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Suderburg sagt Ja, die Ortsteile Nein zur alten Schule

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Von: Bernd Schossadowski

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Außenansicht der alten Schule in Suderburg
Suderburgs alte Schule soll nicht erhalten bleiben. Das hat der Bürgerentscheid am 12. Juni ergeben. Doch die Ergebnisse in Suderburg und den Ortsteilen unterschieden sich deutlich. © Lars Lohmann

Beim Bürgerentscheid zur alten Schule in Suderburg gab es ein auffälliges Abstimmungsergebnis. Während in Suderburg eine Mehrheit für den Erhalt des Gebäudes war, votierten in den Ortsteilen die meisten Bürger dagegen.

Suderburg – Wären nur die Stimmen aus dem Ort Suderburg gezählt worden, hätte sich beim Bürgerentscheid vom 12. Juni eine Mehrheit für den Erhalt der alten Schule am Gänsekamp ergeben. Das zeigt die Analyse der gestern von der Verwaltung vorgelegten Einzelergebnisse aus den Abstimmungslokalen. Wie berichtet, hatten 606 Bürger für den Erhalt des Gebäudes votiert, 667 aber mit Nein. Doch im Bereich Suderburg I – gewählt wurde im Gasthaus Müller – gab es 125 Ja- und nur 61 Nein-Stimmen, in Suderburg II (Abstimmung in der Ostfalia) 132 Ja- und 90 Nein-Stimmen.

Ganz anders sah es in den Ortsteilen aus, in denen sich die Mehrheit gegen den Erhalt der alten Schule aussprach. Am deutlichsten war das in Böddenstedt (31 Ja- und 100 Nein-Stimmen), Bahnsen (8 zu 56) und Holxen (23 zu 66). Knapper fiel das Ergebnis in Räber (25 zu 35), Hösseringen (64 zu 67) und Suderburg III aus, wo im Lokal „Auszeit“ gewählt wurde (61 zu 62). Bei der Briefwahl lagen die Ja-Stimmen mit 137 zu 130 vorn. Doch selbst eine Mehrheit im Gesamtergebnis hätte für den Erhalt der alten Schule nicht gereicht, weil die erforderliche Zahl von 761 Ja-Stimmen verpasst wurde.

Altes Schulgebäude ist emotionales Thema

Eine mögliche Erklärung für das auffällige Stimmverhalten nennt Holger Scheuermann, Fachbereichsleiter im Suderburger Rathaus und stellvertretender Abstimmungsleiter. „Es kann sein, dass man in den Ortschaften ein bisschen distanzierter zur alten Schule ist als in Suderburg“, glaubt er. Das Gebäude sei ein emotionales Thema, viele Suderburger seien dort zur Schule gegangen. „Aber es gibt auch Leute, die das nicht so emotional sehen und der Haltung des Rates folgen, das Gebäude abzureißen.“

Das fraktionslose Ratsmitglied Götz Schimmack ist über das Ergebnis des Bürgerentscheids enttäuscht. „Für Suderburg als Hochschulstandort ist es blamabel, dass es so einen Ausgang genommen hat“, meint er. Zudem verweist Schimmack auf einen Infoflyer, der in der Gemeinde verteilt worden war. Auf diesem wurde dazu aufgerufen, gegen den Erhalt der alten Schule zu stimmen. Ein Grund: Die Kosten für die Unterhaltung und Sanierung des Gebäudes würden den Steuerzahlern zur Last fallen. „Das Geld fehlt für sinnvolle Zwecke wie die Dorfentwicklung in den Orten Bahnsen, Böddenstedt, Hamerstorf und Holxen. Die anderen Orte der Gemeinde haben ihre Dorferneuerung gehabt – wir alle haben dafür mitgezahlt“, heißt es in dem Schreiben, das unter anderem von den Ratsherren Hans-Jürgen Drögemüller (SPD) aus Böddenstedt und Reinhard Dehrmann (WSL) aus Bahnsen unterzeichnet wurde.

Schimmack stört sich an Infoflyer

Der Flyer stößt bei Schimmack auf scharfe Kritik. Die Verfasser hätten damit „Propaganda“ verbreitet, sagt er im AZ-Gespräch. „Neid zu wecken und Konkurrenz um Gelder aus dem Dorfentwicklungsprogramm zu schüren, finde ich nicht in Ordnung.“ Schimmack stört sich auch an der Aussage des Flyers, dass sich der Krippenbau in Suderburg wegen der Bürgerbegehren verzögert und die Gemeinde „mindestens 800 000 Euro, wenn nicht gar über eine Million Euro gekostet“ habe. „Das ist völliger Unsinn“, betont Schimmack.

Fakt sei, dass der Rat im Oktober 2018 einstimmig beschlossen habe, das ehemalige Schulgebäude zu sanieren, um darin Platz für Krippenkinder zu schaffen. „Dafür waren 872 000 Euro als Kosten angesetzt. Das wäre viel günstiger geworden als der Neubau, der mindestens 1,75 Millionen Euro kosten wird“, meint Schimmack. Im Oktober 2020 habe der Rat jedoch entschieden, das Gebäude abzureißen und nebenan eine neue Krippe zu errichten.

Drögemüller weist Kritik zurück

Hans-Jürgen Drögemüller sieht das anders. „Eine statische Prüfung hat ergeben, dass das Gebäude von Grund auf verstärkt und ein Stahlgerüst eingebaut werden muss“, erklärt der SPD-Politiker. Aufgrund der ungewissen Kosten habe die Politik davon Abstand genommen. Den Vorwurf, der Flyer schüre Neid, weist er zurück: „Das hat damit nichts zu tun. Es gibt ja noch nicht mal ein Konzept für die Nutzung der alten Schule. Und natürlich ist es wichtig, dass wir unsere Ortsteile in der Dorfentwicklung voranbringen.“

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