwegpläne in der Schublade zu haben, falls eine andere Kommune abspringen sollte.

Dem pflichtete Gießel bei. Aus seiner Sicht ist der Radwegbau nicht nur aus touristischen Gründen wichtig, sondern auch, um die Fahrt für Radler, vor allem Kindern, sicherer zu machen. Allerdings könnten sich einige Kommunen die erforderliche Co-Finanzierung nicht leisten, gab Pellnath zu bedenken. „Alle Radwege nach allen Wünschen hinzubekommen, ist utopisch“, glaubt er.

Mehr Blühstreifen und Pflanzbeete

Beim Insektenschutz waren sich die vier Bewerber weitgehend einig. Pellnath und Kleuker regten an, bei der Ausweisung von Baugebieten den Erhalt von Grünflächen vorzuschreiben. Steingärten müssten verboten werden. „Das sieht gruselig aus“, kritisierte Kleuker. Marwede plädierte dafür, auf öffentlichen Flächen mehr Blühstreifen anzulegen und einzelne Parkbuchten zu Pflanzbeeten umzugestalten. Auch der Erhalt bestehender Blühflächen dürfe nicht vernachlässig werden, sagte Gießel. Dazu wolle er Kontakte zu NABU und BUND knüpfen.

Geteilte Meinungen gab es zur Bildung einer Einheitsgemeinde Suderburg. Kleuker, Marwede und Pellnath lehnten das strikt ab und pochten auf den Erhalt eigenständiger Mitgliedsgemeinden. Anders sah das Gießel: Er sei „kein Befürworter, aber auch kein krasser Gegner“ einer Einheitsgemeinde. In den nächsten fünf Jahren werde diese wegen anderer Herausforderungen zwar kein Thema sein. „Aber es steht auf meiner Agenda, dass man sich in der darauffolgenden Wahlperiode mit einer Einheitsgemeinde beschäftigen muss.“

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