Ärger um Bußgeldbescheid: Hösseringer hat Klage gegen Landkreis eingereicht

Haft wegen Hundehalsband?

Rüdiger Schütte streichelt seinen Hund Lucky
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Rüdiger Schütte liebt seinen Hund Lucky. Der 78-Jährige kann nicht verstehen, warum er einen Bußgeldbescheid wegen Verstößen gegen den Tierschutz erhalten hat.
  • Bernd Schossadowski
    VonBernd Schossadowski
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Airdale Terrier Lucky tollt im Garten seines Herrchens Rüdiger Schütte in Hösseringen umher, springt Besucher schon mal freudig an, ist aber völlig ungefährlich. „Lucky ist ein toller Hund, aber recht wild“, sagt Schütte. Er kann nicht nachvollziehen, warum ihm das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Landkreises Uelzen einen Bußgeldbescheid wegen angeblicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz geschickt hat. 

Hösseringen - 250 Euro, zuzüglich einer Gebühr und Auslagen von 28,50 Euro, soll Schütte zahlen. „Damit wird der Eindruck erweckt, dass ich ein Verbrecher und Hundeschänder sei. Das ist unerhört“, ärgert sich der 78-Jährige. Jemand aus dem Ort habe ihn angezeigt, erzählt er der AZ. Der Grund: Rund um sein Grundstück hat er einen Begrenzungsdraht verlegt.

Das sei ein elektronischer Zaun, der vibriere und akustische Signale aussende, damit Lucky davon Abstand halte und nicht über den Gartenzaun springe, erläutert Schütte. Und er versichert: „Die Anlage war und ist ausgeschaltet. Ich habe Lucky zu keinem Zeitpunkt mit irgendwelchen Elektroschocks bearbeitet, sondern ihn immer pfleglich behandelt.“ Im Übrigen seien der Besitz und die Installation der kritisierten Anlage erlaubt. Es sei daher keine Ordnungswidrigkeit, diese im eigenen Grundstück anzubringen, meint er.

Darüber hinaus moniert der Landkreis, dass Lucky ein Halsband mit Stromeinwirkung beziehungsweise ein Stachelhalsband getragen habe. Den Einsatz dieser Mittel hat die Behörde mit sofortiger Wirkung verboten. Auch dieser Vorwurf stimme nicht, betont Schütte. Es sei lediglich ein Vibrationshalsband mit Gummi-Noppen gewesen, durch das kein Strom fließe. Das Halsband habe nur eine psychologische Wirkung auf Lucky. Außerdem lebe der Hund in Freiheit auf einem 2500-Quadratmeter-Grundstück und werde von ihm „drei Mal am Tag in Feld, Wald und Wiese geführt“.

Aus Schüttes Sicht ist der Bußgeldbescheid völlig überzogen. Denn der Landkreis droht ihm eine Erzwingungshaft von bis zu sechs Wochen an, sollte er den fälligen Betrag nicht innerhalb eines Monats überweisen. „Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen“, kritisiert er. „Es ist schon abenteuerlich, mit welchen Methoden gegen unbescholtene Bürger gearbeitet wird.“ Deshalb hat der Hösseringer beim Landkreis Einspruch gegen den Bußgeldbescheid eingelegt.

Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt begründet in seinen Schreiben jedoch ausführlich, warum Schütte gegen das Tierschutzgesetz verstoßen habe. Der Gebrauch von stromführenden Halsbändern verursache „Schmerzen, die bei dauerhafter Anwendung Verletzungen und bleibende Schäden beim Hund verursachen können“, teilt die Behörde dem 78-Jährigen mit.

Und weiter heißt es: „Für das Merkmal der Zufügung nicht unerheblicher Schmerzen, Leiden oder Schäden kommt es nicht auf die konkrete Handhabung des Gerätes im Einzelfall an, sondern allein darauf, dass die Geräte nach ihrer Bauart und Funktionsweise geeignet sind, die untersagten Folgen herbeizuführen.“ Somit sei es auch unerheblich, ob die Anlage zum Zeitpunkt der Kontrolle durch Mitarbeiter des Landkreises ausgeschaltet war.

Für Schütte ist die Angelegenheit indes nicht erledigt. Er will das Bußgeld nicht zahlen und hat inzwischen beim Verwaltungsgericht Lüneburg eine Klage gegen den Landkreis eingereicht.

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