Notbetreuung nur für kleinen Kreis?

Suderburger Eltern kritisieren Richtlinie zur Vergabe von Plätzen

Über die Anträge von Eltern auf Notbetreuung von Kindern – hier ein Symbolfoto – gibt es Streit zwischen Suderburger Eltern und der Samtgemeindeverwaltung.
+
Über die Anträge von Eltern auf Notbetreuung von Kindern – hier ein Symbolfoto – gibt es Streit zwischen Suderburger Eltern und der Samtgemeindeverwaltung.

Suderburg – Es sind vorsichtige Lockerungen während der Corona-Krise: Die Notbetreuung in den niedersächsischen Kitas wird schrittweise erweitert. Trotzdem regt sich bei Suderburger Eltern Unmut.

Sie kritisieren, dass die Samtgemeinde bei der Platzvergabe für die Kinder-Notbetreuung in den vergangenen Wochen zu viele Absagen erteilt habe. Die Kommune habe die Richtlinie zu streng interpretiert und nur ganz spezielle Berufsbranchen berücksichtigt.

Klar sei, dass Eltern in systemrelevanten Berufen wie Gesundheitswesen, Pflege, Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Polizei, Feuerwehr, Hygiene und Ernährung bevorzugt einen Notbetreuungsplatz für ihre Kinder bekommen müssten, sagt Doreen Müller-Chlosta, zweite Gesamtelternvertreterin des Kindergartens Suderburg. Es gebe aber noch weitere Berufe von öffentlichem Interesse, die außen vor gelassen würden. „Eine ganze Reihe von Anträgen wurde abgelehnt, unter anderem von Eltern in folgenden Berufskombinationen: Altenpflege/Paketdienst, Krankenkasse/Versicherung, Sparkasse/Finanzamt und Schulbegleitung/Deutsche Bahn“, nennt Müller-Chlosta einige Beispiele.

Laut der Richtlinie der Kommunen im Kreis Uelzen bestehe bereits Anspruch auf Notbetreuung, wenn ein Elternteil in einem dieser Berufe arbeitet. Die Samtgemeinde Suderburg habe aber mitgeteilt, dass beide Elternteile einen solchen Beruf haben müssen, sagt Müller-Chlosta. Viele Eltern fragten sich, wie die Aufstockung der Betreuungsplätze die Eltern entlasten könne, „wenn die Kommune die Kriterien für eine Notbetreuung so hoch hängt, dass nahezu niemand die Vorgaben erfüllt“. Müller-Chlostas Fazit: „Viele Eltern haben Sorge, den Kindern im Spagat zwischen Beruf und Kinderbetreuung nicht mehr gerecht zu werden.“

Suderburgs Verwaltungschef Thomas Schulz kann diese Nöte nachvollziehen. Er gibt aber zu bedenken, dass sich die Samtgemeinde nur an die Vorgaben des Landes gehalten habe. Bis zum 17. April habe es in Niedersachsen eine strikte Verordnung gegeben, nach der nur wenige Berufsgruppen Anspruch auf Notbetreuung hatten. Danach sei die Regelung für die Branchen Ernährung und Hygiene gelockert worden.

Wegen der knappen Kapazitäten hätten die Kommunen im Kreis Uelzen aber eine Einschränkung beschlossen: „Die Eltern mussten nicht beide zu diesen Berufszweigen gehören. Aber auch der andere Elternteil musste nachweisen, dass er die Betreuung nicht gestalten kann, zum Beispiel weil er von Kündigung bedroht ist oder Einkommensnachteile hat“, erklärt Schulz. Überdies habe man Betreuungsplätze in Fällen von besonderer Härte, etwa bei Gefahr von häuslicher Gewalt, geschaffen.

Mit der schrittweisen Lockerung der Verordnung werde es in den nächsten Wochen immer mehr Notbetreuungsplätze auch für andere Berufsgruppen geben, betont Schulz. „Zwischenzeitlich waren in Suderburg einige Plätze frei geblieben“, gibt er zu. „Aber wir gehen jetzt bis zur Maximalkapazität in Krippe und Kindergarten.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare